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Depressionen und Burn-out-Syndrom: Die Zahlen der Techniker Krankenkasse lassen aufhorchen. In Nürnberg ist die Hälfte aller Frührenten psychisch bedingt
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Klaus Weckwerth vom „Bündnis gegen Depression“.
bayernpress.com Klaus Weckwerth vom „Bündnis gegen Depression“.

Depressionen und Burn-out-Syndrom: Die Zahlen der Techniker Krankenkasse lassen aufhorchen. In Nürnberg ist die Hälfte aller Frührenten psychisch bedingt

NÜRNBERG Die Techniker Krankenkasse (TK) schlägt Alarm: Die Zahl der Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung frühzeitig in Rente gehen, wächst stark und stetig. In Nürnberg ist mit 46,2 Prozent schon knapp die Hälfte aller Frührenten psychisch bedingt! Und: Laut TK ist es die Arbeit, die uns krank macht. „Großraumbüros ohne Privatsphäre, ständige Erreichbarkeit und Beobachtung, permanente Angst um den Job“ sind auch für Klaus Weckwerth vom „Nürnberger Bündnis gegen Depression“ die Gründe fürs Burnout.

Doch auch er ist von den hohen Werten der TK-Studie überrascht. Die Zahl der durch seelische Krankheiten verursachten Frühberentungen bei den Frauen ist seit 2005 um 29, bei den Männern in Nürnberg um 25,9 Prozent gestiegen. In ganz Mittelfranken nahm die Zahl der psychisch bedingten Frührenten im selben Zeitraum bei den Frauen um 31,7 und bei den Männern um 14,6 Prozent zu.

Von den 10,6 Tagen, die Berufstätige in Bayern 2009 durchschnittlich krankgeschrieben waren, waren eineinhalb Tage psychisch bedingt. In einem Betrieb mit 100 Angestellten hieße das, dass jährlich ein Mitarbeiter über sieben Monate wegen Depression oder Burnout krankgeschrieben ist.

„Der Druck auf die Berufstätigen wird immer größer“

Gegen Depression arbeitet das Bündnis seit 2001. Viel hat sich für die Betroffenen seitdem verändert. Beispielsweise wurden die Hausärzte geschult – was zur Folge hat, dass Depressionen heute schneller erkannt werden. Weckwerth: „Jetzt haben Symptome wie Magenschmerzen, Schlafstörungen und Abgeschlagenheit einen Namen.“

Damit werden natürlich auch mehr Medikamente gegen Depressionen verschrieben. Die TK errechnete, dass in Bayern die Verordnung von Antidepressiva von 2005 bis 2009 um über 40 Prozent gestiegen ist. Weckwerth: „Früher erhielten nur 10 Prozent der Depressiven eine passende Behandlung – das waren verdammt wenige.“

Nun ist es aber nicht so, dass der, dessen Burnout oder Depression erkannt und von Spezialisten behandelt wird, automatisch wieder die volle Leistungsfähigkeit erbringt, die heute gefordert ist. „Alle gehen von Heilung aus, sobald Antidepressiva im Spiel sind. Aber deshalb muss man noch nicht leistungsfähiger sein“, sagt Weckwerth. Vielmehr lerne der Patient dank der medikamentösen Unterstützung, besser mit der Krankheit umzugehen.

„Der Druck auf die Berufstätigen wird aber immer größer“, so Weckwerth, vor allem durch die ständige Erreichbarkeit via Handy oder E-Mail. Dem schließt sich auch TK-Sprecher Peter Schieber an: „Wir haben uns zu einer Pop-up-Gesellschaft entwickelt, in der auf unseren Bildschirmen ständig Mails und Nachrichten erscheinen und uns dazu zwingen, unsere Aufmerksamkeit auf mehrere Dinge gleichzeitig zu verteilen. Dieses Multitasking beeinflusst unsere Arbeitsabläufe oft mehr, als uns bewusst ist und lieb sein kann.“

Susanne Will

Mehr zum Thema: Das Bündnis gegen Depression veranstaltet am 9. Oktober im Haus eckstein (Burgstraße) den Anti-Depressionstag. Thema: Macht Arbeit krank?

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