Nach 1:0: Löw hat noch richtig viel zu tun

Deutschland spielt im letzten Test vor der WM–Nominierung nur 1:0 gegen Chile – die Zuschauer im Stadion sind enttäuscht und pfeifen. Für Bundestrainer Joachim Löw bleibt viel Arbeit. Worauf es nun ankommt.
von  tbc, ps
Während des Spiels wurde Joachim Löw immer ungehaltener.
Während des Spiels wurde Joachim Löw immer ungehaltener. © firo / dpa / az

Stuttgart - Die Erkenntnis dieses sehr glücklichen 1:0-Sieges gegen Chile im Land der Häuslebauer: Es gibt immer was zu tun – für den Südbadener Joachim Löw gibt es sogar noch richtig viel zu tun bis zur WM in Brasilien. Copaca-Panik? Irgendwie schon.

Fangen wir mit den Äußerlichkeiten an: Schön sah das ja wirklich nicht aus, was Deutschlands Elite-Kicker da in die Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena trugen. Erstmals in der nicht eben kurzen Historie des Deutschen Fußballbundes lief die Nationalelf in schwer gewöhnungsbedürftigen Trikots mit schwarz-roten Blockstreifen auf der Brust auf: Auswärtstrikots, und das bei einem Heimspiel. Dabei war Fasching respektive Karneval längst vorbei. Gegner Chile kam dagegen fast wie Real Madrid daher: ganz in weiß, aber mit blauen Stutzen. Und auch das Selbstbewusstsein der stolzen Spanier brachte der Weltranglisten-14. mit, der in der Vorrunden-Gruppe der WM auf Titelverteidiger Spanien, Vize-Weltmeister Niederlande sowie Australien trifft.

Gegen die neuformierte DFB-Elf (Kapitän Philipp Lahm im Mittelfeld, Kevin Großkreutz bei seinem DFB-Comeback nach drei Jahren hinten rechts. Marcell Jansen statt Marcel Schmelzer auf der linken Abwehrseite; die Neulinge Shkodran Mustafi, André Hahn und Matthias Ginter saßen zunächst auf der Bank) gehörte den frech-forschen Gästen ganz klar die erste Viertelstunde.

Der ehemalige Leverkusener Arturo Vidal, längst eine feste Größe beim künftigen italienischen Meister Juventus Turin, köpfelte nach einem Eckball derart gefährlich aufs Tor, dass Lahm (9.) auf der Linie klären musste. Mehmet Scholl, der Fußballexperte der ARD, sagte: „Das ist genau der Gegner, der uns jetzt richtig fordert. Jeder Fehler führt da direkt zur Torchance.“

Auch in den folgenden Minuten sah es eher nach einem Auswärtsspiel für die Truppe von Bundestrainer Joachim Löw aus – insofern waren die merkwürdig rot-schwarzen Trikots vielleicht gar nicht so schlecht gewählt. Doch nach einer Viertelstunde wendete sich das Blatt: Gleich die erste gelungene Offensiv-Aktion des DFB-Teams schloss schließlich Mario Götze auf Vorlage von Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil aus acht Metern zum 1:0 ab – und stellte in der 16. Minute damit den Spielverlauf komplett auf den Kopf.

Wenige Minuten später musste sich Außenverteidiger Jansen nach einem herzhaften chilenischen Tritt auf den Knöchel verabschieden – Namensvetter Schmelzer kam für den Hamburger in Minute 24 ins Spiel. Wenig später vergab erneut der freistehende Vidal (26.) die Chance zum Ausgleich kläglich. Kurz vor der Pause zielte der Chilene Charles Aranguiz noch einmal knapp daneben (44.), und auch nach der Halbzeitpause gaben die Gäste nicht das Heft aus der Hand. Doch der längst verdiente Ausgleichstreffer fiel auch in der 61. Minute nicht, als der Tattoo-Freund Eduardo Vargas den künftigen WM-Spielball namens Brazuca mit Vehemenz gegen die Querlatte ballerte.

Da war längst André Schürrle für den enttäuschenden Miroslav Klose im Spiel, was die deutsche Offensive jedoch auch nicht nach vorne brachte, ebenso wenig wie die späte Einwechslung von Lukas Podolski (82.) für Götze. Viel zu viel hatte die Defensivabteilung gegen die technisch starken und flott kombinierenden Chilenen zu tun – ein Vorgeschmack auf die WM? Hoffentlich nicht.