Ratlos, planlos, hilflos – Club!

Sichtlich verstörte Nürnberger nach der peinlichen Vorstellung beim 0:4 in Hamburg. Trainer Dieter Hecking gibt Fehler zu. „Ich lag mit meinem Personalentscheidungen nicht richtig“
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„Wir müssen jetzt alles hinterfragen – auch das Trainer-Team“: Sogar Club-Coach Dieter Hecking weiß nicht mehr weiter.
bayernpress „Wir müssen jetzt alles hinterfragen – auch das Trainer-Team“: Sogar Club-Coach Dieter Hecking weiß nicht mehr weiter.

Sichtlich verstörte Nürnberger nach der peinlichen Vorstellung beim 0:4 in Hamburg. Trainer Dieter Hecking gibt Fehler zu. „Ich lag mit meinem Personalentscheidungen nicht richtig“

HAMBURG Im Hamburger Schanzenviertel brannten in der Nacht die Autos, in der HSH Nordbank-Arena am Ende nur die Luft im Nürnberger Gästeblock. „Wir ham’ die Schnauze voll“ und „wir sind der Club“, skandierten die 1500 wütenden Anhänger nach der an Peinlichkeit kaum zu überbietenden 0:4-Klatsche beim Hamburger SV völlig zu Recht. Denn in die FCN-Geschichtsbücher wird dieser 1. Mai als ein Tag eingehen, an dem der 1. FC Nürnberg die Arbeit komplett verweigerte – und deshalb schnurgerade in Richtung Abstieg Nummer acht taumelt.

"Erschreckendes Zweikampfverhalten"

Hilflos, planlos, ratlos! Statt ein leidenschaftliches Feuerwerk abzufackeln, geriet die Taktik von FCN-Trainer Dieter Hecking zum Rohrkrepierer. „Wir wollten eng stehen, den HSV in Zweikämpfe verwickeln und dann nach hinten raus unsere Chancen bekommen“, lautete Heckings Vorgabe für den ersten Akt des Abstiegsfinales. Aber seine Schützlinge legten ein „erschreckendes Zweikampfverhalten“ an den Tag, das es den Hamburgern Torschützen Jonathan Pitroipa (9.), Mladen Petric (19., 25.) und Ruud van Nistelrooy (73.) laut Keeper Raphael Schäfer ermöglichte, „uns auseinander zu nehmen.“ Fast schon ein Kunststück angesichts dessen, dass der HSV noch seinen Europa-League-Auftritt vom Donnerstag in den Knochen hatte und anfangs alles andere als eine Siegermentalität ausstrahlte.

Die Folge der Klatsche? Nach vier Pleiten in Serie macht sich bei den Fans Untergangsstimmung und bei Hecking ein Hauch von Ratlosigkeit breit. „Wir müssen uns jetzt alle hinterfragen – auch das Trainerteam –, was im Vorfeld, vielleicht in der Ansprache, schief gelaufen ist“, so der 45-Jährige Coach selbstkritisch. „Es nützt jetzt nichts, auf die Mannschaft draufzuhauen. Auch ich war mit meinen Personalentscheidungen nicht richtig gelegen. Mir ist es nicht gelungen, das Team zu emotionalisieren.“

"In dieser Verfassung auch gegen Köln keine Chance"

Eine Kurzschluss-Reaktion wie während der Woche in Bochum, wo Erfolglos-Trainer Heiko Herrlich entlassen wurde, droht nicht. „Das ist weit weg von jeglicher Realität“, versichert FCN-Manager Martin Bader. Nur was passiert dann?

Für Schäfer ist die Sache längst klar. „Das ist definitiv eine Kopfsache. In dieser Verfassung haben wir auch gegen Köln keine Chance.“ Natürlich ist bei dem „Endspiel, das wir uns in der Winterpause doch noch alle gewünscht haben“ (Schäfer) am Samstag, 15.30 Uhr, gegen die Geißböcke noch alles drin (siehe Seite 14). Es stellt sich aber die Frage, wie Hecking in der wenig verbleibenden Zeit den Hebel umlegen will.

"Alles Private hinten anstellen"

Ein Kurztrainingslager ist kein Thema, dafür wurde der normalerweise freie Montag gestrichen. Heute ist Lauftraining angesagt. „Wir suchen noch nach den Antworten“, rätselt auch Bayern-Leihgabe Andreas Ottl und fordert: „Nach ein bis zwei Tagen müssen wir die Niederlage aber aus unseren Köpfen rauskriegen.“ Denn: „Jeder muss jetzt im Kopf klar sein, alles Private hinten anstellen.“

In erster Linie geht es für Hecking nun darum, herauszufiltern, wer in seinem Kader der äußerst prekären Situation zumindest ansatzweise gewachsen zu sein scheint. „Wir müssen jetzt genau hinschauen, wer dem Druck standhält“, grübelt Hecking, schränkt aber gleichzeitig ein: „So viel Auswahl haben wir da nicht.“

Eine Menge Kredit verspielt

Tatsächlich haben von seiner Mannschaft lediglich Kapitän Andreas Wolf und Javier Pinola, Joe Mnari und Marek Mintal Erfahrung im Abstiegskampf vorzuweisen. Mintal und Mnari spielen allerdings beim Club schon lange keine Rolle mehr. Aber schlechter als ihre jungen Nachfolger gegen den HSV könnten es die Oldies gegen Köln auch nicht machen. Die „jungen Wilden“ haben in den letzten Wochen eine Menge Kredit verspielt. Krischan Kaufmann

Mehr über den Club, die Einzelkritik und die komplizierte Arithmetik im Abstiegskampf, lesen Sie in der Printausgabe der Abendzeitung am Montag, 3. Mai.

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