"Mein Kind ist tot" - Prozess um Mord an 15-Jährigem

Ein Sommertag am See endet für einen 15-Jährigen in Mittelfranken tödlich: Eine 19-Jährige soll den Jugendlichen bei einem Streit an einer Bushaltestelle mit einem Taschenmesser erstochen haben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war es heimtückischer Mord. Vor dem Landgericht in Ansbach entschuldigte sich die Angeklagte nun bei der Mutter des Opfers, konnte sich an die Tat nach eigenen Angaben aber nicht erinnern.
Der Jugendliche habe keine Chance gehabt, sich gegen den tödlichen Messerstich zu wehren, sagte Staatsanwalt Christian Eberlein am ersten Prozesstag. Die Angeklagte habe das Taschenmesser verborgen gehalten und ihn damit überraschend angegriffen. "Aufgrund der Schwere der Verletzung war eine Rettung des Geschädigten von vorneherein unmöglich", sagte Eberlein. Der Junge starb noch am Tatort.
"Er kommt nie wieder"
Nach der Verlesung der Anklage wendete sich die 19-Jährige direkt an die Mutter des 15-Jährigen, die als Nebenklägerin in dem Prozess anwesend ist: "Es tut mir leid." Diese nahm die Entschuldigung jedoch nicht an. "Mein Kind ist tot. Er kommt nie wieder", erwiderte diese.
Die Angeklagte kam am Morgen mit einer Jacke um den Kopf gewickelt ins Gericht, um ihr Gesicht vor den Kameras zu verbergen. Stockend und unter Tränen schilderte sie später, was an jenem Abend im vergangenen Juni aus ihrer Sicht passiert war. An viele Details - auch die Tat selbst - konnte sie sich demnach nicht erinnern. Die Vorsitzende Richterin Elke Beyer zweifelte jedoch an dieser Darstellung.
Der Anklage zufolge hatte die junge Frau mit Freunden den Tag am Brombachsee verbracht. Als sie am Abend an einer Haltestelle auf den Bus nach Hause wartete, geriet sie mit einem ihr unbekannten Jugendlichen an der Bushaltestelle auf der anderen Straßenseite in Streit.
Beide beleidigten sich demnach gegenseitig - dabei soll die 19-Jährige den Jungen auch rassistisch beschimpft haben. Der Junge hatte die deutsche und die brasilianische Staatsangehörigkeit. Aus Sicht der Ermittler war Rassismus dennoch nicht das Motiv für die Tat.
Schließlich sei die junge Frau mit ihrem Bruder über die Straße gegangen, in ihrer Hand verborgen das Taschenmesser, sagte Eberlein. Der Jugendliche habe zuerst den Bruder der Angeklagten geschlagen. Dann habe diese dem Opfer wuchtig mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm das Messer in den Hals gerammt.
Wieso der Streit dermaßen eskalierte, wieso sie das Taschenmesser dabei hatte - all das konnte die Angeklagte in der Verhandlung nicht erklären. Der Staatsanwaltschaft zufolge war sie am Tatabend wegen eines Streits mit ihrer Mutter bereits aggressiv gestimmt. Vor Gericht sagte die Angeklagte, diese habe sie angerufen, während sie an der Bushaltestelle gestanden habe - und es habe Ärger gegeben.
Eine Blutprobe in der Nacht nach der Tat ergab laut der Anklage, dass die junge Frau so gut wie keine Promille im Blut hatte. Eine Haaranalyse zeigte Rückstände von Drogen wie Cannabis und Psychopharmaka. Dennoch war die Angeklagte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zur Tatzeit voll schuldfähig.