AfD-Kulturreferent nach Protesten wieder abgesetzt

Ein junger AfD-Mann wurde zum Kulturreferenten einer Kleinstadt in Südbayern gewählt – und löste damit Proteste aus, die nun Konsequenzen haben.
dpa |
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Ein AfD-Politiker als Kulturreferent - in der Kleinstadt Tittmoning regt sich Widerstand (Symbolbild).
Ein AfD-Politiker als Kulturreferent - in der Kleinstadt Tittmoning regt sich Widerstand (Symbolbild). © Daniel Karmann/dpa
Tittmoning

Der Stadtrat der oberbayerischen Kleinstadt Tittmoning (Landkreis Traunstein) hat einen AfD-Politiker als Kulturreferenten nach wochenlangen Protesten wieder abgesetzt. Es sei "normalerweise nicht üblich, dass ein zugeteiltes Referat wieder entzogen wird", teilte die Stadt mit. "Leider hatte sich in den letzten Wochen die Situation im Zusammenhang mit dem Kulturreferat derart hochgeschaukelt, dass sich der Stadtrat veranlasst sah, die Abstimmung vom 12. Mai neu zu überdenken."

Proteste von Kulturschaffenden

Damals war der AfD-Stadtrat Sebastian Gruttauer zum Kulturreferenten bestimmt worden. Es folgte massiver Widerstand von Kulturschaffenden aus der Region - darunter auch der Kabarettist und Musiker Hans Well (ehemals "Biermöslblosn").

Gruttauers Äußerungen hätten sich "negativ auf die öffentliche Wahrnehmung der Stadt Tittmoning ausgewirkt und das vielfältige kulturelle Leben vor Ort gefährdet", teilte die Stadt nun mit. Das Referat "Kultur, Brauchtum und Tradition" geht nach dem mit großer Mehrheit und nur gegen zwei AfD-Stimmen gefassten Beschluss auf den Bürgermeister der Stadt, Andreas Bratzdrum (CSU) über. 

Gruttauer (32), der sich öffentlich meist in bayerischer Tracht und mit langem Vollbart zeigt, hat in der Vergangenheit öffentlich politisch sehr weit rechts anzusiedelnde Positionen vertreten. "Wir werden mehr und mehr zur Minderheit im eigenen Land", sagte er etwa in einem seiner Instagram-Posts. "Das darf niemals passieren und darum braucht es Remigration", sagte er. Zuwanderer träfen in Deutschland auf bereits existierende "Parallelgesellschaften" und blieben somit "in ihrem eigenen Klüngel". Integration finde nicht mehr statt.

Bürgermeister sieht Schaden für das Ansehen der Stadt

Das 5.000-Einwohner-Städtchen liegt ganz im Osten Bayerns, an der Grenze zum oberösterreichischen Bezirk Braunau. "Als Grenzstadt steht Tittmoning traditionell für einen offenen, länderverbindenden gesellschaftlichen Austausch", heißt es in der Mitteilung der Stadt. "Die überwiegende Mehrheit der Stadtratsmitglieder stimmte darum für eine Neubesetzung des Amtes."

Gruttauers Äußerungen - unter anderem in sozialen Medien - widersprächen "dem Selbstverständnis der großen Mehrheit der Menschen in Tittmoning und haben in den vergangenen Wochen dem Ansehen unserer Stadt bayern- und deutschlandweit nachhaltig geschadet", sagte Bürgermeister Bratzdrum.

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