Löw und die DFB-Elf: Nachsitzen!

Bitterer Ernst statt Freundschaftskick: Nach der unnötigen Pleite gegen Irland muss die Löw-Elf gegen Georgien zum Qualifikations-Finale ran. „Wir haben teilweise zu pomadig agiert“, kritisiert der Trainer  
von  Patrick Strasser

Bitterer Ernst statt Freundschaftskick: Nach der unnötigen Pleite gegen Irland muss die Löw-Elf gegen Georgien zum Qualifikations-Finale ran. „Wir haben teilweise zu pomadig agiert“, kritisiert der Trainer

Dublin - Ein langer Ball und ein ganz langes Gesicht. Die Enttäuschung und der Frust der Nationalelf nach dem 0:1 in Dublin hatte gar nicht mal wirklich etwas mit der Pleite gegen die Iren zu tun. Es ging um den Sonntag in Leipzig. Denn plötzlich war aus dem erhofften Freundschaftsspiel gegen die Georgier eine echte, weil ernsthafte Qualifikationspartie geworden. Herausforderung statt Ehrenrunde.

Der „Irish Mirror“ hatte es auf den Punkt getroffen: „Why the long face?“ („Warum dieses lange Gesicht?“) stand neben einem Foto des bedröppelt dreinblickenden Joachim Löw. „Irland spielt 100 lange Bälle. 99 Mal haben wir alles richtig gemacht. Einmal nicht“, meinte der Bundestrainer angesäuert. Was die Gastgeber als Kritik an ihrem Spielstil verstanden. „Wir haben in zwei Duellen gegen den Weltmeister nicht verloren“, bemerkte Irland-Coach Martin O’Neill, „von daher hätten wir es im Grunde schon verdient, den EM-Titel zugesprochen zu bekommen.“ Feiner irischer Humor. Mit dem Unterton: Ihr wart auch schon mal bessere Verlierer, ihr Germans. Was auch wenig gut ankam auf der Grünen Insel war der Rundum-Vorwurf von Thomas Müller: „Zeitspiel und Schauspielerei von den Iren und ein paar unglückliche Entscheidungen des Schiedsrichters.“ Gerade die Bayern sind aus der Übung – im Umgang mit Niederlagen.

Die deutsche Elf hat nun eine unliebsame Pflichtaufgabe vor sich, muss nachsitzen in Leipzig gegen Georgien (20.45 Uhr, RTL live). Unverhofft – kommt doof. Ein Punkt reicht. Was kein Problem gegen den 110. der Fifa-Weltrangliste sein sollte, sein darf. „Aaabsolut“, um es in Jogi-Sprech zu sagen. In all den Qualifikationsrunden zu den Turnieren 2008 bis 2014 hatte Löws Truppe den Platz für die Endrunden vorzeitig gelöst, nie musste bis zum letzten Spiel gezittert werden. Diesmal setzte es sogar zwei Niederlagen, vor einem Jahr verlor man 0:2 in Polen. Dabei hatten viele Experten diese neue Qualifikation zur Endrunde mit einem auf 24 Teilnehmer aufgestockten EM-Starterfeld als ach so simpel abgetan.

„Eine unerwartete und völlig unnötige Niederlage“, ärgerte sich Löw und benannte Ursachen für den Betriebsunfall. Erstens die mangelnde Chancenverwertung, die der Bundestrainer zuletzt auch nach Erfolgen bemängelt hatte: „Aus unserer Feldüberlegenheit haben wir nichts gemacht. Der letzte Pass kommt im Strafraum nicht an, das müssen wir verbessern.“ Zweitens die fehlende Konzentration vor dem 0:1 durch Long: „Wir machen einen einzigen Fehler, der zum Tor führt. Wir haben teilweise zu pomadig agiert, was mir nicht gefallen hat.“ Diesen Patzer nannte Bayerns Innenverteidiger Jérôme Boateng einen „Anfängerfehler“ und beschrieb ihn so: „Ein langer Ball vom Torwart, der lange in der Luft ist. Dass dann ein Stürmer allein auf unseren Torwart zugeht, darf so nicht passieren. Jeder weiß selber, was wir da falsch gemacht haben.“ War da etwa Nebenmann Mats Hummels von Borussia Dortmund gemeint, zuletzt als selbst ernannter „Motzki“ im Gespräch und in der Kritik? Nein, nicht namentlich. Tatsächlich aber sah Hummels sehr unglücklich aus und gestand, es sei „ganz klar ein Fehler“.

Ist man dagegen am Sonntag immun? Man muss nachsitzen, noch mal Kopf und Körper hochfahren – dabei hätte man gerne Stammkräfte der viel belasteten Champions-League-Spieler schonen wollen. Doch auch ohne die verletzten Mario Götze (schwere Adduktorenverletzung) und Bastian Schweinsteiger (leichte Adduktorenverletzung) muss die Vorgabe klar sein. Hummels’ Plan: „Wir wollen am Sonntag von der ersten Minute an klarstellen, dass wir nicht noch mal ins Wanken geraten, sondern ähnlich dominant auftreten plus dazu die Tore machen.“