Der erste Blick in unsere neuesten U-Bahnhöfe

In einem Jahr werden die Stationen Kaulbachplatz und Friedrich-Ebert-Platz eröffnet. Im Untergrund schlummern bereits große Kunstwerke. Die sind nicht nur schön, sondern auch funktional
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Unter Licht und im richtigen Winkel sehen Passagiere am Kaulbachplatz Krelings „Brunnen am Egidienplatz“.
Berny Meyer 2 Unter Licht und im richtigen Winkel sehen Passagiere am Kaulbachplatz Krelings „Brunnen am Egidienplatz“.
Licht flutet in den Untergrund: Über dem Ausgang des U-Bahnhofs Kaulbachplatz beeindruckt die Glas-Architektur.
Berny Meyer 2 Licht flutet in den Untergrund: Über dem Ausgang des U-Bahnhofs Kaulbachplatz beeindruckt die Glas-Architektur.

In einem Jahr werden die Stationen Kaulbachplatz und Friedrich-Ebert-Platz eröffnet. Im Untergrund schlummern bereits große Kunstwerke. Die sind nicht nur schön, sondern auch funktional

NÜRNBERG Tonnenweise Stahl und Beton, Dreck, Lärm und Staub – das ist noch ein Jahr lang der Alltag von rund 50 Arbeitern am Friedrich-Ebert-Platz und am Kaulbachplatz, die die neuen Bahnhöfe für die U-Bahnlinie 3 fertig stellen. Etwas erträglicher macht die Tristesse jetzt ein schöner Anblick: Seit einigen Tagen zieren die Gleiswände in beiden Stationen Kunstwerke – in der AZ sind sie heute erstmals und exklusiv zu sehen.

Wahre Schätze in feinem Grau in Grau

Am Friedrich-Ebert-Platz soll ein raffiniert-funktionales Stäbchenpuzzle Schallschutz gewährleisten. Unter dem Kaulbachplatz mit seinen mächtigen abgerundeten Betonträgern und dem gewölbten Glasdach prangen acht Bilder mit Aha-Effekt: Die Werke von August von Kreling, Wilhelm von Kaulbach und Carl Theodor von Piloty – alles Künstler, nach denen umliegende Plätze und Straßen in der Nordstadt benannt sind – wurden nicht etwa auf die Wände neben den Gleisen aufgepinselt, sondern vom Architekturbüro Haid+Partner in den Weißbeton gefräst. Das Ergebnis: ein feines Relief, das nur im Licht und im richtigen Winkel wahre Schätze in feinem Grau in Grau offenbart. Passagiere einfahrender Züge werden an beiden Gleisen etwa von Krelings „Brunnen am Egidienplatz“, Kaulbachs „Töchtern des Künstlers“ oder Pilotys „Seni vor der Leiche Wallensteins“ begrüßt.

Stäbchen-Mosaik als Schalldämpfer

Wesentlich abstrakter, dafür auch farbenfroher strahlt das Untergeschoss am Friedrich-Ebert-Platz im Neonlicht: 17.000 orangene Stäbchen in vier verschiedenen Längen spannen ein Netz, das sich wie ein Bauch entlang der Wände wölbt. Das psychedelische Puzzle schmeichelt nicht nur den Augen, sondern erfüllt – nicht minder wichtig – auch einen akustischen Zweck.

Die Elemente sind aus Spezialbeton gefertigt und können durch ihre Anordnung den Schall auffangen: „Es geht darum, Lautsprecherdurchsagen verständlich und einfahrende Züge leiser zu machen“, erklärt der Nürnberger Künstler und Kulturpreisträger Peter Kampehl (63), der das Projekt mit dem Architekturbüro Stößlein ersonnen hat und für die gesamte Gestaltung des U-Bahnhofs zuständig ist.

Gelegt wurde das 1200-Quadratmeter-Mosaik vom Ellinger Fliesenlegermeister Max Faltermeier. Sowohl für den Handwerker wie auch den Künstler war die Arbeit am U-Bahn-Bau eine Premiere.

Die Arbeiten in Natura erleben können Kunden der VAG frühstens in einem Jahr, wenn die U-Bahnhöfe im Norden der Stadt ihren Betrieb aufnehmen.

Steffen Windschall

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