Alarm beim Club: Satte 10.6 Millionen Euro Schulden!

Abfindung für Oenning, teure Ladenhüter, die Leihspieler Breno, Ottl und Tavares sowie fehlende TV-Einnahmen wegen schlechter Platzierung machen in der Summe eine Verdoppelung der Verbindlichkeiten und zwingen den 1. FCN zu einem harten Sparkurs
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Sie mussten gestern die Zahlen auf den Tisch legen: Finanz-Chef Ralf Woy (l.) und Sportdirektor Martin Bader.
Wolfgang Zink Sie mussten gestern die Zahlen auf den Tisch legen: Finanz-Chef Ralf Woy (l.) und Sportdirektor Martin Bader.

Abfindung für Oenning, teure Ladenhüter, die Leihspieler Breno, Ottl und Tavares sowie fehlende TV-Einnahmen wegen schlechter Platzierung machen in der Summe eine Verdoppelung der Verbindlichkeiten und zwingen den 1. FCN zu einem harten Sparkurs

NÜRNBERG Es passiert selten, dass Ralf Woy die Worte fehlen. Doch gestern musste selbst der redegewandte Club-Vizepräsident für Finanzen erst einmal schlucken, bevor er die Karten in Sachen Geschäftsjahr 2009/10 auf den Tisch legen musste. „Wirtschaftlich bin ich nicht zufrieden, dass ich wieder ein negatives Ergebnis ausweisen muss“, grämte sich Woy und spielte dabei etwas verlegen mit seinem rechten Zeigefinger am Mikrofon-Ständer herum. Die nackten Zahlen: Die Schulden sind um 5,3 Millionen Euro auf insgesamt 10,6 Millionen Euro gestiegen, davon steht der Club mit 2,6 Millionen bei diversen Banken in der Kreide: in der Summe ein echter Bilanz-Hammer.

"Eine nicht geplante Veränderung beim Cheftrainer"

Warum sich der laut Woy „nicht durch Vereinsvermögen gedeckte Fehlbetrag“ verdoppelt hat, erklärt der ehemalige Banker so: „Zum Ende der letzten Hinrunde gab es eine nicht geplante Veränderung beim Cheftrainer.“ Dem überforderten Michael Oenning standen 300000 Euro Abfindung zu. Und auch in Sachen Personal „mussten wir unserer Defensive Stabilität verleihen“, blickt Woy auf die Verpflichtung der Leihspieler Breno, Andi Ottl (beide Bayern) und Mickael Tavares (HSV) zurück. Dieses Trio kostete – inklusive der an deren Arbeitgeber zu zahlenden Nichtabstiegsprämie – „deutlich mehr, als wir durch unseren einzigen Transfer von Peer Kluge eingenommen haben“. Schalke hatte 1,5 Millionen Euro Ablöse für Kluge bezahlt.

Zerschlagen hatte sich auch Woys Hoffnung, Bankdrücker wie die gut bis hoch dotierten Daniel Gygax, Jaouhar Mnari, Peter Perchtold und Angelos Charisteas im Januar von der Gehaltsliste streichen zu können. „Es gab keine entsprechenden Angebote“, klagt Woy nun. Dabei hatte er – etwas blauäugig im Nachhinein – schon im Vorjahr versprochen: „Wir wollen und müssen 2010 ein positives Ergebnis erzielen.“ Von wegen. Auch, weil er sich in Sachen Fernsehgeld verkalkuliert hat: „Wir dachten, wir könnten vor Köln und Mainz stehen. So fehlen uns nochmal 1,8 Millionen“ – bei 14 Millionen aus dem TV-Topf.

"Eine Suppe können wir uns schon noch leisten"

Nun nagt der Club zwar nicht am Hungertuch, kann sich „eine Suppe schon noch leisten“, versichert Woy. Aber eben keine großen Sprünge. „Die Lage ist nicht beängstigend“, beteuert er und verweist auf die so genannten „Stillen Reserven“. Das sind (fiktiv) angesetzte Spielerwerte in Höhe von 23,0 Millionen. Wobei Club-Perle Ilkay Gündogan, für den Hoffenheim im Sommer sieben Millionen geboten hatte, die Kollegen Raphael Schäfer (für Torhüter gibt es quasi keinen Markt), Andy Wolf, Javier Pinola oder Timmy Simons weit in den Schatten stellt. Und Rohdiamanten wie die ausgeliehenen Mehmet Ekici (Bayern) oder Julian Schieber gehören dem Club ja nicht.

Auch bei den Einnahmen aus dem Spielbetrieb ist nicht alles Gold, was da zu glänzen scheint. Neun Millionen spülten durchschnittlich 42336 Zuschauer in die Kassen. Allerdings bleiben davon nur rund 85 Prozent beim Verein hängen. Denn auf der Ausgabenseite schlagen Stadionmiete, Strom- und (Ab-)Wasserkosten, Verbandsabgaben (DFB, DFL, BFV), Ordnungs-, Kassen- und Sanitätsdienst, öffentlicher Nahverkehr (VGN) und Schiedsrichter zu Buche.

"Ziel ist, mittelfristig wieder im positiven Bereich anzukommen"

Woy, nach der Satzungsänderung im Vorjahr ab heute mit Sport-Manager Martin Bader geschäftsführender Vorstand und dem neunköpfigen Aufsichtsrat weisungsgebunden, sagt knallhart: „Wir müssen sparen! Nicht bei der Nachwuchsarbeit, wo wir auch künftig rund drei Millionen aufbringen, um teuren Transfers möglichst aus dem Weg zu gehen. Ziel ist, mittelfristig, in drei bis fünf Jahren, wieder im positiven Bereich anzukommen.“

In Jahr eins nach den jetzt eingestandenen 10,6 Millionen Euro Miesen rechnet er mit einer Reduzierung der Schulden um „2,5 bis drei Millionen Euro“. Dank des Transfers von Dennis Diekmeier zum HSV für 2,5 Millionen kurz nach Ablauf des letzten Geschäftsjahres. Und – sehr forsch geplant: „Einen geringen Teil haben wir auch aus einem möglichen Verkauf von Gündogan eingerechnet.“ Zusatz: „Lieber wäre mir, wir verlängern mit ihm den Vertrag.“

Ein Abstieg wäre "der absolute Super-GAU"

Ein Abstieg wäre dagegen „der absolute Super-GAU“, weiß Woy, der sich als „vorsichtiger Kaufmann“ auch mit Liga zwei beschäftigen muss. Der Personaletat, aktuell bei 20 Millionen, „würde maximal noch zwölf Millionen betragen.“ Keine rosigen Aussichten auf den Wiederaufstieg.

Es wird also weiter kräftig mit (roten) Zahlen am Valznerweiher jongliert. Und dabei müssen Woy, Bader und der neue, neunköpfige Aufsichtsrat gewaltig aufpassen, dass ihnen die Angelegenheit nicht aus den Händen gleitet. Markus Löser

Wer den Aufsichtsrat komplettiert und was die drei neuen Räte vorhaben, das lesen Sie in der Printausgabe Ihrer Abendzeitung.

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