Es war wie eine Hinrichtung

In Schweinfurt begann der knifflige Indizienprozess um einen doppelten Ehrenmord. Der Angeklagte verweigert jede Aussage. Mehr als 40 Zeugen und 7 Sachverständige sind geladen
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In Schweinfurt begann der knifflige Indizienprozess um einen doppelten Ehrenmord. Der Angeklagte verweigert jede Aussage. Mehr als 40 Zeugen und 7 Sachverständige sind geladen

SCHWEINFURT Auftakt zu einem kniffligen Indizienprozess um einen doppelten Ehrenmord: Mit einem Aktenordner vorm Gesicht betrat der wegen Doppelmordes angeklagte Bauunternehmer Basar A. am Mittwoch das Landgericht Schweinfurt. Zwei Menschen soll er im August vor einem Jahr kaltblütig mit Kopfschüssen niedergestreckt haben, weil sie sich liebten. Der 30-Jährige will sich den Kameraleuten nicht zeigen. Zu den Mordvorwürfen von Oberstaatsanwalt Rainer Gündert schweigt er.

„Der Angeklagte gab die Schüsse aus nächster Nähe ab“, sagt Gündert. Die Opfer – der 35-jährige Onkel und fünffache Familienvater Idris B. und dessen Schwägerin Sinat A. (30, eine zweifache Mutter) – starben auf dem Schotterparkplatz neben der Schweinfurter Eissporthalle. Ein US-Soldat fand Stunden später die blutüberströmten Leichen. Zeugen für die einer Hinrichtung gleichende Tat gibt es nicht. Die Pistole wurde bisher nicht gefunden.

„Er bleibt dabei, dass er die Tötungshandlung nicht begangen hat“, sagt Verteidiger Norman Jacob auf die Frage der Vorsitzenden Richterin, wie der Angeklagte zum Mordvorwurf stehe. Mehr gibt es von Basar A. nicht zu hören. Er sagt nichts zu seiner Person, nichts zum Tatabend am 10. August 2009, obwohl er vor Ort gesehen wurde. Während des Prozesses wirkt der dunkelhaarige Iraker selbstbewusst. In der Pause schüttelt er Freunden und Bekannten im Gerichtssaal die Hände, unterhält sich mit ihnen.

Hat er das intime Verhältnis seines Onkels zu dessen Schwägerin nicht geduldet?

Die aus dem Irak stammenden Opfer seien ein Liebespaar gewesen, erklärt der Ankkläger. Er geht davon aus, dass Basar A. die beiden getötet hat, „weil er das intime Verhältnis seines Onkels zu dessen Schwägerin nicht duldete“.

Der getötete Familienvater lebte seit Jahren in Schweinfurt. Die Familie wusste, dass er eine Affäre hatte. Bei einem Besuch im Irak musste der 35-Jährige seinem Vater und seinen Brüdern auf den Koran schwören, dass er die Beziehung zu Sinat A. beende. Er hielt sich nicht daran.

Heimtücke wird dem Angeklagten vorgeworfen, als er seine wehrlosen Opfer, die in einem geparkten Auto saßen, mit je drei Kopfschüssen tötete. Möglicherweise habe der Angeklagte die Affäre der beiden als Verletzung der Familienehre empfunden.

Für den Prozess sind bis November 13 Verhandlungstage angesetzt. Es dürfte ein schwieriges Indizienverfahren werden – mit mehr als 40 Zeugen und sieben Sachverständigen. Die Verteidiger beantragten, dass das Gericht die Aussagen ihres Mandaten bei Vernehmungen nach der Tat nicht berücksichtigt. Ihr Mandant sei unter anderem nicht über seine Rechte aufgeklärt und ohne Dolmetscher verhört worden. Zudem hätten Polizisten ihn psychisch unter Druck gesetzt.

„Er wurde als Zeuge belehrt“, sagt hingegen der Polizeibeamte, der nach der Bluttat als erstes mit dem 30-Jährigen gesprochen hat. „Er hat recht gutes Deutsch gesprochen. Er hat gesagt, er versteht alles.“ Der Unternehmer habe auch von der Beziehung seines Onkels mit der geschiedenen Frau erzählt. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. dpa/ddp/azn

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