Todesangst am Nürnberger Flughafen!

Aufstand von 172 entnervten Passagieren beim abgebrochenen Flug nach Portugal: Sie forderten lautstark eine neue Maschine von der Air-Berlin.
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Zbigniew und Elisabeth Kaszubski mit der Unterschriftenliste der Passagiere.
Klaus Schillinger 4 Zbigniew und Elisabeth Kaszubski mit der Unterschriftenliste der Passagiere.
Aufregung am Rollfeld am Nürnberger Flughafen: Vor dem zweiten Startversuch mit derselben Maschine weigerten sich weinende Passagiere einzusteteigen und ließen ihr Gepäck wieder ausladen.
dpa 4 Aufregung am Rollfeld am Nürnberger Flughafen: Vor dem zweiten Startversuch mit derselben Maschine weigerten sich weinende Passagiere einzusteteigen und ließen ihr Gepäck wieder ausladen.
Daran dachten die verängstigten Urlauber: Vor drei Wochen stürzte eine Maschine der Spanair wegen eines technischen Fehlers über dem Madrider Airport Barajas ab – 154 Menschen verbrannten.
dpa 4 Daran dachten die verängstigten Urlauber: Vor drei Wochen stürzte eine Maschine der Spanair wegen eines technischen Fehlers über dem Madrider Airport Barajas ab – 154 Menschen verbrannten.
Hatten kein Vertrauen mehr: Monika Funcke (v.l.) und Christine Stellzig aus Würzburg.
Klaus Schillinger 4 Hatten kein Vertrauen mehr: Monika Funcke (v.l.) und Christine Stellzig aus Würzburg.

Aufstand von 172 entnervten Passagieren beim abgebrochenen Flug nach Portugal: Sie forderten lautstark eine neue Maschine von der Air-Berlin.

NÜRNBERG Sie freuten sich auf Sonne, Strand und Meer an der Algarve-Küste. Doch der Flug nach Faro (Portugal) geriet gestern am Nürnberger Flughafen zum nervenzerfetzenden Drama. Gleich zweimal musste der Pilot der Boeing 737 (Air-Berlin-Flug 3538) den Start abbrechen, weil Warnlämpchen aufblinkten. Etliche der 172 Passagiere weigerten sich schon nach dem ersten Versuch, wieder in die Maschine zu steigen. Zu einem echten Aufstand kam es später im Airport-Gebäude.

„Die Leute sammelten Unterschriften und schimpften, dass sie ein drittes Mal nicht mehr in diese Maschine steigen werden“, teilte ein ebenfalls betroffener Nürnberger Angestellter (34) der AZ per Handy mit: „Wir haben ja alle die Bilder vom Flugzeug-Unglück in Madrid vor Augen.“ Vor drei Wochen war eine Maschine der Spanair kurz nach dem Start abgestürzt und in Brand geraten – 154 Menschen starben.

Wut und Tränen

Kein Wunder, dass die Nerven in Nürnberg blank lagen: Die Urlauber hatten sich ab Mittag am Strand gesehen und dafür die frühe Abflugzeit in Kauf genommen: einchecken um 2 Uhr, Abflug 3.50 Uhr. Doch es kam anders.

Warnlampen zeigten im Cockpit beim Start an, dass an den Tragflächen etwas nicht stimme. Also zurück aufs Rollfeld. Mechaniker überprüften mögliche Ursachen, konnten aber nichts finden.

Der Pilot ließ alle Passagiere aussteigen. Begründung: Er könne einen neuen Start nicht verantworten. Von einer Ersatzmaschine aus Berlin war die Rede. Und weil ein Crew-Mitglied kollabierte, musste auch eine Ersatz-Stewardess gefunden werden.

Vier Stunden später, um 9 Uhr, hieß es: wieder einsteigen. Doch es war dieselbe Maschine, so der AZ-Informant: „Einige Passagiere brachen in Tränen aus, manche weigerten sich einzusteigen.“ Und so wurden ihre Koffer auf dem Rollfeld wieder ausgeladen.

Zweiter Startversuch: Wieder meldete der Pilot eine elektronische Warnung und dass er die Maschine so nicht starten könne – so etwas habe er in zwölf Jahren nicht erlebt. Die Passagiere stiegen zum zweiten Mal aus. Dann spielten sich nach Augenzeugenberichten emotionsgeladene Szenen am Boarding-Schalter ab:

Air-Berlin-Sprecherin: "Urlauber reagieren manchmal über"

Trauben wutentbrannter Menschen verkündeten, dass sie diese Maschine nicht mehr betreten werden – sie hatten sich extra das Kennzeichen gemerkt.

„Das Schlimme war ja, dass man uns dann stundenlang im Unklaren ließ, wie es weitergehen wird“, so ein betroffener Nürnberger. Da saß er bereits zehn Stunden am Airport Nürnberg fest.

Nach 12 Uhr kam dann die Mitteilung, dass eine andere, aus Antalya kommende Air-Berlin-Maschine die Urlauber um 18.30 Uhr nach Faro bringen werde. In der Zwischenzeit wurden Hotelzimmer und Essensbons (12 Euro) gestellt.

„In der ersten Maschine war ein technischer Defekt“, bestätigte Air-Berlin-Sprecherin Alexandra Müller. „Es war eine nagelneue Boeing, da ist es ganz normal, dass man versucht, die Maschine zu reparieren, wenn ein Lämpchen blinkt.“ Auch wenn wegen der sensiblen Elektronik häufig ein blinder Alarm dahinterstecke. Aber einen dritten Startversuch könne man den Leuten natürlich nicht zumuten, so Müller, „auch wenn Urlauber manchmal überreagieren. Aber so schnell kriegen wir keine andere Maschine her“.

Christa Schamel

Mehr über die Wut der Urlauber auf Air-Berlin lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer AZ am Montag, 15. September.

Zbigniew und Elisabeth Kaszubski mit der Unterschriftenliste der Passagiere.
Lokales: Todesangst am Nürnberger Flughafen! - Aktuell - Abendzeitung München

Foto: Klaus Schillinger
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