Nach Arztbesuch im Koma!

Seit Mittwoch steht der behandelnde Orthopäde (52) vor Gericht. Er will keinen Fehler gemacht haben. Das Opfer wacht nie wieder auf
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Die Familie von Elisabeth Mai mit ihrem Anwalt Robert Raab (li.). „Alleine wäre das Geschehene nicht zu verarbeiten“, sind sich Vater Johann, Tochter Anneliese und Sohn Johann einig.
bayernpress Die Familie von Elisabeth Mai mit ihrem Anwalt Robert Raab (li.). „Alleine wäre das Geschehene nicht zu verarbeiten“, sind sich Vater Johann, Tochter Anneliese und Sohn Johann einig.

Seit Mittwoch steht der behandelnde Orthopäde (52) vor Gericht. Er will keinen Fehler gemacht haben. Das Opfer wacht nie wieder auf

NÜRNBERG Jeden Tag wacht Johann Mai (51) am Bett seiner Frau. Seit einem Jahr und zehn Monaten sitzt er da und „schaut sich das Elend an“. Elisabeth Mai kann nicht mehr sprechen, sich nicht mehr bewegen. Ob sie überhaupt etwas wahrnimmt, kann niemand sagen. Die 47-Jährige liegt im Koma und wacht wahrscheinlich nie wieder auf. Schuld an ihrem Zustand soll ein Arzt aus Nürnberg sein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schwere Behandlungsfehler vor. Wegen fahrlässiger Körperverletzung muss sich der 52-jährige Orthopäde seit Mittwoch vor dem Amtsgericht verantworten.

Sie wollte doch nur eine Spritze

Im März 2009 geschah die furchtbare Tragödie, die das Leben der Familie von Grund auf erschütterte. Johann Mai fuhr seine Frau wie in den Wochen zuvor zu ihrem Orthopäden. Wegen starker Schmerzen ließ sie sich dort Spritzen geben – eine nicht unproblematische Behandlung, da die Nadeln direkt in die Halswirbelsäule gesetzt werden. Komplikationen traten dabei nie auf. Bis zu diesem Tag...

Die 47-Jährige brach plötzlich bewusstlos zusammen, bekam keine Luft mehr. Wie die damals anwesende Arzthelferin bezeugte, versuchten sie und der Arzt „alles Menschenmögliche“, um die Patientin wiederzubeleben. Erfolglos! Als der Notarzt eintraf, zeigte das EEG eine Nulllinie. Elisabeth Mais Gesicht war bereits blau angelaufen.

Der Ehemann erinnert sich: „Als ich sie wieder abholen wollte, lag sie da wie tot. Ich habe nur noch geschrien.“ Dass Elisabeth Mai diesen Tag überlebte, grenzt an ein Wunder. Ihr Gehirn jedoch ist irreparabel geschädigt.

Wurden gleich mehrere Fehler gemacht?

Die Staatsanwaltschaft geht gleich von mehreren Arztfehlern aus: Der angeklagte Orthopäde soll eine viel zu hohe Dosis Schmerzmittel verabreicht haben, was möglicherweise den Zusammenbruch seiner Patientin verursachte. Vor allem aber soll er es sträflich versäumt haben, die um Luft ringende Elisabeth Mai rechtzeitig wieder mit Sauerstoff zu versorgen. Hätte er unmittelbar reagiert, so die Anklage, hätte die 47-Jährige keinerlei Schäden davongetragen – und der Familie wäre großes Leid erspart geblieben.

Dreißig Jahre sind Elisabeth und Johann Mai verheiratet. Weil der Ehemann nicht von der Seite seiner Frau weichen will, hat er mittlerweile auch noch seinen Job verloren.

Der Arzt, der immer noch praktiziert, beteuerte am Mittwoch sein Bedauern über den Vorfall. Doch er will nichts falsch gemacht haben. Es sei zu Komplikation gekommen wie sie in der Medizin nie ausgeschlossen seien. Worte, die Elisabeth Mais Familie schmerzlich treffen. „Das hätte einfach nicht passieren dürfen“, so der Sohn (28).

Der Prozess geht weiter.

mp

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