Aggressiver Virus: Hanta-Alarm in Bayern!

Bereits 282 Menschen haben sich heuer im Freistaat mit dem aggressiven Virus infiziert – sechsmal mehr als im gesamten Jahr 2011.
| Natalie Kettinger
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Sie wirkt so harmlos: Doch die Rötelmaus gilt als Überträger des gefährlichen Erregers.
Sie wirkt so harmlos: Doch die Rötelmaus gilt als Überträger des gefährlichen Erregers.

MÜNCHEN Im Koreakrieg erkranken Anfang der 1950er tausende US-Soldaten an einem mysteriösen Fieber: Sie bluten aus den Augen, ihre Lungen entzünden sich, ihre Nieren versagen. Mehr als ein Drittel der Infizierten stirbt. Weil die Militärs am südkoreanischen Hanta-Fluss lagern, nennen sie den unbekannten Erreger „Hantavirus“. Heute weiß man, dass eine abgeschwächte Art des Virus auch in Europa vorkommt – und Experten schlagen Alarm, weil er sich in Bayern derzeit besonders stark ausbreitet.

Wie die Techniker Krankenkasse (TK) mitteilt, sind im Freistaat bis Anfang August 282 Krankheits-Fälle gemeldet worden – sechsmal mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Am heftigsten betroffen sind Unterfranken und Niederbayern. Die meisten Infektionen verzeichnen die Landkreise Aschaffenburg (49), Freyung-Grafenau (38) und Miltenberg (30). In Oberbayern sind bislang vier Fälle registriert.

Der Puumala-Hantavirus sei in Bayern seit mindestens zwei Millionen Jahren heimisch, sagt TK-Sprecher Stephan Mayer. Der Erreger befällt Nager, vor allem die Rötelmaus. Die Tiere bekommen von der Infektion nichts mit, können den Virus aber ihr Leben lang weiter verbreiten.

Wissenschaftler haben beobachtet, dass die Erkrankungen zunehmen, wenn zwei Faktoren zusammen treffen: ein milder Winter, in dem nur wenige Nager erfrieren, und gute Wachstumsbedingungen für Buchen-Wälder. „Diese Mäuse lieben Buchen-Früchte. Gibt es viele davon, vermehren sie sich enorm“, sagt Mayer.

Übertragen wird der Hantavirus über den Speichel, Kot oder Urin der infizierten Mäuse. „Beim Ausräumen von Schuppen, Kellern, Dachböden oder Gartenhäuschen ist deshalb Vorsicht geboten“, sagt Mayer. Um den Virus nicht einzuatmen – etwa, wenn Exkremente beim Stöbern aufgewirbelt werden –, rät er, den Staub vorher anzufeuchten. Außerdem sollten „Entrümpler“ einen Mundschutz und Handschuhe tragen. Gefährdet ist auch, wer viel im Wald unterwegs ist.

Die typischen Symptome der Krankheit sind hohes Fieber, Übelkeit und Gelenkschmerzen. Lebensbedrohliche Lungen- und Nierenentzündungen sind häufig. Unbehandelt kann die Infektion tödlich enden. Seit 2001 ist die Krankheit im Freistaat meldepflichtig.

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