Kolumne

EM-Kolumne von Marie Lang: Gesten und Signale

Kickbox-Queen Marie Lang ist ein Teil des Kolumnisten-Sixpacks der AZ. Heute schreibt sie über das EM-Aus der deutschen Nationalmannschaft.
von  Marie Lang
AZ-Kolumnistin während der Fußball-Europameisterschaft 2021: Kickboxerin Marie Lang.
AZ-Kolumnistin während der Fußball-Europameisterschaft 2021: Kickboxerin Marie Lang. © Sven Hoppe/dpa, Martina Bogdahn/ho

Ich war immer ein Fan von Joachim Löw, aber ich denke, dass es jetzt wirklich an der Zeit ist, dass wir einen echten Neuanfang wagen. Man hat an dieser EM - und eigentlich schon davor - gesehen, dass wir nicht mehr das haben, was uns starkgemacht hat. Wenn man sich nur die Ergebnisse anschaut: Ein 0:6 gegen Spanien, ein 1:2 gegen Nordmazedonien, ein 2:2 gegen Ungarn – das sind nicht nur Ausrutscher, das ist eben schon ein Trend.

Das Wir-Gefühl bei der DFB-Elf ist weg

Wir hatten fast nie die allerbesten Einzelspieler, wir hatten keinen Lionel Messi, keinen Cristiano Ronaldo, aber wir hatten einfach eine geile Mannschaft, die von Charakter und Herzblut getragen wurde. Das Wir-Gefühl war so stark, dass die anderen Teams, die eben von ihren wenigen Ausnahmekönnern lebten, an dem deutschen Kollektiv zerbrochen sind. Das haben wir nicht mehr, das haben nun die Italiener. Die Leidenschaft, das Musketier-Denken merkt man dort in fast jeder Szene.

Davon war jetzt bei uns nichts mehr zu spüren. Es war keiner da, der die anderen richtig mitgerissen hat. Mit seiner Leistung, seiner Persönlichkeit. Vielleicht war es im Rückblick doch falsch, Mats Hummels und Thomas Müller so spät vor einem Turnier zurückzuholen. Beide können dem Team mit ihrer Erfahrung, ihrem Charakter Kraft und Stabilität verleihen, aber wenn man zwei solchen Alphatiere und Haudegen so kurzfristig in Amt und Würden zurückbeordert, sagt man auch den anderen, dass man ihnen nicht zutraut, das sie es allein hinkriegen.

Eine Mannschaft ist ein sensibles Gebilde, da können solch Gesten und Signale viel ausmachen, da zieht sich manch einer ins Schneckenhaus zurück. Nach dem Motto, wenn man es mit nicht zutraut, wird es wohl so sein. Ich freue mich auf die Ära Hansi Flick – ich denke, dass er einen speziellen Draht zu den Spielern hat. Das brauchen wir, damit "die Mannschaft" wieder zu der Mannschaft wird, die sie so lange war.