FCN: Heckings Wutrede

Stocksauer auf die Standard-Trottel: Das erbärmliche Verhalten seiner Profis bei Ecken und Freistößen, das schon zu neun Gegentoren geführt hat, macht den Club-Trainer fuchsteufelswild
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Machtlos in seiner Coaching-Zone und mächtig sauer: Coach Dieter Hecking.
Wolfgang Zink Machtlos in seiner Coaching-Zone und mächtig sauer: Coach Dieter Hecking.

Stocksauer auf die Standard-Trottel: Das erbärmliche Verhalten seiner Profis bei Ecken und Freistößen, das schon zu neun Gegentoren geführt hat, macht den Club-Trainer fuchsteufelswild

NÜRNBERG Waren es in der abgelaufenen Saison in Summe lediglich acht Gegentreffer, die der Club nach ruhenden Bällen kassiert hatte, sind es in der laufenden Runde nach nur 14 Spieltagen bereits neun. Au weia! Die Club-Profis feiern ihr Comeback als Standard-Trottel. Und dieses erbärmliche Verhalten bei Ecken und Freistößen macht Trainer Dieter Hecking fuchsteufelswild.

In den hellhörigen Katakomben des Mainzer Bruchwegstadion entlud sich die Wut des 46-Jährigen erst 25 Minuten nach der unnötigen 0:3-Pleite. „Leck mich doch am A...“, tobte Hecking, als die Tür zur FCN-Kabine noch nicht ganz in Schloss gefallen war. Der erste Anpfiff für seine Truppe hatte es offensichtlich in sich. Wie geprügelte Hunde schlichen die Verlierer zum Mannschaftsbus. Die meisten wortlos, der Rest geschockt.

"Müssen überhaupt nichts schön reden"

„Da müssen wir überhaupt nichts schön reden“, stellte sich Juri Judt tapfer dem Verhör. Der Rechtsverteidiger verwendete dabei das Wort „blöd“ am häufigsten. „Wie wir uns angestellt haben“, „wie wir die Bälle haben durchrutschen lassen“, „weil uns das ja auch nicht zum ersten Mal passiert ist.“ Kollege Jens Hegeler versuchte ebenfalls nicht erst, um den heißen Brei herumzureden. „Da schlafen wir zwei Mal. So kannst du nicht gewinnen“, erklärte der Mittelfeld-Allrounder.

Dass immerhin er neben Antreiber Ilkay Gündogan Normalform auf den Platz gebracht hatte, war für den 22-Jährigen Nebensache. „Jeder muss sich hinterfragen, was er nicht richtig macht.“ Hegeler lieferte gleich einen Teil der Antwort: „Wir haben uns zu leicht locken lassen und dabei völlig die Orientierung verloren.“

"Bei Standards nötige Geilheit zeigen"

Dabei hatte Hecking im Vorfeld seine Spieler „klar angesprochen, jedem von uns seinen Gegner klar zugeteilt“, berichtete Raphael Schäfer. Der Torhüter, der innerhalb von drei Spielen neun Mal hinter sich greifen musste, war der Verzweiflung nahe: „Wir müssen ganz schnell wieder dahin kommen, dass wir auch bei Standards die nötige Geilheit zeigen, dem Gegner keine Chance zu lassen.“ Markige Worte, die besonders bei Christian Eigler, Dominic Maroh und Pascal Bieler für Ohrenschmerzen sorgen dürften.

„Einer ist verletzt oder gesperrt, der andere kommt rein. Und wer seit Wochen auf seine Chance wartet, muss Leistung bringen“, hatte Hecking zuletzt mit Blick auf das Fehlen von Mehmet Ekici (Formschwäche), Per Nilsson (Knie) und Javier Pinola (Sperre) erläutert. In Mainz sah er die akribische Arbeit, etwa die Videoanalyse über Ecken und Freistöße des Gegners, mit Füßen getreten. „Ich habe zu meinen Co-Trainern schon gesagt, dass sie sich das ab sofort schenken können. Bringt ja scheinbar nix.“

Nach einem Goldenen Herbst mit Siegen im Pokal gegen Elversberg und in der Liga gegen Wolfsburg, in Bremen und gegen Köln herrscht nun nach drei Pleiten winterliche Tristesse. Auch, weil die im Grunde ordentliche Leistung in Mainz wenigstens für ein Remis hätte reichen müssen – wären da nicht die permanenten Konzentrations-Lücken.

Zumindest nach außen beweist Hecking noch Humor: „Beim nächsten Standard renne ich mit dem Wecker durch den Strafraum, damit ja keiner schläft.“ Anders als in den Mainzer Katakomben, hinter richtig verschlossenen Türen, wird er mit seinen Standard-Trotteln ganz anders sprechen. Markus Löser

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