Start ins WM-Jahr: Bundestrainer Joachim Löw zieht bei DFB-Elf die Zügel an

Aus 40 mach 23: Joachim Löw kündigt zum Auftakt des WM-Jahres "den härtesten Konkurrenzkampf, den wir je erlebt haben" an - und droht seinen Weltmeistern.  
von  sid
Joachim Löw begann 2004 als Co-Trainer und ist seit 2006 Chefcoach.
Joachim Löw begann 2004 als Co-Trainer und ist seit 2006 Chefcoach. © dpa

Aus 40 mach 23: Joachim Löw kündigt zum Auftakt des WM-Jahres "den härtesten Konkurrenzkampf, den wir je erlebt haben" an - und droht seinen Weltmeistern.

Stuttgart - Joachim Löw kam mit einem Lächeln in seine alte Heimat nach Stuttgart, sein Urlaub nach dem Confed-Cup-Triumph sei "ruhig und entspannt" gewesen, ließ er wissen.

Und doch hatte der Bundestrainer zum Auftakt ins WM-Jahr eine unverhohlene Drohung im Gepäck. Die klare Ansage, auch und gerade an seine Weltmeister: Wer bei der Mission Titelverteidigung schwächelt, ist raus!

"Potenzial oder Talent oder bislang gezeigte Leistungen sind kein Freifahrtschein", sagte Löw am Dienstag vor dem Teamhotel Le Méridien, wo sich die Weltmeister auf die WM-Qualifikationsspiele am Freitag in Prag gegen Tschechien und Montag in Stuttgart gegen Norwegen (jeweils 20:45 Uhr/RTL) einstimmen.

Im Kampf um die WM-Kaderplätze erwarte er "den härtesten Konkurrenzkampf, den wir je erlebt haben", betonte Löw. Er sichte derzeit "35 bis 40 Spieler", sagte er den Stuttgarter Zeitungen - für nur 23 Tickets nach Russland 2018. "Daher wissen auch die etablierten Spieler: Sie müssen immer an ihrem Leistungslimit spielen, um in der Mannschaft zu bleiben."

Löw geht's um "die mentale Einstellung"

Ein deutlicher Hinweis für zuletzt schwächelnde Stars wie Jerome Boateng, Mesut Özil oder Thomas Müller. "Zumindest seit ich dabei bin, war die Auswahl noch nie so groß", sagte Löw, der 2004 als Co-Trainer dazu stieß und seit 2006 Chef ist.

Entsprechend deutlich war seine Ansprache an den 24 Spieler umfassenden Kader, dem Kapitän Manuel Neuer und Abwehrchef Boateng nach Verletzungen noch nicht angehören.

Der Konkurrenzkampf sei für ihn die "Headline" für die knapp zehn Monate bis zur WM, sagte Löw am Rande des Stuttgarter Schlossgartens: "Worum es mir jetzt vor allem geht, ist die mentale Einstellung."

Das Thema WM müsse schon jetzt in den Mittelpunkt der Spielergedanken rücken. Neben seinen erfahrenen Akteuren, "die nach wie vor gewaltige Qualitäten haben", drängten aus der U21 und dem Confed-Cup-Kader nach - "viele junge, hungrige Spieler, die unbedingt noch einen ganz großen Titel gewinnen wollen".

"Absolute Weltklasse" das Ziel

Diese seien jedoch "noch nicht auf dem Weltklasseniveau, das man braucht, um den WM-Titel zu holen", betonte Löw erneut: "Sie gehören noch nicht in die Kategorie Kroos, Messi, Ronaldo, Neymar. Das aber muss die Messlatte sein: die absolute Weltklasse!"

Löw sieht es als seine Aufgabe, den einen oder anderen dieser Spieler bis zur WM (14. Juni bis 15. Juli) zumindest in die Nähe dieser Kategorie zu bringen, appellierte aber auch an "die grundsätzliche persönliche Einstellung" jedes Einzelnen: "Wie lebe ich? Wie professionell bin ich in meinem Tagesablauf? Tue ich alles dafür, um mich ständig zu verbessern? Darüber müssen sich die Spieler an jedem Tag im Klaren sein. Jeder braucht einen klaren Plan, den er abarbeiten muss."

Stufe eins seines Plans sieht die WM-Qualifikation vor - der letzte Schritt nach Russland ist der erste auf dem Weg zur Titelverteidigung. Am Montagabend kann er vorzeitig gelingen, sofern "Verfolger" Nordirland Punkte lässt.

Zugleich geht es für Löw darum, den Kreis der Kandidaten einzuengen sowie die Systemfrage zu erörtern. Er habe das "Gefühl, dass die Mannschaft noch immer nicht an ihrem Limit ist", sagte Löw: "Das ist jetzt die große Herausforderung und der Reiz: den WM-Titel zu bestätigen, die Emotionen dieses Triumphs noch einmal zu haben. Wir können Historisches schaffen: Weltmeister, Confed-Cup-Sieger und noch einmal Weltmeister - das hat es noch nie gegeben." Auf geht's!

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