Königstransfer des FC Bayern – Sané am Tiefpunkt verspricht: "Das wird sich ändern"

Was für ein gebrauchter Tag! Gegen Bayer Leverkusen wird Leroy Sané ein- und wieder ausgewechselt - ein Alptraum für einen Fußballer. Im Anschluss erhält der Angreifer Rückendeckung von seinen Kollegen und gibt sich kämpferisch.
von  Bernhard Lackner
Leroy Sané wurde gegen Bayer Leverkusen ein- und wieder ausgewechselt.
Leroy Sané wurde gegen Bayer Leverkusen ein- und wieder ausgewechselt. © firo/Augenklick

Leverkusen - Das Jahr 2020 endet für Leroy Sané mit einem schmerzhaften Rückschlag. Das Topspiel in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen musste sich der Königstransfer des FC Bayern zunächst erwartungsgemäß von der Bank aus anschauen. Nach der Verletzung von Kingsley Coman in der 32. Minute durfte sich der 24-Jährige beweisen - und lieferte eine mehr als unglückliche Vorstellung ab.

Sichtlich bemüht war er, das konnte man Sané nicht absprechen. Doch immer wieder leistete er sich völlig unnötige Ballverluste, traf bei Kontersituationen die falschen Entscheidungen und wirkte auch in der Rückwärtsbewegung nicht voll im Bilde. Kurzum: Eine schwache Leistung, AZ-Note 5.

Sané über Auswechslung: "Das kannte ich so nicht"

In der 68. Spielminute hatte der Angreifer schließlich Feierabend. Nach gerade einmal 36 Minuten auf dem Platz nahm Trainer Hansi Flick seinen Flügelspieler schon wieder runter, für ihn kam das 17-jährige Supertalent Jamal Musiala. Die Höchststrafe, wie es im Fußballer-Jargon heißt. Nach beiläufigem Abklatschen mit seinem Coach trottete Sané in die Katakomben, kurze Zeit später nahm er auf der Tribüne Platz. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Ein völlig gebrauchter Tag für den hoffnungsvollen Neuzugang, dem die Verletzungsmisere aus den vergangenen eineinhalb Jahren noch sichtlich nachhängt.

Sich selbst seiner ausbaufähigen Form bewusst, sagte Sané im Anschluss an die Partie gegenüber "Bild", dass ihn die schnelle Auswechslung dennoch überrascht hatte: "Das kannte ich so nicht. Aber auch das passiert einmal." Die Mannschaft habe ihn nach der Partie sofort aufgefangen, er spüre das volle Vertrauen. 

Leroy Sané verfolgte den Rest der Partie von der Tribüne aus.
Leroy Sané verfolgte den Rest der Partie von der Tribüne aus. © firo/Augenklick

Flick selbst begründete seine Entscheidung nach der Partie mit dem Mangel an Alternativen. "Wenn wir auswechseln, dann müssen wir es sinnvoll machen", meinte der Bayern-Coach. Neben Sané wären lediglich Antreiber Thomas Müller und Serge Gnabry, einer der Aktivposten in der zweiten Halbzeit, Kandidaten für eine Auswechslung gewesen. "Wir mussten so reagieren, weil es keine andere Möglichkeit gab", stellte Flick klar: "Da muss der einzelne zurückstecken, da zählt nur die Mannschaft. Das muss und wird er auch verkraften, da bekommt er die ganze Unterstützung von uns."

Müller stellt sich demonstrativ hinter Sané

Trotz der ordentlichen Quote von acht Torbeteiligungen in 16 Partien (fünf Tore, drei Vorlagen) ist Sané bei den Bayern noch längst nicht angekommen, das zeigte sich am Samstagabend einmal mehr. In den vergangenen Wochen hatte sich Flick immer wieder hinter seinen Top-Neuzugang gestellt. Nach Verletzungen brauche es Geduld, wiederholte der Bayern-Coach gebetsmühlenartig, die Trainingsleistungen würden ja passen.

Teamkollege Thomas Müller stellte sich nach der Partie in Leverkusen demonstrativ hinter seinen Teamkollegen. "Ich spiele mit ihm sehr gerne zusammen. Man hat gesehen, dass er richtig Zug reingebracht hat, als er eingewechselt wurde", meinte Müller im Interview bei "Sky": "Es wird sicher nicht mehr lange dauern, bis wir ganz anders über ihn sprechen. Er ist ganz nah dran, dass dieser Knoten aufgeht."

Und daran glaubt auch Sané selbst: "Ich bin selbst mein größter Kritiker und weiß einzuordnen, dass ich zuletzt mein Leistungsvermögen nicht abrufen konnte. Aber das wird sich ändern", versprach er gegenüber "Bild". 

In diesem Kalenderjahr wird dies allerdings nicht mehr der Fall sein. Für Bayern bedeutete das Topspiel in Leverkusen den Jahresabschluss für 2020 - weiter geht es bereits am 3. Januar mit dem Heimspiel gegen den Tabellenvorletzten FSV Mainz 05. Bis dahin sollte der Rückschlag vom Samstagabend verarbeitet sein.