1. FC Nürnberg: Kein Geld für Verstärkungen!

5,8 Millionen Euro Miese in der Club-Bilanz setzen den Verein unter Druck. Der Klassenverbleib und ein positives Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr sind laut Finanzchef Ralf Woy Pflicht
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Die Herren – und Verkünder – der Roten Zahlen: Club-Finanzchef Ralf Woy (l.) und Präsident Franz Schäfer.
bayernpress Die Herren – und Verkünder – der Roten Zahlen: Club-Finanzchef Ralf Woy (l.) und Präsident Franz Schäfer.

5,8 Millionen Euro Miese in der Club-Bilanz setzen den Verein unter Druck. Der Klassenverbleib und ein positives Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr sind laut Finanzchef Ralf Woy Pflicht

NÜRNBERG Stramme 5,8 Millionen Euro Miese in der Bilanz für das abgelaufene (Aufstiegs-)Geschäftsjahr mit Stichtag 30. Juni 2009, davon Bankschulden von 1,2 Millionen Euro ergeben unter dem Strich: „Wir wollen und müssen in dieser Saison ein positives Ergebnis erzielen.“ Die logische Konsequenz von Ralf Woy, für die Finanzen zuständiger, hauptamtlicher Vizepräsident des 1. FC Nürnberg, bedeutet im Umkehrschluss, dass in der nächsten Transferperiode im Januar keine frischen Anti-Abstiegskämpfer verpflichtet werden können. Woy auf der gestrigen Mitgliederversammlung (MV) in der Meistersingerhalle: „Neuzugänge sind nach Stand der Dinge nicht machbar.“

Woy hofft auf Abgänge in der Winterpause

Dabei hatte Manager Martin Bader zusammen mit Trainer Michael Oenning in der Vorbereitung gebetsmühlenartig wiederholt, sollten personellen Korrekturen angesichts des Tabellenstandes nötig sein: „Wenn wir im Winter feststellen, so reicht es nicht, können wir immer noch nachjustieren.“ Pustekuchen.

Woys einzige Hoffnung, den Kader nach der Vorrunde qualitativ vielleicht doch aufrüsten zu können, liegt in der Unzufriedenheit einiger Profis begründet. „Vielleicht verlässt uns ja der eine oder andere doch noch“, sagt der 50-Jährige Ex-Banker. Ein gewisser Handlungsspielraum ergäbe sich also, wenn sich mögliche „Verkaufsschlager“ wie Daniel Gygax, Peter Perchtold, Angelos Charisteas oder Jaouhar Mnari ihrer Nebenrolle unter Oenning voll bewusst werden. Bader hatte, ohne Namen zu nennen, schon vor geraumer Zeit Gespräche mit potenziellen Abgängern angekündigt, denen das Prädikat „mangelnde Perspektive“ am Valznerweiher anhaftet.

Schäfer: "Wir müssen unbedingt in der Bundesliga bleiben"

„Für uns ist es ganz schön dick gekommen in den letzten zwölf Monaten“, gestand FCN-Boss Franz Schäfer, der am Abend als Nachfolger von Ehrenpräsident Michael A. Roth im Amt von den Mitgliedern erst bestätigt werden musste, auf der gestrigen Bilanz-Pressekonferenz. Als da waren: Der an Dummheit und teils fahrlässiger Sorglosigkeit beinahe nicht zu überbietende Abstieg, der Rücktritt von Trainer Thomas von Heesen und eben das finanzielle Minus. „Gott sei Dank hat diese Katastrophen-Saison mit dem Aufstieg geendet“, ist Schäfer erleichtert. „Wir sind in die Bundesliga unter großen Schmerzen zurück gekehrt und müssen unbedingt drin bleiben.“

Die „Schmerzen“ waren allerdings einkalkuliert. Auch mit dem Wissen, dass in Liga zwei allein an TV-Geldern und Einnahmen aus dem Spielbetrieb rund 24 Millionen Euro, also 60 Prozent, wegbrechen würden. Dennoch blieb es beim Anspruch, umgehend wieder aufzusteigen. „Hätten wir zufrieden sein sollen, in der Zweiten Liga früh nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, am Ende zumindest einen Platz besser als Greuther Fürth dazustehen?“, fragt Woy und gibt gleich selbst die Antwort: „Nein. Auch der Aufsichtsrat hat erklärt, no risk, no fun – sonst kommen wir nicht weiter.“

Fernsehgeld sorgt für Entspannung in der Club-Kasse

Also wurde laut Woy „extrem investiert“. Die Säulen Wolf, Pinola, Kluge, Mintal & Co. wurden zu siebenstelligen Erstliga-Bezügen gehalten, verdienten über Punkte- und Aufstiegsprämien letztlich deutlich mehr als im Oberhaus. Zudem waren Transfernachschläge für Raphael Schäfer, Christian Eigler und Isaac Boakye in Höhe von knapp zwei Millionen Euro nach dem Aufstieg fällig.

Aktuell sieht die wirtschaftliche Lage schon entspannter aus – behauptet Woy: „Am 1. November kommt die nächste Rate Fernsehgeld, dann bekommen wir von der Bank sogar Haben-Zinsen.“ Ein halbes, ein ganzes Prozent? Egal. Fakt ist: „Wir müssen diese Saison ein ausgeglichenes Betriebsergebnis erzielen“, fordert Woy. Nicht nur finanziell, vor allem sportlich. „Ich bin überzeugt, wir werden unser Tief überwinden“, hofft Schäfer auf baldige Besserung. „Vielleicht gelingt uns der erste Schritt schon am Samstag gegen Hertha.“

Das neue Funktionsgebäude soll übrigens dennoch gebaut werden. „Der Bau hat mit dem Etat nichts zu tun“, verweist Schäfer auf die Kosten von etwa fünf Millionen Euro und den Spatenstich im nächsten Jahr. Das Projekt ist fremdfinanziert, also unabhängig von den laufenden Ausgaben der Profi-Abteilung. Markus Löser

Mehr über den Club und was Co-Trainer Armin Reutershahn zu dem Duell mit seinem Ex-Chef, Hertha-Coach Friedhelm Funkel, sagt, lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer Abendzeitung am Mittwoch, 14. Oktober.

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