"Aktuell geschlossen": Diese bayerische Hütte schlummert für immer

Die bewirtschafteten Hütten des Alpenvereins München und Oberland stehen für die Sommersaison in den Startlöchern. Eine nicht: die Riesenhütte. Sie ist seit Jahren dicht und wird es auch bleiben. Man arbeite an alternativen Konzepten für die Zukunft, heißt es.
von  Rosemarie Vielreicher
Die Riesenhütte ist bereits seit 2013 geschlossen. Saniert wie ursprünglich geplant wird sie nicht.
Die Riesenhütte ist bereits seit 2013 geschlossen. Saniert wie ursprünglich geplant wird sie nicht. © Julian Bückers

Die Hütten des Alpenvereins München und Oberland starten gerade nach und nach in die Sommersaison. Eigentlich sind es 16 bewirtschaftete Hütten wie das Taubensteinhaus oder die Reintalangerhütte. Doch für nur 15 Ausflugsziele gibt es einen Öffnungstermin. Was ist mit Nummer 16?

Es ist die Riesenhütte in den Chiemgauer Alpen. Auf 1346 Metern Höhe. Sie gehört eigentlich zu den bewirtschafteten Hütten, doch "aktuell" ist sie geschlossen, heißt es auf der Homepage.

Aus "aktuell" muss in diesem Fall wohl "für immer" werden. Denn nach Auskunft des Alpenvereins wird die Riesenhütte nicht mehr wie gewohnt öffnen.

Eigentlich strebte man eine Renovierung an

Bereits seit 2013 werden hier keine Gäste mehr empfangen. Eigentlich wollte man das Gebäude 2019 generalsanieren. Dies wurde verschoben. Unter anderem wegen der Sanierung der denkmalgeschützten Falkenhütte im Karwendel (Bauvolumen von etwa  6,4 Millionen Euro).

Hier liegt die Riesenhütte in den Chiemgauer Alpen.
Hier liegt die Riesenhütte in den Chiemgauer Alpen. © Rosemarie Vielreicher

Letztlich muss der Alpenverein diverse Bau- und Sanierungsmaßnahmen stemmen. Das kostet Geld. Und deswegen muss man abwägen: Welche Hütte muss unbedingt saniert werden und welche nicht?

Infrastruktur und Brandschutz: "Eine Sanierung wäre aufwendig"

Die Sektion Oberland teilt der AZ mit: "Bei der Riesenhütte bestünde in den Bereichen grundlegender Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Energieversorgung) sowie im Brandschutz Handlungsbedarf. Eine Sanierung wäre entsprechend aufwendig."

Gleichzeitig prüften sie bei allen Projekten, "welche Hütten aus alpinistischer Sicht eine besonders wichtige Funktion als Schutz- und Zufluchtsorte erfüllen".

Die Bauarbeiten auf der Vorderkaiserfeldenhütte.
Die Bauarbeiten auf der Vorderkaiserfeldenhütte. © Sektion Oberland des DAV

Die Riesenhütte liegt relativ niedrig. "Aufgrund ihrer vergleichsweise tiefen Lage erfüllt die Riesenhütte diese Funktion nur eingeschränkt." Daher seien in den vergangenen Jahren andere Hütten – wie etwa die Falkenhütte, die Vorderkaiserfeldenhütte oder die Stüdlhütte – priorisiert worden.

Weiter teilt die Sprecherin mit: "Als DAV-Sektion tragen wir Verantwortung für eine Vielzahl an Berghütten und müssen unsere begrenzten Ressourcen für alle anstehenden Bau- und Sanierungsprojekte klar priorisieren."

Wiederinbetriebnahme ist ausgeschlossen

Der Sektion geht es nach eigenen Angaben bei diesen Entscheidungen um "alpinistische Sicherheit, die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Hütten sowie den verantwortungsvollen Umgang mit den uns anvertrauten Mitteln".

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Der Vorstand der Sektion Oberland habe daher in Rücksprache mit den Vereinsgremien beschlossen, "eine Wiederinbetriebnahme der Riesenhütte als bewirtschaftete Alpenvereinshütte auszuschließen, insbesondere auch vor dem Hintergrund der weiteren anstehenden Hüttenbauinvestitionen der Sektion Oberland in den nächsten Jahren".

Konzepte für die Zukunft

Wie geht es mit dem bestehenden Bau in den Chiemgauer Alpen weiter? "Wir arbeiten aktuell dennoch weiter an Konzepten, wie der Stützpunkt der Riesenhütte für Mitglieder oder der Bergsportler*innengemeinschaft in abgewandelter Form in den nächsten Jahren wieder zugänglich gemacht werden kann", heißt es von der Sektion.

Noch sind demnach keine Entscheidungen getroffen. Bis dahin wird das Gebäude erhalten, etwa mit einem Solarluftkollektor zur Temperierung.

Hagel-Unwetter: "Vielen Dank den Erbauern der Hütte!"

Erbaut 1913, gehört die Hütte seit 1917 der Sektion Oberland. Interessant ist, was die Riesenhütte schon zu Beginn miterlebt hat. 1914 wurde die Lokalbahn Rosenheim-Frasdorf eröffnet, das sorgte im ersten Jahr für regen Besuch, ist in der Historie vermerkt.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges musste die Hütte geräumt und die Einrichtung ins Tal gebracht werden, "da in Anbetracht der nahen, nur wenige hundert Meter verlaufenden Grenze mit einer militärischen Belegung zu rechnen war", heißt es auf der Homepage. Doch die Hütte blieb unversehrt.

Und aus dem Jahr 1919 ist folgende Nachricht bei einem Hagel-Unwetter erhalten: "Am 8. Juli 1919 haben drei Touristen sicheren Schutz in diesem Raume gefunden, sonst wären sie jedenfalls von den großen Eisklumpen, die unzählig herniederfielen, erschlagen worden. Vielen Dank den Erbauern der Hütte!"

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