Nürnbergs Goldenes Buch ist jetzt museumsreif

Morlock, Kohl, gar Hitler – 114 Jahre lang füllten Berühmtheiten die 259 Seiten. Nun wandern sie vom Rathaus ins Stadtarchiv
| Stefanie Schaller
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114 Jahre Stadtgeschichte ziehen vom Rathaus ins Archiv: Dort zeigten Kulturreferentin Julia Lehner, OB Ulrich Maly und Archivdirektor Michael Diefenbacher (v.l.) das Goldene Buch.
news5 114 Jahre Stadtgeschichte ziehen vom Rathaus ins Archiv: Dort zeigten Kulturreferentin Julia Lehner, OB Ulrich Maly und Archivdirektor Michael Diefenbacher (v.l.) das Goldene Buch.

 

NÜRNBERG Kaum zu glauben: In dieser 1,5 Kilo schweren Holzkassette mit Lederüberzug und Goldverzierungen stecken 114 Jahre Stadtgeschichte! Zur Militärparade 1897 angelegt, hat das Goldene Buch Nürnbergs seither berühmte Namen zuhauf angesammelt: Max Morlock, Theodor Heuss, Helmut Kohl und auch Adolf Hitler verewigten sich auf den 259 losen Seiten, von denen jede für sich eine eigene Geschichte ist. „Als erster trug sich Kaiser Wilhelm am 2. September 1897 anlässlich der Militärparade ein“, erklärt Ulrich Maly.

Am Donnerstag übergab der Oberbürgermeister die prunkvolle Holzkassette, die bisher im Rathaus lagerte, dem Nürnberger Stadtarchiv. Ein Akt, der laut Archivdirektor Michael Diefenbacher längst überfällig war. „Schon 1985 gab es Überlegungen, die Originale im Archiv zu sichern“, so Diefenbacher. Gut 25 Jahre später wandert das Zeitzeugnis nun in den geschützten Keller am Marientorgraben. Doch das Goldende Buch wird gleichzeitig auch im Rathaus fortgeführt. Dafür bekommt Maly die robuste Original-Hülle zurück. Und: „Von jeder Seite haben wir hochwertige Reproduktionen angefertigt“, sagt Diefenbacher. Die Originale ins Archiv, die Kopien wandern ins Rathaus.

Dort dürfen sich weiterhin Promis eintragen – wie zuletzt am 4. Mai Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn. Auffällig bei den 259 Einträgen: Von 1919 bis 1933 hat das Goldene Buch eine Lücke. Als Grund vermutet Diefenbacher: „In der Weimarer Republik war Prunk verpönt.“ Gerade in den ersten Jahrzehnten schmückten dagegen kunstvolle Verzierungen die Seiten. Diese stammen vor allem aus der Feder von Friedrich Wanderer. Der 1840 geborene Künstler zeichnete nicht nur die Noris auf den Titel. Sondern er malte auch zahlreiche Wappen sowie Porträts bedeutender Nürnberger.

Besonders beeindrucken OB Maly an der Promi-Sammlung die losen Blätter: „Sie zeugen von der Klugheit des damaligen Bürgermeisters Georg von Schuh. In Ungnade gefallene Personen konnte man so leicht entfernen.“

In der Printausgabe vom 20.5. zeigt und erklärt die AZ neun Einträge ins Goldene Buch

 

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