"Jetzt geht's überall los!"

Die Bayern setzen beim 3:1 in Mainz „ein Zeichen der Stärke” – doch ausgerechnet bei Inter Mailand droht ihnen der Ausfall von Torjäger Mario Gomez
von  Patrick Strasser
Lieferten in Mainz den Beweis ihrer Klasse ab: Ribéry, Robben, Gomez und Müller.
Lieferten in Mainz den Beweis ihrer Klasse ab: Ribéry, Robben, Gomez und Müller. © dapd

Die Bayern setzen beim 3:1 in Mainz „ein Zeichen der Stärke” – doch ausgerechnet bei Inter Mailand droht ihnen der Ausfall von Torjäger Mario Gomez.

Mainz - So eine spielfreie Woche wie die vergangene hat doch auch sein Gutes für einen Fußballer. Kein Länderspiel, kein Pokal, kein Europacup – da geht man eben zum Friseur. Bastian Schweinsteiger und Frank Ribéry tragen ihr Haupthaar nun noch luftiger, wie beim 3:1 in Mainz zu bestaunen war. Mario Gomez hatte sich seinen 80er-Jahre-Look schon vorige Woche verpassen lassen.

Zwei Botschaften könnten dahinter stecken. Erstens: Konzentration auf das Wesentliche in den nun folgenden „entscheidenden Wochen” (Trainer Louis van Gaal) – weg mit der Eitelkeit, was ist schon eine Frisur? Und: Inter Mailand soll sich besser mal fürchten vor der (fast) kahlgeschorenen Truppe aus München, bei der nun nur noch Timoschtschuk und Pranjic Haarbänder benötigen.
Schweinsteiger traf sogar frisch rasiert mit dem Kopf. Sein erstes Mal im 239. Bundesliga-Spiel für die Bayern, nur für die Nationalelf hatte er schon einen Kopfball versenkt (2006 beim 2:2 im Testspiel gegen Japan). Dieser Bann also ist auch gebrochen. Was soll da noch anbrennen in den Champions-League-Duellen mit Inter Mailand? Teil eins der Final-Revanche für das 0:2 im Mai 2010 steigt am Mittwoch im Giuseppe Meazza-Stadion (20.45 Uhr, Sat.1 und sky live). Die Bayern sind bereit. Pronto per Inter.

Das Selbstbewusstsein: Die Punktverluste in Wolfsburg (1:1) und Köln (2:3) haben sich als Ausrutscher erwiesen. Die Mannschaft hat sich gefunden, wenn auch Louis van Gaal im Defensiv-Bereich noch etwas (zu?) wild experimentiert (siehe unten). Die Stammelf steht, demnächst wird Toni Kroos noch Danijel Pranjic ersetzen. „Wir haben wieder beinahe alle Mann an Bord”, sagte Kapitän Philipp Lahm, „dieses Spiel war ein Zeichen der Stärke. Jetzt geht es überall richtig los.”

Die Lockerhei t: Wer siegt, darf scherzen. „Mit einem 2:1-Sieg könnte ich leben, lieber wäre mir aber ein 2:0”, sagte Müller nach dem Erfolg in Mainz. Er sprach vom Duell beim Weltpokalsieger und Titelverteidiger der Champions League, bei Inter Mailand. Dass man in der Liga Platz zwei dauerhaft erobert und kommenden Samstag im Heimspiel gegen Borussia Dortmund Muskeln zeigt, ist Ansporn genug. Nur sollen diesmal Taten folgen – große Sprüche hat es schon zur Genüge gegeben. Sie wissen es. Müller: „Wir haben in dieser Saison schon viele Serien eingeläutet, aus denen dann nichts geworden ist.”

Die Offensive: Das Fünfeck Gomez, Müller, Schweinsteiger mit den Außen Ribéry und Robben lieferten wieder den Beweis ihrer Klasse ab. „Wir haben eine Mannschaft, die immer mehr Selbstvertrauen bekommt, weil wir viele Spiele gewinnen”, sagte Trainer Louis van Gaal. Die Zahlen sind beeindruckend: Mittelstürmer Mario Gomez erzielte sein 18. Ligator, hat zuletzt in 22 Pflichtspielen sagenhafte 26 Mal getroffen. Und Müllers eindrucksvolle Bilanz lautet: 17 Torbeteiligungen in 11 Spielen. Dank Ribéry und Robben. „Mit Arjen und Franck haben wir nach vorne eine ganz andere Qualität”, sagte Müller, „die beiden können uns genial einsetzen.” Und Gomez meint sogar: „Das sind die zwei Besten, die es im Fußball gibt.”

Doch ausgerechnet jetzt droht Mario Gomez auszufallen. Der Angreifer bekam in Mainz einen Schlag auf sein lädiertes Sprunggelenk ab. „Wir
müssen abwarten, ob er spielen kann”, sagte Trainer Louis van Gaal am Sonntag.„Es ist ein Problem.” Das van Gaal lösen kann. Sollte Gomez passen müssen, stünde Miroslav Klose als Ersatz bereit. „Miro ist in einer sehr guten Verfassung”, sagte van Gaal.