Babak, bitte gib’ die Pfeife ab!

Fifa-Schiri Rafati verpfeift die Club-Partie gegen Gladbach komplett und sagt: „Ich möchte heute mal nichts sagen. Bitte haben Sie Verständnis“
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Voll daneben: Babak Rafati zeigt Philipp Wollscheid Gelb, obwohl der Gladbachs Stranzl nichts getan hatte.
Wolfgang Zink Voll daneben: Babak Rafati zeigt Philipp Wollscheid Gelb, obwohl der Gladbachs Stranzl nichts getan hatte.

Fifa-Schiri Rafati verpfeift die Club-Partie gegen Gladbach komplett und sagt: „Ich möchte heute mal nichts sagen. Bitte haben Sie Verständnis“

NÜRNBERG Mal angenommen: Hätte am Samstag Herr Babak Rafati, 40-jähriger Bankkaufmann aus Hannover, ein Spiel einer Heimmannschaft gegen Gladbach geleitet; und mal angenommen, der Gastgeber hätte nicht Club sondern Bayern München geheißen, dann wäre jetzt von einem handfesten Skandal die Rede.

Tagelang würde die Bayern-Abteilung Attacke schwere Geschütze auffahren. Ist dieser „Unparteiische“ 3600 Euro pro Einsatz wert? Nein!

"Ich möchte heute bitte mal nichts sagen“

Wie hat es Rafati, in Sachen Regelkunde wiederholt als Tomaten-Schiri aufgefallen, in den erlauchten Kreis der Fifa-Referees geschafft? Über Beziehungen?

Weil aber der Club, in erster Linie aus eigener Schuld, gegen Schlusslicht Gladbach eine 0:1-Pleite quittieren musste, wird über Herrn Rafati nicht mehr allzu lange gesprochen werden. Oder?

Müsste man aber dringend.

Am Samstag tat dies als erster Club-Trainer Dieter Hecking: „Zu einem perfekten Spiel gehören zwei Mannschaften und ein Schiedsrichtergespann. Heute war es kein perfektes Spiel“, meinte er süffisant.

Der nächste war Aron Schmidhuber, der im Schweinsgalopp von der Tribüne in Rafatis Kabine gestürmt war. Über eine, teilweise sehr laute, Stunde nahm sich der Schiri-Beobachter den Sündenbock zur Brust. Reaktion von Herrn R. aus H.: „Ich möchte heute bitte mal nichts sagen. Bitte haben Sie Verständnis.“

Rafatis Fehlerprotokoll

Dabei besteht erheblicher Erklärungsbedarf, denn Rafatis Entscheidungen am Samstag waren größtenteils hanebüchen. Das lange Fehlerprotokoll von Tomaten-Schiri Babak Rafati:

27. Minute: Gelb gegen Club-Decker Philipp Wollscheid nach einem Schwächeanfall von Martin Stranzl.

32. Minute: Stranzl reißt Wollscheid fünf Meter vor dem Tor griechisch-römisch um. Kein Elfmeter. Kurz darauf pfeift Rafati mitten in einen Einwurf von Juri Judt, der seiner Meinung nach zu weit vorne stand. Wiederholung? Pustekuchen. Einwurf Gladbach.

48. Minute: Stranzl, bereits verwarnt nach Foul an Javier Pinola (24.), grätscht Jens Hegeler seitlich von hinten um. Freistoß, aber kein Gelb-Rot.

50. Minute: Stranzl spielt den Ball am Boden liegend absichtlich mit der Hand – wieder kein Platzverweis.

69. Minute: Mo Idrissou foult Wollscheid im Sechzehner – kein Elfer.

77. Minute: Gladbachs Torwart Heimeroth lässt den Ball fallen, Markus Mendler setzt nach und schiebt zum vermeintlichen 1:1 ein. Dieter Hecking sauer: „Rafati hat mir gesagt, der Ball war bei Heimeroth in den Händen.“ Lächerlich.

85. Minute: Levels springt mit Club-Stürmer Eigler Richtung Ball. Harmlos. Rafati will seine Böcke offenbar gutmachen, gibt Elfer. Pinola verschießt.

"Wir haben nicht ins Spiel gefunden, uns fehlte die Intensität"

„Herr Rafati hat eben seine Linie – und die zieht er durch“, sagt Käpt’n Andy Wolf süffisant. Und entgeht dadurch elegant einer Geldstrafe durch den DFB. Wie auch Torhüter Raphael Schäfer. Der stoppte in Minute 80 einen aus der Südkurve anstürmenden Flitzer, der es wohl auf Rafati abgesehen hatte, und sagt über den Schiri: „Die halbjährliche Umfrage im ,kicker’ sagt alles über seine Leistung.“ Rafati, zuvor dreimal von den Erstliga-Profis zur Tomate der Halbserie gekürt, belegte zuletzt nur Platz zwei hinter dem Landshuter Wolfgang Stark.

Zwar hatte auch Hecking einen Hals auf Rafati, suchte die Fehler, weil nur die aus eigener Kraft abzustellen sind, aber in den eigenen Reihen: „Wir haben nicht ins Spiel gefunden, uns fehlte die Intensität.“ Und nach der Steigerung im zweiten Akt die Durchschlagskraft. Was der Trainer nicht am Fehlen von Strippenzieher Ilkay Gündogan (Quetschung im Mittelfuß) festmachen wollte: „Er hat nicht gefehlt. Weil aber die Gefahr eines Haarrisses besteht, wird er uns noch länger fehlen.“ Aha.

Auf Rafati kann der Club in Zukunft immer verzichten, auch wenn es keine Möglichkeit gibt, einen Referee per se abzulehnen. Rafati selbst sollte dringend überdenken – und wenn er es nicht tut, sollte dies der DFB-Schiedsrichterausschuss für ihn tun – ob es nicht besser wäre, künftig nur noch hinter dem Bankschalter zu stehen. Auf dem Platz hat er seinen Kredit jedenfalls verspielt. Nicht nur beim Club, wie der „kicker“ belegt. Markus Löser

Mehr über den Club und das Elfer-Dilemma lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer Abendzeitung am Montag, 17. Januar.

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