1. FC Nürnberg: Profis im Abseits

Talente, abgeschobene Profis und ewige Tribünenhocker: Was treibt der eine oder andere eigentlich so beim Club?
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Gut bezahlter Tribünengast: Isaac Boakye.
Zink/JüRa Gut bezahlter Tribünengast: Isaac Boakye.

Talente, abgeschobene Profis und ewige Tribünenhocker: Was treibt der eine oder andere eigentlich so beim Club?

NÜRNBERG Hoffnungsvolle Talente, abgeschobene Profis, fleißig trainierende Tribünenhocker und eine vermeintliche „Granate“, die nicht zünden will – höchste Zeit am Valznerweiher nachzuhaken, was der eine oder andere denn so treibt beim Club.

Die „Granate“, und dass er eine ist, hat er zumindest in der Alpenrepublik schon nachgewiesen, heißt Rubin Okotie. Für Austria Wien erzielte der 23-jährige, in Pakistan geborene Stürmer 21 Tore in 57 Liga-Spielen. Nur, nach seinem Knorpelschaden aus dem Vorjahr, der dem Club eine Verpflichtung zum Nulltarif ermöglichte, kommt „Rubinho“ nicht in die Spur. Problemen zum Start der Vorbereitung an beiden Achillessehnen folgten 129 Spielminuten bei den Regionalliga-Amateuren. So weit die Sache mit dem baldigen Comeback. Aktuell fällt Okotie mit einer Reizung des Kniestreckers aus. In der Vorrunde wird der zweimalige Ösi-Nationalspieler Trainer Dieter Hecking wohl nicht mehr zur Verfügung stehen.

Dürftige Leistungen, stattliches Gehalt

Isaac Boakye schon, wenn er dürfte. Besser gesagt, wenn sich der schweigsame Angreifer im Training derart aufdrängen würde, dass Hecking ihn wenigstens mal in den 18er-Kader mitnehmen könnte. Allerdings sind Boakyes Darbietungen eher dürftig. Kommt Zeit, kommt Transfermarkt. Im Januar werden die Pforten wieder geöffnet. Finanziell ist die von Ex-Trainer Michael Oenning nach dem Aufstieg 2009 forcierte Vertragsverlängerung mit Boakye bis 30. Juni 2011 schon jetzt ein nicht zu kittendes Desaster. Geschätztes Grundgehalt: rund 40000 Euro – pro Monat.

Ganz weg vom Fenster, aber mit fixen 210000 Euro pro Saison auch ordentlich bedient, ist der vermeintliche „Nachtschwärmer“ Peter Perchtold. Angeblich soll Manager Martin Bader dem 26-jährigen Defensiv-Allrounder mehrfach die Leviten gelesen haben. Scheinbar ohne Erfolg. Jedenfalls war es Heckings erste Amtshandlung Ende Dezember 2009, Perchtold zu den Amateuren zu verbannen. Doppeltes Pech für den zum „Schwarzen Peter“ gebrandmarkten Perchtold: Zunächst zog er sich einen Menikusriss zu, scheitert nun an den Ansprüchen von Rainer Zietsch. Der Chef des FCN-Nachwuchsleistungszentrums sagt: „Unser Ziel ist, junge Spieler zu fördern. Wir haben Perchtold die Chance gegeben, in zwei Spielen im August für die U23 bis Transferschluss auf sich aufmerksam zu machen, Wechselangebote hat er jedoch ausgeschlagen.“ Nicht gerade förderlich für eine Karriere im bezahlten Fußball.

Mak bremst das EU-Recht

Von der träumen auch die 19-jährigen „Pendler“ Felicio Brown Forbes (kam vor der Saison von Hertha BSC) und der Ex-Mainzer Christoph Sauter. Zu Wochenbeginn darf das Duo bei den Profis üben, wechselt dann zu Amateur-Trainer René Müller. Ausreichend Spielpraxis würde sich auch Rohdiamant Robert Mak (19) wünschen. Handicap des von Manchester City geholten Flügelflitzers: Als Slowake darf er nicht ran in der U 23 – nur bei den Profis. Die Mischung aus EU-Arbeitsrecht und Fifa-Statuten ist kurios. Zietsch: „Das soll sich kommendes Jahr ändern und wäre gut für uns. Denn dann könnten wir auch Talente aus Tschechien bei uns ausbilden.“

In diesem Genuss kommt der 20-jährige Pole Tomasz Welnicki bereits. Der Innenverteidiger gehört zu Müllers Stammelf. Ob es für den Sprung zu den Profis reicht? Zietsch, der Welnicki einiges zutraut: „Manchmal ist der Umweg über die zweite oder dritte Liga nicht verkehrt. Warten wir es ab.“

Viele Berater machen noch keinen Profi

Und dann gibt es da ja noch zwei Eigengewächse, die fast in Vergessenheit geraten sind: Jonathan Kotzke (20) und Niklas Hörber (19). Ersterer hatte im Wintertrainingslager 2009 bei den Profis aufhorchen lassen, erarbeitete sich als Außenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld eine Perspektive. Dumm nur, dass kurz darauf die Patellasehne riss, Kotzke fast ein Jahr bis zur Normalform benötigte. „Ich hoffe, dass er jetzt den nächsten Schritt macht“, erklärt Zietsch.

Dem hinkt Hörber, der – instruiert von seinem Vater Georg – schon jetzt mehr Spielerberater hatte als gestandene Profis in ihrer gesamten Laufbahn, gewaltig hinterher. Dass Hörber im März 2009 in zwei Testspielen mit den Profis fünf von acht Toren erzielte, macht ihn noch lange nicht unverzichtbar. Zietsch fordert vom 17-maligen DFB-Stürmer (U16 bis U18): „Er muss erheblich an seiner Effektivität arbeiten, damit sein Weg bei uns weitergeht.“ Und der ist steinig: für Profis und Talente. Markus Löser

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