Abriss von Traditions-Wirtshaus in Bayern: Kann es noch gerettet werden?
Wo in der Region drohen Traditionswirtshäuser oder historische Wohnhäuser zu verschwinden, die das Ortsbild prägen? Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege hat genau solche Gebäude im Blick – der "Abriss des Jahres", das Lechnerhaus in Prien am Chiemsee (Landkreis Rosenheim) sorgte für Aufsehen (AZ berichtete). Folgt bald schon der nächste?
Derzeit beobachtet der Verein mit Sorge, was mit dem Gasthaus Bichler in Ramerberg, ebenfalls im Landkreis Rosenheim, passieren könnte. Seit Generationen war das Gasthaus Treffpunkt für Feste, Vereine und das gesellschaftliche Leben.
Das Wirtshaus mitten in dem kleinen Ort solle möglicherweise abgerissen und durch mehrere Doppelhäuser ersetzt werden, schilderte der Landesverein für Heimatpflege in seiner Mitteilung – dies löse bei den Bewohnern in der Region "großes Bedauern" aus. Denn weit über die idyllische Gemeinde hinaus kehrten Besucher aus der Region früher – als die Gaststätte noch regulär geöffnet war – gern dort ein. Was soll in Zukunft mit dem Gebäude geschehen?
Doppelhäuser statt Wirtschaft: Baugenehmigung liegt noch nicht vor
Die AZ hat bei der Gemeinde Ramerberg nachgefragt. Es handelt sich demnach um ein reines Privatgebäude. Ein Antrag auf Vorbescheid wurde nach Auskunft des gemeindlichen Bauamtes gestellt: Demnach will die Eigentümer-Familie, der auch die Wirtschaft gehört, nun eine andere Nutzung des Grundstücks erreichen.
Es seien insgesamt sieben Doppelhäuser beantragt worden, fünf davon befänden sich im sogenannten Innenbereich, zwei Doppelhäuser müssten dem Außenbereich zugeordnet werden. Zumindest für die fünf Doppelhäuser hatte der Bauausschuss der Gemeinde bei seiner Sitzung im November sein Einvernehmen mehrheitlich erteilt. Eine Baugenehmigung liegt nach Angaben vom Landratsamt Rosenheim noch nicht vor. Das Bauverfahren sei nicht abgeschlossen, sagte Sprecher Michael Fischer auf AZ-Anfrage.

Man sei fortlaufend im Gespräch mit der Eigentümer-Familie, betont der Bürgermeister in Ramerberg, Manfred Reithmeier (UWR), auf Nachfrage der AZ, der zugleich sein vollstes Verständnis für deren Beweggründe zeigt: Die Betreiberin habe erklärt, dass sie einfach nicht genügend Personal für die Gaststätte finde, berichtet er.
Zudem hätte in dem Gebäude die Heizung generalsaniert werden müssen, was sehr kostenaufwendig wäre, schildert Reithmeier. Auch die Toiletten hätten "umfassend saniert" werden müssen. Ein Thema sei außerdem der Brandschutz im ersten Stock des Gebäudes, zudem sei der Dachstuhl des Hauses kaputt. Das Wirtshaus selbst, das mittlerweile nur noch einmal im Monat geöffnet habe, befinde sich im Erdgeschoss, so Reithmeier, der zugleich sein Bedauern über die Schließung und den beantragten Abriss äußert.
Wegfall des Gasthaus-Gebäudes wäre ein "Verlust"
Ob es nicht denkbar wäre, dass die Gemeinde sich ins Spiel bringt, um das Gebäude zu retten? Etwa der Gedanke, ob nicht ein Kindergarten "hier reinkommen" könne, sei im Gemeinderat schon im Gespräch gewesen, schildert Reithmeier zwar. "Da hätte man einen riesigen Saal" – das Erdgeschoss sei zugänglich für Jung und Alt. "Aber da hätte man alles kindgerecht umbauen müssen" – dies sei "kostenmäßig nicht im Verhältnis" gestanden, schildert er aus Sicht der Gemeinde. Zweifellos: Für das Ortsbild würde der Wegfall des Gebäudes "einen Verlust" darstellen, räumt Reithmeier ein.
Rudolf Neumaier, Geschäftsführer vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, sieht das Ganze mit Sorge. Gebäude wie diese seien "nicht nur ortsbildprägend, sondern aufgrund ihrer öffentlichen Nutzung identitätsstiftend", betont er.

Auf traurige Beispiele verlorener Baukultur – darunter alte Gaststätten, Wohnhäuser oder Kirchen in verschiedenen bayerischen Regionen – hatte der Landesverein für Heimatpflege erst jüngst mit dem Negativpreis "Abriss des Jahres 2025" reagiert – eine Aktion, bei der auch die Bürger über aus ihrer Sicht besonders bedauernswerte Fälle mit abstimmen durften. Mit dem Lechnerhaus und dem Gasthaus "Alter Wirt" in Aising (Platz zwei) waren bei der Abstimmung gleich zwei Kandidaten aus derselben Region auf den vorderen Rängen gelandet.
Mit Blick auf das die Gemeinde Ramerberg aus seiner Sicht "prägende" Gebäude wünscht sich der Landesverein für Heimatpflege unterdessen, dass sich noch eine Lösung finde, wie man es möglichst erhalten könne.
Neumaier ist sich – unabhängig davon – der schwierigen wirtschaftlichen Situation vieler Wirte in Bayern bewusst. "Die Ursachen dafür, dass Wirtshäuser sterben, sind vielfältigster Art", sagt er im Gespräch mit der AZ. Dies könnte – je nach Einzelfall – etwa an den bürokratischen Hürden liegen. Oder daran, dass sich zum Beispiel kein geeigneter Nachfolger finde – in manchen Fällen fehle auch schlichtweg das Personal.
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