600 Kilometer übers Wasser und die Straße: So kam das neue Schiff an den Tegernsee

Über drei Flüsse, die Autobahn, an München vorbei – und sogar Schilder mussten vor Tegernsee abmontiert werden, damit die neue EMS Gmund um die Kurven kam. Was sich jetzt für Fahrgäste ändert.
von  Alexander Spöri
Die EMS Gmund aus Niederkassel bei Bonn wird vom Seesauna-Parkplatz ins Wasser gehoben.
Die EMS Gmund aus Niederkassel bei Bonn wird vom Seesauna-Parkplatz ins Wasser gehoben. © Feuerwehr Tegernsee

Fast 60 Jahre hat die alte MS Gmund, Baujahr 1968, ihren Dienst getan – nun wird sie langsam zu alt. Ihre Nachfolgerin liegt bereits im Tegernsee: ein vollelektrisches Fahrgastschiff für rund vier Millionen Euro.

"Das neue Schiff ist endlich da und es schwimmt", freut sich Geschäftsführer Michael Grießer von der Bayerischen Seenschifffahrt im Gespräch mit der AZ.

Der Weg an den See hatte es in sich: Gebaut wurde die neue EMS Gmund in Niederkassel bei Bonn, gut 600 Kilometer entfernt. Mit eigenem Antrieb ging es über Rhein, Main und Donau bis nach Kelheim bei Regensburg. Dort wurde das Schiff aus dem Wasser gehoben und auf einen Tieflader umgeladen.

Langer Transport bis ins Tegernseer Tal

Der Rest der Strecke führte über die Autobahn, an München vorbei und zuletzt über Landstraßen ins Tegernseer Tal – teils nachts, mit Begleitfahrzeugen und reichlich Aufwand. Denn das Schiff ist immerhin mehr als sechs Meter breit und über 25 Meter lang.

"Der ein oder andere Leitpfosten musste abgebaut werden", sagt Grießer. Auch Verkehrsschilder mussten weichen, damit das Schiff um die Kurven kam. Damit der schwere Transport den Straßenbelag nicht beschädigte, wurden in manchen Abschnitten Stahlplatten ausgelegt. Hinzu kamen mehrere Baustellen, die berücksichtigt werden mussten.

Am Parkplatz an der Seesauna in Tegernsee kam der Koloss schließlich vom Tieflader. Dort wurden Aufbauten wie das Solarmodul auf dem Oberdeck montiert, bevor das Schiff am vergangenen Freitag erstmals in den See gehoben wurde.

Das ändert sich für die Fahrgäste

Seither wird an ihm reichlich gewerkelt. Der TÜV stehe noch aus, nicht alle Bänke am Freideck seien montiert, und die Batterie müsse sich unter Echtzeitbedingungen beweisen, so Grießer.

Rund 1150 Kilowattstunden fasst der Akku, über Nacht soll er im Hafen geladen werden. Fahren soll die EMS Gmund von 9.15 bis 18.15 Uhr auf der südlichen Runde, die Bad Wiessee, Rottach-Egern und Tegernsee verbindet.

Für die Fahrgäste ändert sich einiges. 180 Personen haben künftig Platz statt bisher 131, es gibt eine Toilette an Bord, und das Schiff ist barrierefrei ausgebaut. "Bei den alten Schiffen hat man immer Treppen überwinden müssen", sagt Grießer.

Vier Millionen Euro an Kosten

Angetrieben wird das Wasserfahrzeug von einem Elektromotor mit 300 PS und rund 320 Kilowatt – eine höhere Leistung als alle Boote am Königssee zusammen. Der Grund: Am Königssee tuckern die Boote mit zehn bis elf Kilometern pro Stunde über das Wasser, am Tegernsee sind es 16 bis 17, und angelegt werde deutlich öfter.

Billig ist der Fortschritt nicht. Rund vier Millionen Euro hat die neue EMS Gmund gekostet. "Ähnlich wie beim Auto spielt der Preis für den Elektroantrieb eine große Rolle. Er ist deutlich teurer", sagt Grießer. "Doch der Übergang auf alternative Energieträger ist wesentlich für die Zukunft." Wasserstoff sei noch nicht rentabel.

Elektrobetrieb am Königssee bereits seit 1909

Neu ist der lautlose Antrieb in Bayern nicht. Am Königssee gleiten die Boote schon seit 1909 elektrisch über das Wasser. Den Strom lieferte damals ein Bleiakku, weshalb das erste Boot schlicht "Accumulator" hieß.

Prinzregent Luitpold von Bayern ging es damals Erzählungen zufolge um die Ruhe bei der Jagd, die knatternde Motoren gestört hätten. Am Starnberger See fährt seit 2021 die EMS Berg, das größte Elektroschiff auf einem deutschen Binnensee. Nun folgt der Tegernsee.

Getauft wird die neue EMS Gmund voraussichtlich Anfang September. Wer dabei sein möchte und mit der BRB aus München anreist, erhält gegen Vorlage des Guten-Tag-Tickets oder einer gültigen MVV-Fahrkarte fünf Prozent Rabatt auf den regulären Erwachsenentarif.

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