So plant Michael Köllner das Trainingslager des TSV 1860

Michael Köllner, Trainer des TSV 1860, will sich im Trainingslager "rund um die Uhr" mit dem Team beschäftigen – inklusive Abendkurse und Gruppenarbeit.
von  Matthias Eicher
Auch "Impulse außerhalb des Fußballs" will der gläubige Christ Köllner einbringen.
Auch "Impulse außerhalb des Fußballs" will der gläubige Christ Köllner einbringen. © sampics/Augenklick

München - Schweißtropfen auf der Stirn. Schnurlose Airpods-Kopfhörer in den Ohren. Grinsen im Gesicht. So lief Michael Köllner, eingehüllt in seinen Löwen-Trainingsanzug, von den Isarauen zurück an die Grünwalder Straße. Joggen für den eigenen Körper und Geist, bevor er am Nachmittag auf den Rasen bat – und sich seinen Sechzgern demnächst sieben Tage am Stück widmet.

Köllner ist in vielerlei Hinsicht ein bisserl anders unterwegs als seine Vorgänger. Im anstehenden siebentägigen Trainingslager werden die Spieler auf verschiedenen Ebenen zu spüren bekommen, dass der 50-Jährige anders tickt. "Das wird eine intensive Woche, weil wir uns rund um die Uhr mit der Mannschaft beschäftigen können", sagt Köllner.

Abflug? Sonntagabend Richtung Alicante, von dort wird der TSV-Tross mit dem Bus weiterreisen und erst weit nach Mitternacht in die Betten des La Manga Club Resort fallen. Zwischen 13. und 19. Januar heißt es: Dauer-Input. Die AZ zeigt, was im Köllner-Lager geplant ist – und was nicht.

Keine Testspiele

Der geplante Test-Kick beim FC Wacker Innsbruck fällt wegen widriger Witterungsbedingungen flach, wie 1860 am Freitag erklärte. Köllner hatte zudem weder im, noch nach dem Spanien-Trip weitere Duelle in der Vorbereitung auf den Ernstfall gegen Eintracht Braunschweig im Grünwalder Stadion (26. Januar, 14 Uhr) vorgesehen.

"Es soll ja ein Trainingslager sein, keine Spielelager", erklärt Köllner: "Das reicht mir völlig." Der Chefcoach verweist auf Spielmacher Efkan Bekiroglu, der nach seinem Muskelfaserriss direkt wieder starke Leistungen abgerufen hatte: "Bei ihm war es auch so, dass er über das Training wieder fit für die Spiele geworden ist." An der "Costa Calida" (zu deutsch: heiße Küste) heißt es also: Nur Löwen gegen Löwen.

Keine Neuzugänge

Kurskorrekturen seien auf dem Weg zum Saisonziel einer sorgenfreien Spielzeit nicht notwendig, erklärten Köllner und Sportchef Günther Gorenzel am Donnerstag unisono. "Vorgriffe" für 2021/22 könne es dagegen eventuell geben.

Nach AZ-Informationen ist aber nicht geplant, Neulöwen einfliegen zu lassen. Man habe volles Vertrauen in den Kader. Der ist bestückt mit wichtigen Leistungsträgern, hat eine funktionierende Hierarchie und Akteure, die den Ausfall von Stefan Lex oder Tim Rieder auffangen konnten.

Gruppenarbeit und Abendkurse

Tagsüber werde man viele Übungen in Gruppenarbeit bewältigen, so Köllner: "Das ist für die Trainer anstrengend, weil wir doppelt so lange auf dem Rasen stehen müssen." Den Spielern aber könne man die erhofften Lerneffekte, gerade bei Taktikübungen, besser näherbringen.

Dabei gelte es, "Grüppchenbildung zu vermeiden", weshalb die Spieler regelmäßig durchgetauscht werden. Zudem werde es "viele Abendsitzungen" geben, man werde "viel mit Videos arbeiten." Und: "Die Spieler werden den ein oder anderen Impuls außerhalb des Fußballs von mir kriegen."

Teamspirit und Werte: "Ich habe eine andere Herangehensweise, was den Teamgeist anbelangt", erklärt Köllner: "Ich erwarte viel Eigeninitiative von meinen Spielern, sie müssen gewisse Werte leben." Selbst gläubiger Christ, sind ihm Nächstenliebe und gute Taten wichtig. In Nürnberg hatte er einen Geistlichen eingeladen. In La Manga dürfte er hauptsächlich selbst versuchen, seine Löwen zu beseelen. Die Youngster Maxim Gresler (16) und Ahanna Akbowo (18) sollen ebenfalls mit – und anschließend als Köllner-Missionare in die U19 und U17 weitertragen, wie es unter dem neuen Dompteur läuft.

Lesen Sie hier: TSV 1860 - Das ist Löwen-Youngster Ahanna Francis Agbowo