Mike Frantz: "Ich wollte schon alles hinschmeißen"

Der Club-Pechvogel will endlich wieder seinen Traum leben können, „im Spielertunnel zu stehen, das Stuhlfauth-Zitat über dem Ausgang zu lesen und unsere Fans „Die Legende“ singen hören“  
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Zum letzten Mal spielte Mike Frantz am 11. Dezember 2010 für den Club in Hoffenheim. Derzeit kann er nur mit Krücken laufen.
Wolfgang Zink Zum letzten Mal spielte Mike Frantz am 11. Dezember 2010 für den Club in Hoffenheim. Derzeit kann er nur mit Krücken laufen.

SAARBRÜCKEN/NÜRNBERG Innerhalb eines knappen Jahres hat sich die Fußballwelt für Mike Frantz völlig auf den Kopf gestellt. Leider zum Nachteil des 24-jährigen Club-Profis. Im vergangenen Juli durfte sich der Flügelflitzer noch geschmeichelt fühlen: Aston Villa hatte aus der englischen Premier League angefragt. Für Mike schon damals – und erst recht heute – „kein richtig ernsthaftes Thema“. Nach seiner Zehen-Operation, das erklärt der gebürtige Saarländer im AZ-Interview, hat er nur einen Traum: endlich ohne Schmerzen spielen zu können.

AZ: Seit 11. Dezember, seit dem 1:1 in Hoffenheim, haben Sie kein Spiel mehr bestritten. Sehen Sie endlich Licht am Ende des Tunnels?

MIKE FRANTZ: Ja, auch wenn es derzeit nur in kleinen Schritten aufwärts geht. Das ist mit Abstand die bisher härteste Zeit in meinem Leben. Und ich habe schon einiges an negativen Dingen erlebt, über die ich aber nicht sprechen möchte!

Im Rückblick zeichnete sich der Anfang vom vorzeitigen Saisonende nicht erst mit der OP vor knapp drei Wochen, sondern schon im November ab. Das „System Frantz“ streikte. Warum?

Der Magen-Darm-Virus war eine Lappalie, muskuläre Probleme habe ich verdrängt. Ich wollte doch unbedingt der Mannschaft helfen. Vor dem Spiel bei den Bayern Mitte November habe ich im Training einen Schlag gegen meinen rechten großen Zeh bekommen. Am Morgen vor dem Spiel musste ich mich zum Frühstücksbuffet quälen. Dabei waren wir doch so zuversichtlich, endlich mal wieder was in München zu holen. Ich habe den Schmerz einfach ausgeblendet.

Falscher Ehrgeiz? Machen Sie selbst sich auch Vorwürfe?

Ja! Obwohl die Signale meines Körpers eindeutig waren, habe ich die ganze Sache völlig falsch eingeschätzt. Auch, weil auf den Aufnahmen nach der ersten Kernspintomografie definitiv nichts gravierendes zu erkennen war. Ich dachte: Spiel’ doch einfach, wird schon wieder.

Wurde es aber nicht. Erst vor sechs Wochen wurde eine so genannte „Hakenzehe“ als Ursache diagnostiziert. Wurde da etwas verschlampt?

Tatsache ist, dass mein extremer Ehrgeiz mir mehr geschadet als geholfen hat. Dafür kann kein Arzt etwas. Nun wurde altes Knochengewebe abgetragen, ein Keil von rund zwei Millimetern aus dem Mittelfußknochen zur Stabilisierung genommen und zusätzlich mit einer Titanschraube fixiert.

Mike Frantz, der mit dem wertvollsten Fuß der Liga?

Ich hätte lieber den billigsten Huf und dafür keine Schmerzen mehr.

Schön, dass Sie wieder lachen können.

Das Fürchterliche für mich war nicht die Verletzung, sondern die zuvor immer wieder zerstörte Hoffnung auf ein Comeback – obwohl ich doch vermeintlich alles dafür getan hatte. Ich war total verzweifelt, habe bereits auch über das Ende meiner Karriere nachgedacht.

Wer hat Sie zum Weiterkämpfen überredet?

Ich habe überhaupt nicht mehr gewusst, wie es weitergehen soll. Bei einem Kreuzbandriss, einem Bandscheibenvorfall, da weißt du wenigstens ungefähr, wie lange du ausfällst. Aber ich mit meiner vermaledeiten Zehe? Ohne meine Eltern Moni und Ferdinand, die Schwiegereltern in spe, Tine und Mitch, meine Freundin Sarah und meinen Berater Guido Nicolai hätte ich wohl hingeworfen. Sie unterstützen mich auch jetzt noch. Meine Schwiegereltern haben mich aus Nürnberg abgeholt und alles für mich gepackt, damit ich die Reha in Saarbrücken machen kann.

Geteiltes Leid ist halbes Leid, heißt es. Wie unterstützen sich Leute aus verschiedenen Sportarten beim gemeinsamen Ziel Comeback?

Mein Rehazentrum ist an die Hermann-Neuberger-Sportschule angegliedert. Hier treffe ich regelmäßig Ringer und Badmintonspieler aus dem Nationalteam, Tennisprofi Anna-Lena-Grönefeld und Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno. Gerade im koordinativen Bereich kann ich mir jede Menge abgucken. Wir Fußballer hinken da etwas hinterher.

Wie sieht Ihr Fahrplan aus?

Schnell schmerzfrei werden. Das dauert aber noch ein bisschen. In zwei Wochen kann ich hoffentlich ohne meinen Spezialschuh laufen. Dann kommen insgesamt acht Wochen Aufbautraining. Mitte September will ich topfit und spielfähig sein. Um endlich wieder meinen Traum leben zu können: in unserem Stadion im Spielertunnel zu stehen, das Stuhlfauth-Zitat über dem Ausgang zu lesen, unsere Fans „Die Legende“ singen zu hören – und dann raus auf den Rasen und möglichst gewinnen. Diesen Tag sehne ich herbei.

Interview: Markus Löser

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