Lokführer-Streik legte Nürnbergs S-Bahn lahm

Mega-Chaos durch Doppel-Streik in Personen- und Frachtverkehr. Die Metropolregion traf’s besonders hart. Die Gewerkschaft verzichtet zunächst auf weitere Maßnahmen. Aber droht: "Wir können sehr weit gehen“  
| AZ Aktuellredaktion
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Zwei Züge stehen im Nürnberger Hauptbahnhof am Bahnsteig. Viele Pendler mussten Verspätungen und Zugausfälle in Kauf nehmen.
dpa Zwei Züge stehen im Nürnberger Hauptbahnhof am Bahnsteig. Viele Pendler mussten Verspätungen und Zugausfälle in Kauf nehmen.

MÜRNBERG Gestresste Pendler, gestoppte Fracht: Der bisher längste Lokführerstreik im derzeitigen Tarifkonflikt hat den Güter- und Personenverkehr in Deutschland am Donnerstag hart getroffen.


Ein paralleler Streik im Personen- und Güterverkehr hat Millionen Fahrgäste beim Weg zur Arbeit Nerven gekostet (siehe Umfrage in der AZ-Print-Ausgabe am 11.3.). Vor allem in Nürnberg und der Metropolregion – einem Zentrum des Arbeitskampfs – fielen am frühen Morgen etliche Pendlerzüge aus.
Durch den Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) konnte nach Informationen der Deutschen Bahn (DB) jeder dritte Fernzug nicht losfahren. Auch nach dem Ende des sechsstündigen Ausstands um 10 Uhr mussten Reisende mit weiteren Behinderungen bis in den Abend rechnen.


Im Güterverkehr, der seit Mittwochabend lahmgelegt wurde, blieben Hunderte Züge stehen. Die Deutsche Bahn kritisierte die Eskalation des Arbeitskampfes und forderte weitere Verhandlungen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hält die Streikfolgen für „nicht zu verantworten und unverhältnismäßig“. An jedem Streiktag entstünden der Wirtschaft „Schäden in mindestens zweistelliger Millionenhöhe“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf.

GDL fordert besseres Angebot


Die GDL will den Streik nun nicht unmittelbar fortsetzen, ließ aber offen, wann es das nächste Mal wieder so weit sein könnte. „Die GDL wird nun eine Pause machen, damit sich die Arbeitgeber besinnen können“, sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky. Zugleich drohte er aber mit einer Verschärfung der Streiktaktik. „Wer uns kennt, weiß, dass wir sehr weit gehen können. Aber das wollen wir eigentlich nicht.“
Weselsky rief die Arbeitgeber abermals auf, ein besseres Angebot vorzulegen. Die GDL strebt gleiche Tarifbedingungen für alle rund 26 000 Lokführer in Deutschland an. Kernforderung sind einheitliche Einkommen sowie fünf Prozent mehr Geld. Dafür hatte die GDL schon mit drei kürzeren Warnstreikwellen Druck gemacht.

Der Fahrgastverband Pro Bahn mahnte, die Geduld der Kunden nehme „ganz stark ab“. Der Vorsitzende Karl-Peter Naumann schlug vor, einen Mediator einzuschalten. Dafür könne er sich auch Kirchenleute vorstellen, etwa die Ex-Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, oder einen Bischof.

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