TSV 1860: E-Mail-Affäre bei der ARGE - Schnell bekennt sich schuldig

Der ehemalige ARGE-Vorsitzende Gerhard Schnell hat zugegeben, unter falschem Namen "Protestschreiben" verfasst und abgeschickt zu haben.
von  Matthias Eicher
Gerhard Schnell hat zugegeben, die E-Mails unter falschen Namen verfasst und verschickt zu haben.
Gerhard Schnell hat zugegeben, die E-Mails unter falschen Namen verfasst und verschickt zu haben. © Rauchensteiner/Augenklick

München - Lange herrschte Einigkeit, ja fast Harmonie auf Giesings Höhen. Für Sechzger-Verhältnisse fast zu lange. Die Gründe: Das private wie berufliche Wirken von Trainer Michael Köllner, der den Löwen Erfolg einimpft sowie die konstruktive Kommunikation der Bosse um die Geschäftsführer Günther Gorenzel und Marc-Nicolai Pfeifer, die einen Burgfrieden der Gesellschafter erreichten.

Jetzt erhitzt die Posse um den Rücktritt von "ARGE"-Boss Gerhard Schnell die Gemüter. Sechzigs Fanklubdachverband , die "ARGE", sah sich zuletzt massiven Anfeindungen ausgesetzt. Ex-Vorstand Schnell soll laut "Wochenanzeiger" unter falschem Namen "geharnischte Protestschreiben" in Form von E-Mails verfasst haben, unter anderem an die 1860-Geschäftsführung. Bisher haben alle Beteiligten geschwiegen.

Schnell gibt zu, die Mails geschrieben zu haben

Am Freitag hat der kritisierte Ex-ARGE-Vorsitzende Schnell zu den Vorwürfen Stellung genommen. In einem Schreiben, welches auf der Internetseite der ARGE zu lesen ist, bekennt sich Schnell schuldig, die E-Mails unter falschen Namen geschrieben und verschickt zu haben.

In der Erklärung ist zu lesen:

Lieber Richard, lieber Franz, liebe Vorstandsmitglieder,

aus dem Krankenstand heraus möchte ich mich in eigener Sache wie folgt erklären:

Es ist zutreffend, dass ich in der Vergangenheit aus der Anonymität heraus unter verschiedenen Pseudonymen Emails mit kritischen Inhalten an verschiedene Gremien bzw. Personen des TSV München von 1860 versandt habe.

Rückblickend war dies ein Fehler von mir gewesen, der mir leid tut und für den ich mich bei Euch und insbesondere bei allen betroffenen Personen sowie der KGaA des TSV München von 1860 ausdrücklich entschuldigen möchte.

Ich übernehme hierfür die Verantwortung. Nicht zuletzt deshalb habe ich vor einigen Wochen mein Amt als erster Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Fanclubs des TSV München niedergelegt.

Damit hoffe ich auch, für Euch den Weg für eine vertrauensvolle und konstruktive sowie erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung der KGaA des TSV 1860 München im Sinne der ganzen Löwenfamilie frei gemacht zu haben.

Bleibt‘s alle gesund!

Mit Löwengruß

Gerhard Schnell

Fan-Lager der Löwen weiterhin gespalten

In einer Stellungnahme kündigte die ARGE zunächst an, sich mit der "lückenlosen Aufklärung aller gegen die ARGE vorgetragenen Vorwürfe" befassen zu wollen.  Dies sei "nicht zuletzt auch zum Eigenschutz dringend erforderlich".

Mit dem Geständnis von Schnell, die E-Mails verfasst und verschickt zu haben, dürfte sich wenigstens diese eine Angelegenheit schon mal aufgeklärt haben.

Zum Hintergrund: Das Fan-Lager der Sechzger ist trotz einer gewissen Annäherung nach wie vor gespalten, wobei sich hauptsächlich an Investor Hasan Ismaik die Geister scheiden. Der ARGE-Führung wurde immer wieder vorgeworfen, sich - entgegen ihrer Satzung - in die Vereinspolitik einzumischen: Zugunsten Ismaiks. Der AZ liegen E-Mails vor, die diesen Eindruck untermauern, wobei unklar ist, ob diese tatsächlich auf Schnell zurückzuführen sind. Im ARGE-Lager wittert man den Versuch, den Dachverband zu diskreditieren.

"Nicht ständig versuchen, die andere Seite oder irgendjemanden zu diffamieren"

Die Organisation "Pro1860", auf der Seite des e.V. der Sechzger die dominierende Kraft im Hintergrund, wird hier immer wieder genannt. Nach AZ-Informationen formiert sich auch der Widerstand gegen die verbleibende ARGE-Führung, die aber zum größten Teil bei der nächsten Mitgliederversammlung nicht mehr zur Wahl steht.

Coach Köllner hat eine klare Meinung zu all dem: "Wenn wir uns als Verein weiterentwickeln möchten, müssen wir uns an dem Thema orientieren, dass wir einen gemeinsamen Weg gehen müssen - nicht ständig versuchen, die andere Seite oder irgendjemanden zu diffamieren", meinte er kürzlich. Was den Ärger rund um die ARGE anbelangt, wird viel von der Aufklärungsarbeit abhängen - und der Bereitschaft zweier Lager, über ihre Schatten zu springen.