Als man den Festival-Eklat noch suchte

Zwei Ausstellungen begleiten das am Donnerstag mit „Lyrik 10“ eröffnete 30. Erlanger Poetenfest
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Das leere Plakat in der aktuellen Ausstellung markiert den Tiefpunkt des Erlanger Poetenfests – es fand 1992 nicht statt.
Sven Grundmann Das leere Plakat in der aktuellen Ausstellung markiert den Tiefpunkt des Erlanger Poetenfests – es fand 1992 nicht statt.

Erlangen - Zwei Ausstellungen begleiten das am Donnerstag mit „Lyrik 10“ eröffnete 30. Erlanger Poetenfest

Ein leeres Plakat mit einer„92“ markiert den Tiefpunkt der 30-jährigen Geschichte des Erlanger Poetenfests: Es fand nicht statt. Das fehlende Geld war mal wieder Schuld, ein bekanntes Motiv in der Hugenottenstadt. Aber: früher war trotzdem alles besser, und so verweist die Ausstellung „30 Jahre Erlanger Poetenfest – Ein Streifzug in Bild- und Tondokumenten“ im Erlanger Markgrafentheater auf eine ruhmreiche Vergangenheit. Anfänglich beschwören Bilder mit zottelhaarigen Jungspunden auf einer Holzbühne die anarchisch anmutenden Anfänge des Poetenfests herauf, als man sich noch auf dem Podium zankte und den Eklat nicht scheute, sondern suchte, als sich das Festival noch ausschließlich Autoren aus Franken widmete. Dass auch die heutigen Veranstalter nicht nur auf massentaugliche Literatur, sondern immer noch auf literarische Nischen setzen, zeigt der „begehbare Roman“ in der Eingangs-Passage des Markgrafentheaters, eine Videoinstallation in Baustellenoptik. Seit über zwanzig Jahren beißen sich der ungarische Filmemacher Gabor Altorjay und der Theatermusiker Carsten Dane an der Übersetzung des Romans „Karneval“ von Béla Hamvas die Zähne aus.

Da es vermutlich noch ein bisschen dauert, bis sie das eintausendfünfhundertseitige Mammutwerk übersetzt haben, präsentieren die beiden nun ihre Übersetzungsbaustelle mit Bauschutt in den Ecken und mit Schutzfolie verklebten Wänden. Mittendrin die Übersetzer, die gleichzeitig von drei Leinwänden herab drei verschiedene Auszüge aus „Karneval“ vortragen. Mögen die Ausstellungen noch so verschieden sein. Am Ende ergänzen sie einander: Eine verweist auf die Vergangenheit zurück, die andere steht stellvertretend für all die Bücher, die in Zukunft noch auf uns warten. Die dazwischen liegende Gegenwart gab’s gestern Abend bei der internationalen Nacht der Poesie, „Lyrik.10“, als Auftakt des Festivals.

Neben den beiden Ausstellungen (11 bis 22 Uhr) zeigen heute Abend um 18 Uhr die Lamm-Lichtspiele den Porträtfilm über die Dostojewski-Übersetzerin Swetlana Geier („Die Frau mit den 5 Elefanten“, 18 Uhr). Um 19 Uhr lädt das Kunstpalais im Rahmen der Ausstellung „Guerre en Forme“ von Dellbrügge und de Moll (AZ berichtete) zu einer kleinen Übung ein, wie gesprochene und geschriebene Worte zu einem alltäglichen Kampf der Menschen untereinander werden kann. Um 20.30 Uhr präsentiert das Markgrafentheater mit Hans Joachim Schädlich das erste Autorenporträt des Festivals (Eintritt: 5 Euro). Max Theiss

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