Oliver Kahn: Darum hat der FC Bayern gegen Liverpool eine Chance

Im AZ-Interview spricht Oliver Kahn über das Duell mit dem FC Liverpool – und sagt: „Der FC Bayern muss die richtige Balance finden zwischen Vorsicht und Angriffslust.“ Manuel Neuer sieht er vor "Reds"-Keeper Alisson Becker.
von  Patrick Strasser
Das zurückliegende Formtief des FC Bayern in der Bundesliga begründet Ex-Spieler Oliver Kahn unter anderem auch mit dem schlechten Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2018.
Das zurückliegende Formtief des FC Bayern in der Bundesliga begründet Ex-Spieler Oliver Kahn unter anderem auch mit dem schlechten Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2018. © Andreas Gebert/dpa

Im AZ-Interview spricht Oliver Kahn über das Duell mit dem FC Liverpool – und sagt: "Der FC Bayern muss die richtige Balance finden zwischen Vorsicht und Angriffslust." Manuel Neuer sieht er vor "Reds"-Keeper Alisson Becker.

München - Oliver Kahn ist eine der größten Vereinslegenden des FC Bayern: Zwischen 1994 und 2008 lief er für den deutschen Rekordmeister auf, wurde 2001 Champions-League-Sieger und gewann unter anderem acht Meistertitel. Die AZ hat knapp eine Woche vor dem Rückspiel gegen den FC Liverpool mit dem ehemaligen Nationalkeeper gesprochen.

AZ: Herr Kahn, Ende Dezember haben Sie gesagt, dass Liverpool-Keeper Alisson Becker Bayern-Torwart Manuel Neuer den Rang abgelaufen habe. Damals sagten Sie, dass der Brasilianer Alisson bei der WM in Russland gezeigt habe, dass er ein Weltklassetorwart sei. Wie sehen Sie als ehemaliger Torhüter das Ranking der beiden heute?
Oliver Kahn: Für mich ist Manuel aktuell der etwas stärkere der beiden Torhüter. Letztes Jahr hatte er mit seiner Verletzung und dem zu frühen Ausscheiden der Nationalelf bei der WM in Russland zu kämpfen. Das hat ihn etwas aus dem Konzept gebracht. Seit der Rückrunde zeigt er wieder seine Klasse. Liverpool hat mit Alisson nun einen stabilen, verlässlichen Torhüter, sein Vorgänger Loris Karius war fehleranfälliger.

Oliver Kahn: Bayern wird zu Hause das Spiel machen müssen

In knapp einer Woche sehen sich die beiden im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Bayern und Liverpool in München wieder. Nach dem 0:0 im Hinspiel könnte das Torhüter-Duell, vielleicht sogar in einem Elfmeterschießen, entscheiden, wer in die nächste Runde einzieht.
Ich denke, dass etwas anderes ausschlaggebend sein wird. Die Bayern werden anders als in England spielen, werden zu Hause mehr das Spiel machen müssen. Die Frage wird sein: Wie stellen sich die Bayern auf das typische Umschaltspiel von Liverpools Trainer Jürgen Klopp ein, wie bekommen sie die schnellen Stürmer in den Griff? Denn mit Salah, Mané und Firmino geht nach vorne richtig die Post ab, da wird in höchster Geschwindigkeit blitzartig umgeschaltet. Da müssen die Bayern die richtige Balance finden zwischen Vorsicht und Angriffslust.

War es richtig von Bayern-Trainer Niko Kovac, beim Hinspiel hinten dicht zu machen und damit das 0:0 zu erzwingen?
Liverpool hat mit die beste Offensive, die es in Europa gibt. Viele Teams wie am Wochenende Everton in der Premier League (Endstand 0:0, d.Red.) wollen erstmal das eigene Tor absichern und zu null spielen. Die Aufgabe auswärts in München kommt jedoch dem Spielsystem von Liverpool eher entgegen. Für die Bayern ist das Rückspiel nach dem 0:0 im Hinspiel extrem herausfordernd.

Oliver Kahn: Die Erfahrung spricht für den FC Bayern

Packen sie dennoch den Einzug ins Viertelfinale?
Ganz schwer zu sagen, ich wage da keine Prognose. Ein kleiner Vorteil für die Bayern ist, dass sie solche Duelle im Europapokal aus vielen Schlachten kennen. Die Mannschaft weiß, dass vom Ausgang des Liverpool-Spiels sehr viel abhängt – auch was das Titelrennen in der Meisterschaft betrifft. Ein Weiterkommen gegen einen Großen wie Liverpool gibt der Mannschaft noch mal einen ganz anderen Drive, einen riesigen Auftrieb.

Nach dem letzten Wochenende sind die Bayern wieder punktgleich mit dem BVB, haben seit Dezember neun Punkte Rückstand aufgeholt. Hat Bayern - wie Thomas Müller sagt - nun das bessere Momentum?
Nach dem für mich besten Saisonspiel in Gladbach sind sie wieder auf Kurs. Ich habe im Moment das Gefühl: Alles ist wieder möglich – und daran glauben jetzt auch alle. Wir wissen ja, wie gefräßig die Bayern sein können, was Titel anbelangt.

Also Vorteil FC Bayern? Rein psychologisch.
Es war und ist ja schon immer so, dass die Rückrunde entscheidend ist, dann kommen die großen, die wichtigen Spiele. Ich sage mal ketzerisch: Die Bayern machen es klug und richtig, in dem sie ihre Auszeit in der Hinrunde nehmen. In der Rückrunde zählt's, da entscheiden kleine, spezielle Momente über den Ausgang einer ganzen Saison.

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