Koma-Saufen: Es drohen 100.000 Euro Strafe

Drastische Bußgelder selbst bei vergleichsweise harmlosen „Freundschafts- diensten“ für Kids.
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Endstation Intensivstation: Jedes Wochenende werden 20 bis 30 jugendliche Koma-Säufer im Klinikum eingeliefert.
dpa 2 Endstation Intensivstation: Jedes Wochenende werden 20 bis 30 jugendliche Koma-Säufer im Klinikum eingeliefert.
Dr. Hans Jürgen Heppner: Bei ihm landen die Koma-Säufer.
bayernpress.com 2 Dr. Hans Jürgen Heppner: Bei ihm landen die Koma-Säufer.

Drastische Bußgelder selbst bei vergleichsweise harmlosen „Freundschafts- diensten“ für Kids.

NÜRNBERG/FÜRTH Mit drastischen Strafen wollen die Behörden der Sauferei von Jugendlichen einen Riegel vorschieben. Besonders teuer kann es für Gaststätten und Geschäfte werden, die Alkohol bedenkenlos an Minderjährige verkaufen. Der Bußgeldkatalog sieht in solchen Fällen Strafen bis zu einer Höhe von sage und schreibe 100.000 Euro vor.

Besonders wachsam will die Polizei bei der am Wochenende startenden Fürther Kirchweih sein. Schon das Mitbringen von alkoholischen Getränken ist den Besuchern untersagt. „Das Verbot gilt in einem Umkreis von etwa 300 Metern um das Festgelände“, erläuterte ein Sprecher der Polizei die rechtliche Lage.

Damit soll auch unterbunden werden, dass Heranwachsende von ihren volljährigen Kumpeln mit Alkohol versorgt werden. Selbst diese „kleinen Freundschaftsdienste“ werden hart bestraft. Das bekamen gerade eben zwei junge Männer (18 und 19 Jahre alt) zu spüren, die von der Polizei dabei beobachtet wurden, wie sie minderjährige Freunde mit Wodka und Caipirinha versorgten. Das Rechtsamt der Stadt Fürth stellte ihnen Bußgeldbescheide über jeweils 400 Euro zu. Ein Sprecher der Behörde sagte zu dieser Marschroute: „Wir versprechen uns davon eine gewisse abschreckende Wirkung.“

Ein paar Dutzend derartiger Bußgeldbescheide verteilt alljährlich auch das Rechtsamt der Stadt Nürnberg. Eine Mitarbeiterin sagte in diesem Zusammenhang zur AZ: „Uns ist klar, dass es sich dabei nur um die Spitze des Eisbergs handelt. Viele Fälle werden erst gar nicht angezeigt.“

„Alkoholsucht von Jugendlichen fängt oft im Elternhaus an“

Dr. Hans Jürgen Heppner (45), Oberarzt in der toxikologischen Abteilung des Nürnberger Klinikums, hat da schon einen besseren Überblick. Jedes Wochenende landen bei ihm in der Intensivstation 20 bis 30 jugendliche Komasäufer. „Wenn es Großveranstaltungen wie Volksfest oder Fußballspiele am Wochenende gibt, kann die Zahl auch leicht doppelt so hoch liegen“, erklärt Heppner.

Für den erfahrenen Mediziner ist auch klar, wo die Wurzeln der Sauferei liegen: „Die Sucht fängt daheim im Wohnzimmer an, wenn Eltern einen laxen Umgang mit dem Alkohol pflegen und ihren Kindern damit eine entsprechende Vorlage liefern. Da werden bei Kindern die Strukturen für maßloses Trinken bereits festgezurrt.“

Verstärkte Kontrollen wollen die Behörden auch bei Kirchweihen und ähnlichen Festen vornehmen. „Wer gewerblich mit Alkohol handelt und ihn an Minderjährige verkauft, muss mit richtig hohen Bußgeldern rechnen. Mit ein paar Hundert Euro ist es in solchen Fällen nicht mehr getan“, heißt es im Fürther Rechtsamt.

Helmut Reister

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