1860 zwischen Blamage und Brustlöser: Die zwei Löwen-Gesichter in Buchbach

Der TSV 1860 liegt beim TSV Buchbach zwei Mal zurück, zieht den Kopf aber aus der Schlinge.
von  Matthias Eicher
"Geht doch, Männer!" Angetrieben von Aggressiv-Löwe Mölders (2.v.l.) trifft Dennis Dressel (M.) in Buchbach zum späten 3:2-Sieg.
"Geht doch, Männer!" Angetrieben von Aggressiv-Löwe Mölders (2.v.l.) trifft Dennis Dressel (M.) in Buchbach zum späten 3:2-Sieg. © sampics/Augenklick

Löwen, was war das denn? 3:2 hieß es am Ende eines packenden Pokalfights des TSV 1860 im Viertelfinale des bayerischen Landescups bei Regionalligist TSV Buchbach - ein Ergebnis, das nach dem ersten Durchgang kaum vorstellbar schien. Die AZ zeigt die zwei Gesichter der Blauen.

Drohende Buchbach-Blamage

"Teilweise sind wir hergespielt worden", stellte der Ex-Buchbacher und 1860-Kapitän Stefan Lex hinterher frustriert fest.

Die 1:0-Pausenführung des kleinen Dorfklubs durch Christian Bruchia (42.) gegen fahrige und nervöse Sechzger war mehr als verdient. Aleksandro Petrovic hätte das Leid der Löwen um ein Haar noch erhöht (45.). "Buchbach ist selbstbewusst aufgetreten, wir haben uns schwergetan", gestand auch Cheftrainer Michael Köllner, der anfangs das 3-1-4-2-System aus der Saison-Vorbereitung spielen ließ und schnell nach einer halben Stunde wieder über den Haufen warf. Die Giesinger auf dem besten Weg zur Blamage.

Brustlöser Mölders

Ein Schachzug von Köllner sollte sich hinterher als goldrichtig herausstellen: die Hereinnahme von Torjäger Sascha Mölders zur Pause. Der 36-jährige, selbsterklärter Fan von Bier, Bratwurst und Schweiß, passte wie die Faust aufs Auge in den engen - ja, beengenden - Buchbacher Hexenkessel im Miniaturformat. Wo anderen Sechzger ihr Selbstvertrauen davonrieselte, bestärkte Mölders immer wieder, animierte die Fans hinter dem Tor gleich mehrfach mit seinem unnachahmlichen Armrudern. Sichtlich ging ein Ruck durch die Reihen der Sechzger.

Brustlöser Lex

Von 2009 bis 2013 kickte Lex in Buchbach, ohnehin nicht weit von seinem Gäu in Erding. Nach der Pause hatte der 31-Jährige fast bei jeder entscheidenden Aktion seine Füße im Spiel. Der Reihe nach: Zuerst lieferte Lex die Flanke vor Tim Linsbichlers Ausgleich (57.). Dann verursachte Lex im eigenen Strafraum einen fragwürdigen Elfmeter (2:1 durch Samed Bahar, 60.), bevor er im gegnerischen 16er gefoult zu Boden ging - die Pfeife von Schiedsrichter Wolfgang Haslberger aus dem benachbarten St. Wolfgang blieb aber stumm. "Ich spiele so lange Fußball, aber an solche zwei Fehlentscheidungen innerhalb von zwei Minuten kann ich mich nicht erinnern." Und doch irgendwie gut für 1860, denn mit Wut und Mut köpfte Lex das 2:2 (73.).

Trainer Köllner (r.) herzt den Ex-Buchbacher Lex.
Trainer Köllner (r.) herzt den Ex-Buchbacher Lex. © sampics/Augenklick

Brustlöser Dressel

Im vergangenen Sommer war der Ur-Löwe mit dem Kopf schon bei Zweitligist Darmstadt 98. Lange hat es gedauert, bis Dressel wieder in die Spur kam. In Buchbach packte er in der 89. Minute einen Schuss aus, der wie ein Strahl einschlug im Buchbacher Gehäuse. Köllners Lob in einem Wort: "Fulminant!"

Brustlöser Löwen-Kämpfer

Neben den einzelnen Protagonisten hat Köllner auch das Aufbäumen seiner Mannschaft imponiert. "Die Entscheidungen des Schiedsrichters und die zwei Rückstände - Hut ab, dass wir immer wieder zurückgekommen sind." Auch die Platzverhältnisse und das Flutlicht, bei dem hohe Bälle mal kurz in der Dunkelheit verschwinden, seien "nicht so toll" gewesen.

Dennoch hat 1860 gegen alle Widerstände und die schier unvermeidliche Pokal-Pleite aufbegehrt: "Wir sind nicht gerade in einer Hochphase, aber gerade dann sind solche Spiele wichtig", sagte Köllner.

Bleibt nur abzuwarten, ob die Sechzger am Samstag gegen Mannheim auch den Drittliga-Bock umstoßen...