Klopp und Oenning: Die Jugendstilisten

... und auch sonst haben der Club und sein Gastgeber am Samstag, Borussia Dortmund, mehr Gemeinsamkeiten als mancher ahnt – ausgenommen das Anspruchsdenken
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Die Ansprüche sind unterschiedlich, die Ansätze erstaunlich ähnlich: Club-Trainer Michael Oenning und Dortmunds Fußball-Lehrer Jürgen Klopp bevorzugen eine offensive Spielweise und setzen dabei verstärkt auf Talente.
Wolfgang Zink Die Ansprüche sind unterschiedlich, die Ansätze erstaunlich ähnlich: Club-Trainer Michael Oenning und Dortmunds Fußball-Lehrer Jürgen Klopp bevorzugen eine offensive Spielweise und setzen dabei verstärkt auf Talente.

... und auch sonst haben der Club und sein Gastgeber am Samstag, Borussia Dortmund, mehr Gemeinsamkeiten als mancher ahnt – ausgenommen das Anspruchsdenken

NÜRNBERG Hoffenheim ein „Geburtsfehler“? Wolfsburg ein mit VW-Millionen aufgepäppelter Werksverein, der den Traditionsklubs „die Sahne aus dem Thema lutscht“, sprich die TV-Gelder abgräbt? Keine Frage, die Auszeichnung Poltergeist des Jahres ist BVB-Boss Hans Joachim Watzke nach seiner schrägen Brandrede letzte Woche sicher. Beim Club, zu Gast in Dortmund am Samstag (15.30 Uhr), sind solche Entgleisungen kein Thema mehr. Dass Ex-Präsident Michael A. Roth einst seinen Profis mit der Pistole „das Gehirn durchpusten“ wollte, ist fast vergessen. . .

Ansonsten haben beide Traditionsvereine, abgesehen vom Anspruchsdenken, der BVB will ins internationale Geschäft, der 1. FCN nicht absteigen, mehr gemeinsam, als man denkt.

"Jürgen tut dem deutschen Fußball gut"

Trainer: Michael Oenning (44) und Jürgen Klopp (42) haben „Nebenjobs“ beim Fernsehen (Sky/RTL), vertreten eine offensive Spiel-Philosophie und setzen dabei auf Talente. Beim Club beträgt das Durchschnittsalter 24,7, beim BVB 24,6 Jahre. Auch privat verstehen sich die Trainer. „Wenn wir uns sehen, unterhalten wir uns gern“, sagt Oenning und lobt Klopp: „Jürgen tut dem deutschen Fußball gut.“

Stars: Die Zeit der Mega-Stars wie Amoroso oder Tomas Rosicky ist in Dortmund vorbei. Jedoch hat sich der BVB trotz leerer Kasse für 4,3 Millionen Euro Welttorjäger Lucas Barrios (38 Tore in 37 Spielen) geleistet. Zudem tummeln sich in Klopps Kader bekannte Profis wie Dedé (aktuell verletzt), Nelson Valdez oder Mohammed Zidan. Der Club dagegen ist eine fast starfreie Zone. Angelos Charisteas, EM-Held und mit 2,5 Millionen Euro teuerster Transfer der FCN-Geschichte, sitzt auf der Tribüne.

Der Dortmunder Kinderriegel ist schon neu Spiele ungeschlagen

Überflieger: Neun Spiele in Serie ist der Dortmunder Kinderriegel mit den Innenverteidigern Neven Subotic und Mats Hummels ungeschlagen. Besonders für Subotic, den Klopp aus Mainz mitbrachte, stapeln sich die Anfragen europäischer Topklubs wie ManU oder Juve. Beim 1. FCN macht Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier (kam für 250.000 Euro aus Bremen) auf sich aufmerksam und soll nicht nur bei HSV-Coach Bruno Labbadia auf dem Wunschzettel stehen.

Finanzen: 5,8 Millionen Euro Unterdeckung wies die letzte FCN-Bilanz aus. Die BVB AG machte im vergangenen Geschäftsjahr ebenfalls 5,8 Millionen Miese – bei 100 Millionen Euro Umsatz. Allerdings plagen Watzke noch Gesamtschulden von 61 Millionen Euro. Und mit 97 Cent ist die BVB-Aktie auch eher ein Flop.

Tradition: Haben beide reichlich, der Club ein wenig mehr. Denn der Ruhmreiche hat sein hundertjähriges Jubiläum, das die Westfalen heuer pompös begehen, schon seit neun Jahren hinter sich.

Club und BVB haben die treuesten Fans der Liga

Titel: Noch hat Nürnberg mit neun Meisterschaften und zwei Pokalsiegen die Nase leicht vorn. Dortmund holte den letzten seiner sechs nationalen Titel 2002. Einen Champions-League-Sieg wie der BVB 1997 und einen Triumph im Europapokal der Pokalsieger 1966 hat der Club allerdings nicht vorzuweisen.

Fans: Die Anhänger beider Vereine zählen zu den treuesten der Bundesliga. Sieben Abstiege (Club) werden genauso verziehen, wie die fast im Konkurs endende Allmachtsfantasie der ehemaligen BVB-Vereinsführung. Selbst als Dortmund nach dem wirtschaftlichen Crash in der Saison 1999/2000 fast abgestiegen wäre, kamen immer noch regelmäßig 60.000 Fans ins Stadion. Dies wäre auch in Nürnberg bei passender Spielstätte keine Utopie, aber der grandiose Signal Iduna Park der Borussen hat schließlich dem BVB beinahe die Existenz gekostet. Dann lieber „nur“ 46.780 Zuschauer. Krischan Kaufmann

Mehr über den Club und welches Top-Talent Michael Oenning im Sommer nach Nürnberg lotsen will, lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer Abendtzeitung am Freitag, 4. Dezember.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren