Aiwanger mit umstrittenem Pelz-Foto auf Jagdmesse: "Natürlich und nachhaltig“

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat mit einem Facebook-Post von der Jagdmesse in Salzburg für teils empörte Reaktionen gesorgt. Auf dem Foto trägt der Freie-Wähler-Chef eine Pelzmütze, umringt von weiteren Messebesuchern in Pelzkleidung. Dazu schreibt er:
„Pelz ist natürlich und nachhaltig! Wenn die Tiere wie Fuchs oder Waschbär schon erlegt werden, weil sie sonst überhand nehmen, ist es sinnvoll, das Fell zu verwerten anstatt zu entsorgen und Kunststoffmützen zu produzieren.“
Kritik: „Natürlich“ nicht gleich „nachhaltig“
Unter dem Post entwickelte sich eine teils hitzige Debatte. Eine Nutzerin namens Tabea Ne widersprach Aiwangers Nachhaltigkeitsargument ausführlich. „Natürlichkeit ist kein Synonym für Nachhaltigkeit“, schrieb sie. Entscheidend seien ökologische Gesamtbilanz, Ressourcenverbrauch und der Chemikalieneinsatz bei der Gerbung. Zudem stelle sich die Frage, ob durch eine wirtschaftliche Verwertung von Pelz zusätzliche Anreize für Jagd oder Zucht geschaffen würden.
Besonders gravierend sei das Leiden in der Pelzindustrie: „In Pelzfarmen werden Tiere wie der Rotfuchs oder der Amerikanische Nerz häufig in kleinen Drahtgitterkäfigen gehalten, die ihre natürlichen Bedürfnisse nach Bewegung, Revierverhalten oder Sozialkontakt stark einschränken. Die Enge und Reizarmut führen nicht selten zu Verhaltensstörungen wie Stereotypien, Selbstverstümmelung oder Aggression.“
Eine zweite Nutzerin rückt Aiwangers Punkt zurecht – es gehe um Tierfelle aus dem Jagdbereich: „Nachhaltig ist es trotzdem, es wird genutzt und nicht entsorgt.“
Wie ist die Rechtslage in Deutschland?
Pelzkleidung ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Es gibt kein generelles Verkaufs- oder Trageverbot. Allerdings gelten strenge Vorgaben für die Haltung von Tieren zur Pelzgewinnung.
Die Pelztierhaltung ist hierzulande aber faktisch zum Erliegen gekommen, nachdem die Anforderungen an Käfiggrößen und Haltungsbedingungen deutlich verschärft wurden – was ihren Betrieb wirtschaftlich kaum noch tragfähig machte. Die letzte größere Pelztierfarm stellte 2019 den Betrieb ein. Der Handel mit importierten Pelzprodukten bleibt in vielen Fällen jedoch zulässig.
Reaktion von Aiwanger
Aiwanger reagierte auf die Kritik der Facebook-Nutzerin bisher lediglich mit einer Gegenfrage: „Tabea Ne, was sagen Sie zu Lederschuhen?“ Auf Facebook wird ihm daraufhin „Whataboutism“ vorgeworfen – also das Ausweichen vor einer Antwort mit einer Gegenfrage oder einem Argument, das in eine andere Richtung führt.
Kurz zum Hintergrund: Das meiste Leder für Schuhe stammt von Rindern – als Nebenprodukt der Fleischindustrie. Auch Schwein, Ziege oder Schaf werden genutzt. Die Häute fallen nach der Schlachtung an und werden an Gerbereien verkauft.
Ganz abgesehen davon, wie man zu Hubert Aiwangers Aussage inhaltlich steht, hat der Freie-Wähler-Chef hier einmal mehr sein Talent für Aufreger-Themen und polarisierende Inszenierungen unter Beweis gestellt.