Als Motorräder und Porsche über den Ammersee heizten: Das legendäre Eisrennen von 1963
Motorräder, VW Käfer und Porsche rasen auf dem tiefgefrorenen Ammersee um die Wette – wie bitte? Auch im diesjährigen Winter sind die Temperaturen zwar zapfig, aber ein so standhaftes Eis klingt wie aus einem Märchen.
Im Februar 1963 war das Realität. Ein eiskalter Winter. So kalt, dass der Ammersee zufror.
Der Deutsche Wetterdienst hat zwar keine Messstationen direkt an dem oberbayerischen Gewässer. Aber umliegende Messwerte am 1. Februar 1963 zeigen Werte zwischen minus 17 (Hohenpeißenberg) und minus 20 Grad (Attenkam).
Eisige Temperaturen: Bayerische Seen froren zu
Am 10. Februar waren es immer noch rund minus 14 Grad. Am 17. Februar – am Tag des besagten Rennens – wurden"nur" noch minus 4,5 (Landsberg) bis minus 7,5 Grad (München) festgehalten.

Zur Stärke des damaligen Eises kann der Deutsche Wetterdienst keine Angaben machen. Auch das Landesamt für Umwelt teilt der AZ auf Anfrage mit, man habe keine systematische Erfassung dazu.
Allerdings: "Der Winter 1963 ist als Winter bekannt, in dem viele bayerische Seen über längere Zeit zugefroren waren." So auch der Ammersee.
Film zeigt Spektakel anno dazumal
Und warum aus diesem Eis-Zauber nicht ein Spektakel für die Geschichtsbücher machen? Am 17. Februar rief der Motorsport-Club Dießen (MCD) zum Eisrennen auf dem Ammersee auf. Ein historisches Plakat hält fest: Start 13.30 Uhr. Der Andrang des Publikums: riesig.
Alexander Lampl und Dieter Schweingruber haben über die historische Veranstaltung einen 50-minütigen Film zusammengestellt. Aus alten Super-Acht-Filmen und Fotos aus dem MCD-Archiv. Dieser Film wird am 8. Februar 2026 erneut in der Kinowelt Ammersee präsentiert.
In Lampls Aufzeichnungen, die er der AZ zur Verfügung gestellt hat, heißt es: Das Eis sei 30 bis 40 Zentimeter dick gewesen. Behauptet worden sei gar 60 Zentimeter, so wird es auch in einem BR-Beitrag berichtet, "das war aber stark übertrieben".

Bereits 14 Tage vorher habe man den Schnee erstmals angeschoben, der Schneewall sei als Bande genutzt worden. Die große Sorge: Würde das Eis bis zum Veranstaltungstag halten? Oder würde es tauen? Nun, im Nachhinein weiß man: Es hat gehalten. Vor und währenddessen dürften die Veranstalter so einige Stoßgebete zum Himmel geschickt haben.
Die Premiere des Eisrennens fand 1929 statt
Denn wie vermerkt ist, sei das Eis unter der Bande schon teils angetaut. "Als später die vielen Zuschauer das Eis betraten, ist das Wasser unter dem Schneewall und aus den Löchern für die Pfosten gelaufen", ist dokumentiert.
Geplant waren jeweils vier Rennen für die Kategorien Motorräder, Seitenwagen-Maschinen und Automobile. Schon im Jahr 1929, am 24. Februar, fand übrigens ein erstes Eisrennen auf dem Ammersee statt, allerdings damals nur für Motorräder.

1963 war das Aufgebot schon größer. Das lockte Tausende Zuschauer an. Die Eintrittskarten gingen aus, ebenso die Parkplätze. Festgehalten ist: "Die Zuschauer, die über den See gekommen sind und die, die aufgrund des Verkehrschaos zu spät dran waren, konnten nicht mehr kassiert und gezählt werden."
Wer hat bei den einzelnen Rennen gewonnen? Die Veranstalter haben dies genau vermerkt, die Tagesbestzeit sei gleich im ersten Rennen von Otto Lantenhammer aus Moosmühle erzielt worden (Lizenzfahrer der Solomaschinen bis 500 Kubikzentimeter). Er habe eine "sensationelle Durchschnittsgeschwindigkeit" von 109 Kilometern pro Stunde erreicht. Seine schnellste Runde legte er auf 900 Metern Bahn binnen 28 Sekunden zurück.

Amüsant sind die Anekdoten, die fernab der Gewinner überliefert sind. So seien etwa Pappdeckel zwischen Lederjacke und Körper geschoben worden. Als Schutz vor dem Eis. Lumpen oder Teile von einem Anorak seien vor dem Gesicht unter die Brille geklemmt worden, "damit die aufgerissenen Eisbrocken des Vordermannes nicht so stark einschlagen", heißt es weiter.
"Wie stachelige Ungeheuer sehen sie aus"
Im Rennen Nummer 4 (Solomaschinen bis 175 ccm Ausweisklasse) trat mit der Nummer 1 Paul Hart an, der schon 1961 Bayerischer Motocross-Meister geworden war. Dieser habe selbst Spikes für sein Motorrad gefertigt, damit es ruhiger und schneller lief. Der BR berichtete damals über die präparierten Solomaschinen: "Wie stachelige Ungeheuer sehen sie aus."

Beim Rennen der "Grand-Tourisme-Wagen bis 1300 ccm" hat Lampl vermerkt: Alle Fahrzeuge in dieser Klasse seien VW Käfer gewesen. Einerseits der damals häufigste Autotyp in Deutschland, aber dieser hatte noch einen Vorteil: Der Käfer habe wie der Porsche eine günstige Gewichtsverteilung mit Motor hinter der Hinterachse gehabt.
Sieger trotz Platten
Auch unter den "Tourenwagen bis 1300 ccm" seien bis auf eine Ausnahme nur VW Käfer am Start gewesen. "Mit Florian Geyer auf dem neuen Austin-Cooper war aber ein äußerst gefährlicher Gegner mit dabei", wird berichtet. Der Münchner sei als Letzter gestartet, dreht auf, "und überholt sämtliche sechs konkurrierenden VW-Fahrer, darunter auch den Favoriten Sepp Greger, überrundet sogar zwei von ihnen und siegt spektakulär".
Im letzten Sonderlauf für Gran-Tourisme-Wagen siegt Josef Greger aus München – obwohl sein Porsche Typ 356 einen platten Reifen hat. Für eine Ehrenrunde im Anschluss habe es dann nicht mehr gereicht, so der BR.
Am Ende hat Lampl vermerkt: "In den darauffolgenden Tagen brach die Eisdecke auf und damit war das Rennoval verschwunden und nichts erinnert mehr daran, dass über dem See, der hier circa 15 Meter Wassertiefe aufweist, über zehntausend Besucher ein großartiges Rennen erlebt haben."
Filmvorführung: kino-diessen.de
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