Lebenslang oder Freispruch für Denise R.?

Die Indizien sind nicht eindeutig. Muss die Angeklagte trotzdem ins Gefängnis? Am Dienstag fällt die Entscheidung
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Steht vor einer schweren Entscheidung: Richter Richard Caspar.
bayernpress.com 2 Steht vor einer schweren Entscheidung: Richter Richard Caspar.
Ist davon überzeugt, dass er eine Mörderin angeklagt hat: Staatsanwalt Peter Adelhardt.
Berny Meyer 2 Ist davon überzeugt, dass er eine Mörderin angeklagt hat: Staatsanwalt Peter Adelhardt.

Die Indizien sind nicht eindeutig. Muss die Angeklagte trotzdem ins Gefängnis? Am Dienstag fällt die Entscheidung

NÜRNBERG In seiner Haut möchte man nicht stecken! Richter Richard Caspar steht vor einem der schwierigsten Urteile seiner Karriere: Lebenslang oder Freispruch für die unter Mordanklage stehende Denise R. (28)? Ist sie tatsächlich die Mörderin ihrer Freundin Jessica P. (26)? Oder läuft der wahre Täter etwa noch frei herum? Mit Spannung wird Caspars Urteil erwartet, das nächsten Dienstag fallen wird.

Am Donnerstag plädierten am Landgericht Nürnberg Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Die vielen Indizien in diesem spektakulären Prozess ergeben ein stimmiges Bild – nur jeweils ein komplett anderes!

Für Staatsanwalt Peter Adelhardt ist die Sache klar. Er hat „keinen Zweifel“, dass es Denise war, die 40 Mal mit einem Messer auf Jessica P. einstach. Sie hatte seiner Meinung nach als Einzige ein schlüssiges Motiv: Sie mordete, um sich selbst vor einer Anzeige wegen EC-Kartenbetrugs zu bewahren. Adelhardts Hauptindiz: der blutige Schuhabdruck, der in der Mordwohnung gefunden wurde und zu den Flip Flops der Angeklagten passe. Außerdem machte sich Denise durch zahlreiche „kaltblütige Lügen“ während des Prozesses nur um so verdächtiger.

Jessicas Mann oder Denise` Verlobter als mögliche Täter?

Weitere wichtige Puzzle-Teile für den Ankläger: DNA-Spuren von Denise am Tatort, Hautfetzen des Opfers unter ihren Fingernägeln und belastende Zeugenaussagen, die sie als „unkontrollierte“ Person darstellten, die „wild um sich schlägt, wenn sie einmal richtig in Fahrt ist“.

Für Verteidiger Lars Kittel ist das alles zu wenig. Er hält die Indizienkette für sehr schwach. Viele Fragen stellte Kittel in den Raum: Wie eindeutig kann der blutige Schuhabdruck sein, von dem nicht mal die Größe feststeht? Bringt man für ein paar tausend Euro gleich jemanden um? Ist eine Lügnerin automatisch eine Mörderin? Vor allem aber: Kann dieser gewalttätige Mord überhaupt von einer Frau verübt worden sein?

Lange muss Jessica P. ihren Verletzungen zufolge mit ihrem Mörder gerungen und um ihr Leben gekämpft haben. Laut Kittel kann dazu eine Frau kräftemäßig gar nicht imstande sein. Der Verteidiger bringt den Verlobten seiner Mandantin ins Spiel: „Spuren sprechen dafür, dass auch er am Tatort war.“ Selbst Johnny P., den Ehemann des Opfers, will Kittel nach wie vor nicht als Täter ausschließen.

Der Angeklagten jedenfalls ist das Lachen nach wie vor nicht vergangen. Gelöst lächelte und winkte Denise ihrer Familie zu, genau wie am ersten Prozesstag. Sie bekam am Ende eine letzte Gelegenheit, sich zu äußern. Denise: „Ich bin die ganze Zeit so ruhig geblieben, weil ich weiß, dass ich Jessica nicht umgebracht habe.“ M. Pfefferer

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren