Machtkampf beim Club

Wer überlebt die Führungskrise beim 1. FC Nürnberg: Manager Martin Bader und Vizepräsident Ralph Woy wehren sich gegen die üblen Verbalattacken von Boss Michael A. Roth. Die morgige Aufsichtsrats-Sitzung birgt jede Menge Sprengstoff.
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Da hatte er wohl nicht gerade den richtigen Riecher gehabt: Präsident Michael A. Roth hat mit seinen Verbalattacken gegen Bader und Woy das Fass offenbar zum Überlaufen gebracht. Die Club-Krise eskaliert – jetzt auch in der Chefetage.
Wolfgang Zink Da hatte er wohl nicht gerade den richtigen Riecher gehabt: Präsident Michael A. Roth hat mit seinen Verbalattacken gegen Bader und Woy das Fass offenbar zum Überlaufen gebracht. Die Club-Krise eskaliert – jetzt auch in der Chefetage.

NÜRNBERG - Wer überlebt die Führungskrise beim 1. FC Nürnberg: Manager Martin Bader und Vizepräsident Ralph Woy wehren sich gegen die üblen Verbalattacken von Boss Michael A. Roth. Die morgige Aufsichtsrats-Sitzung birgt jede Menge Sprengstoff.

Die Club-Krise, zunächst auf die sportliche Talfahrt in Liga zwei beschränkt, eskaliert nun endgültig. Präsident Michael A. Roth hatte in der gestrigen AZ-Ausgabe eine verbale Breitseite gegen seine beiden hauptamtlichen Vizepräsidenten Martin Bader und Ralf Woy abgefeuert – und mit Rücktritt gedroht. Roths Vorwurf: Zu wenig Infos für ihn – bedingt durch angeblich eigenmächtiges Handeln des Duos im sportlichen (Bader) wie im finanziellen Bereich (Woy). Innerhalb der Führungsetage droht jetzt eine echte Schlammschlacht.

"Rufmorden lasse ich mich nicht!"

Doch wer überlebt diesen Machtkampf – und wahrt dabei sein Gesicht? Klar ist: Morgen um 16 Uhr wird es auf der Sitzung von Präsidium und Aufsichtsrat in der FCN-Geschäftsstelle am Valznerweiher zum Schlagabtausch kommen. Roth wird sich nicht darauf hinaus reden können, alles nur im Spaß gesagt zu haben. Auf der anderen Seite stehen Bader und Woy zu ihrem Handeln. Der Manager wiederholt: „Sportlich ist unsere Situation ganz klar unbefriedigend. Dieser Verantwortung stelle ich mich auch.“ Und der „Wirtschaftsminister“, hauptverantwortlich für die zweifelsohne tadellosen Zahlen in der FCN-Bilanz, erklärt: „Ich bin von Herrn Roths Aussagen enttäuscht. Ich reiße mir hier im Verein seit fünf Jahren den Allerwertesten auf, verzichte auf Urlaub, um den Club finanziell auf gesunde Beine zu stellen. Aber rufmorden lasse ich mich nicht!“

Das gegenseitige Vertrauen scheint also nur noch auf einem ganz porösen Fundament zu stehen. Auch wenn Roth betont hatte: „Noch habe ich mit niemandem verhandelt. Ich habe auch keine Besseren in der Hinterhand.“ Die wären auch kaum zu finden. Außer, Roth reist wieder weit in die Vergangenheit zurück. Und stimmt sein ewiges Lamento an, dass ihm 1998 Dieter Hoeneß („Zu teuer für einen Zweitligisten“) von den Präsidiumskollegen ausgeredet worden war. Oder zaubert Roth wieder den mittlerweile völlig in der Versenkung verschwundenen Rolf Rüssmann aus dem Hut, der vor Baders Amtsantritt am 1. Januar 2004 im Gespräch war? Abwarten. Die Sitzung birgt jede Menge Sprengstoff.

„Nach diesen Aussagen muss ich davon ausgehen, dass mir am Donnerstag mitgeteilt wird, dass ich den 1. FC Nürnberg verlassen soll“, fürchtet Woy. Und Bader fügt an: „Wir haben in den letzten Monaten so viele Dinge erarbeitet, die wir gerne auf den Weg bringen würden, wenn man uns lässt.“ Sollte es tatsächlich zur Kampfabstimmung kommen, wobei wahrscheinlich wie fast immer nicht alle zwölf Stimmberechtigten (fünf Präsidiumsmitglieder, sieben Aufsichtsräte) zum Pflichttermin erscheinen werden, dürfte das Votum knapp zu Gunsten von Bader/Woy ausgehen. Vielleicht mit der „Goldenen Brücke“ für Roth, künftig als unbestritten verdienstvoller Ehrenpräsident tituliert zu werden?

"Müssen als verschworene Einheit auftreten"

Das wäre jedenfalls gut so. Denn das Grummeln in den Gremien ist unüberhörbar. Aufsichtsrat Peter Schmitt: „Dass Leute jetzt plötzlich in die Pfanne gehauen werden, firmiert für mich unter den Rubrik Amoklauf.“ Vize Franz Schäfer wundert sich: „Warum hat unser Präsident, wenn er sich, was ich nicht nachvollziehen kann, übergangen fühlt, nicht früher auf den Tisch gehauen?“ Eine mehr als berechtigte Frage. „Im Erfolg“, gesteht Schäfer, „haben wir uns alle im Scheinwerferlicht der Kameras gesonnt. Doch gerade in unserer jetzigen Situation müssten wir als verschworene Einheit auftreten.“

Heißt: Den Mut zu haben, über den eigenen Schatten, egal ob größer oder kleiner, zu springen. Zum Wohle des Vereins. Denn: „Wir sind der Club“ – das zählt nicht nur für Fans. Markus Löser

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