Jetzt droht der Pflege-Notstand

Mit einer Charme-Offensive wirbt das Krankenhaus um Nachwuchs – auch Pflegehelfer werden ab Herbst ausgebildet. Wenn der Vorstoß nichts bringt, wird wohl in Osteuropa rekrutiert
| Steffen Windschall
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Will Job-Image verbessern: Peter Schuh von der Klinikleitung.
Berny Meyer Will Job-Image verbessern: Peter Schuh von der Klinikleitung.

NÜRNBERG Heute ist der Geburtstag von Pflegepionierin Florence Nightingale, der als Internationaler Tag der Pflegenden gefeiert wird. Die Belegschaft des Klinikums Nürnberg ist allerdings nicht wirklich in Feierlaune. Denn in Nürnberg droht der Pflegenotstand! Die Klinikleitung denkt gar darüber nach, den Bedarf teilweise mit Import-Kräften aus Osteuropa zu decken.

Dass immer mehr Pflegekräfte immer weniger Zeit für ihre Patienten haben, und Kliniken händeringend nach Nachwuchs suchen, hat verschiedene Gründe. Einer ist, sagt Peter Schuh, Mitglied der Klinikleitung, die Demografie: „Es gibt keine geburtenstarken Jahrgänge mehr“ – also immer weniger potenzielle Auszubildende. Andererseits werden die Menschen immer älter und füllen die Kliniken. Ein anderer Faktor sei die „Arbeitsverdichtung“: Nicht zuletzt durch die Weichenstellung der Krankenkassen werde die Fluktuation in den Krankenzimmern immer größer: „Es bleibt immer weniger Zeit für Patientengespräche“, klagt Pflegerin Waltraud Bock.

Pfleger aus dem Ausland - ohne Lohn-Dumping?

Um die Lücken zu stopfen, wirbt das Klinikum jetzt händeringend um Nachwuchs: „Dem Beruf wird in der Öffentlichkeit ein schlechtes Image verpasst“, stellt Schuh fest. Dabei seien Pflegeberufe viel besser als ihr Ruf: krisensicher (Schuh: „Bei uns gibt’s keine betriebsbedingten Entlassungen), anspruchsvoll mit diversen Aufstiegsmöglichkeiten – und mit einem Einstiegsgehalt von 2050,15 Euro nicht schlecht dotiert. Auch auf einer Ebene darunter wirbt das Klinikum um neue Kräfte: „Im September bilden wir wieder Pflegehelfer aus“, berichtet Schuh – eine Chance für Menschen auch jenseits der 40, „die nochmal durchstarten wollen“ und sich nach der einjährigen Ausbildung zur vollwertigen Pflegekraft weiterbilden können.

Sollten alle Stricke reißen, muss das Klinikum nach der Öffnung der Arbeitsmärkte zum 1. Mai aber auch über den Einsatz von qualifiziertem Personal aus Osteuropa nachdenken – „zum deutschen Tarif“, weist Schuh den Verdacht, Billig-Löhner einsetzen zu wollen, zurück. Für Waltraud Bock und ihre Kollegen Christina Promberger, Hannelore Jahr und Max Gegenfurtner, die im Klinik-Auftrag eine Charme-Offensive für ihren Beruf starten, wäre das allerdings keine gute Lösung. „Schon allein wegen der Kommunikation mit dem Patienten“, sagt Promberger. Ihr Job ist zwar über die Jahrzehnte nicht einfacher geworden, doch die vier sind sich einig: „Wir würden den Beruf wieder ergreifen“. Obwohl, gesteht Bock, die in der Kardiologie arbeitet, „ich mich schon manchmal gefragt hab’, warum ich mir das alles antue.“ Die Mischung aus geistiger und körperlicher Arbeit, die Verantwortung und auch die oft gefragte Kreativität seien allerdings Grund genug, weiter Krankenpfleger zu bleiben.

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