Rentnerin (74) verklagt Friedhof

Sturz mit Folgen: Sie forderte 15.000 Euro Schmerzensgeld vom kirchlichen Eigentümer
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...stolperte am Johannis-Friedhof über die damals pfostenlose Halterung am Boden.
bayernpress.com ...stolperte am Johannis-Friedhof über die damals pfostenlose Halterung am Boden.

Sturz mit Folgen: Sie forderte 15.000 Euro Schmerzensgeld vom kirchlichen Eigentümer

NÜRNBERG Stolperfalle Johannis-Friedhof: Gertraud K. (74) ahnt nichts Böses, als sie sich an einem späten Dezembermorgen 2009 auf das ummauerte Gelände begibt. Regelmäßig besucht sie dort das Grab ihres verstorbenen Mannes. Doch dieser Besuch nimmt nach wenigen Schritten ein jähes wie schmerzhaftes Ende. Die rüstige Rentnerin stolpert über eine kleine Halterung am Boden, in der normalerweise ein Pfosten steht – und stürzt ungebremst auf den steinharten Asphalt. Folgen: Zwei ausgeschlagene Zähne und Platzwunden im Gesicht. Jetzt verklagte sie den Friedhof auf ein hohes Schmerzensgeld!

15.000 Euro, diese stolze Summe forderte Gertraud K., denn immerhin leidet sie bis heute unter den Folgen ihres Sturzes. Die Platz- und Schürfwunden im Gesicht sind zwar verheilt, die Schäden an den Zähnen aber immer noch nicht ganz behoben. Bis sie einen ordentlichen Ersatz bekommt, muss Gertraud K. mit einem Provisorium leben. „Damit kann ich nicht mal richtig essen“, klagt sie. „Außerdem will ich doch auch in meinem Alter noch gut aussehen.“

„Die Halterung war nicht zu sehen"

Die Eigentümer des Friedhofs allerdings, fünf Nürnberger Kirchenstiftungen, fanden die Klage völlig überzogen und hielten dagegen: Die Rentnerin sei doch selbst schuld an ihrem Malheur. Anwalt Wolfgang Eißfeld: „Auf einem Friedhof gilt der gleiche Grundsatz wie an allen öffentlichen Orten: Augen auf und aufpassen, wo man hintritt!“

Tatsächlich verpflichtet die bisherige Rechtsprechung jeden Passanten, selbst die Augen offen zu halten! Die Rentnerin aber blieb dabei: „Die Halterung war auf dem grauen Asphalt einfach nicht zu sehen. Dort hätte ein Warnhinweis stehen müssen.“

Richter Martin Bader stimmte Gertraud K. in diesem Punkt zu: „Einen Friedhof frequentieren bekanntlich vor allem ältere Herrschaften, also sollte dort besonders sorgfältig auf die Sicherung der Gehwege geachtet werden.“ Aufgrund der Rechtslage konnte er ihr trotzdem keinen hundertprozentigen Sieg in Aussicht stellen. Gertraud K. lenkte schließlich ein. Die Parteien einigten sich gütlich: Die Rentnerin bekommt nun mit 2500 Euro zumindest ein kleines Trostpflaster.

Die Stolperfalle am Johannis-Friedhof ist beseitigt.

Marlina Pfefferer

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