Gänsehaut-Moment: Badstubers x-tes Comeback

Der Fußball-Nationalspieler Holger Badstuber hat ein gutes halbes Jahr nach seiner letzten schweren Verletzung sein Comeback beim FC Bayern München gefeiert.
von  Patrick Strasser
Holger Badstuber, Note 3: 200 Tage hatte er verletzt gefehlt, und dann das: Schon vor seiner Einwechslung (59.) mit Sprechchören gefeiert, dann mit großem Applaus begrüßt. Das Stadion erhob sich für den Pechvogel der vergangenen Jahre, der sich wieder einmal zurückgekämpft hat.
Holger Badstuber, Note 3: 200 Tage hatte er verletzt gefehlt, und dann das: Schon vor seiner Einwechslung (59.) mit Sprechchören gefeiert, dann mit großem Applaus begrüßt. Das Stadion erhob sich für den Pechvogel der vergangenen Jahre, der sich wieder einmal zurückgekämpft hat. © sampics/Augenklick

Der Fußball-Nationalspieler Holger Badstuber hat ein gutes halbes Jahr nach seiner letzten schweren Verletzung sein Comeback beim FC Bayern München gefeiert.

München - Die Teamkollegen hatten ganze Arbeit geleistet und bereits zur Pause ein 4:0 gegen den bemitleidenswerten VfB Stuttgart vorgelegt. Die Show lief, die Tormaschinerie der Bayern sowieso. Wer hatte noch nicht, wer will noch mal?
Es war alles bereitet für den großen emotionalen Moment des Nachmittags. Schon am Mittwoch im Champions-League-Heimspiel gegen den FC Arsenal (5:1) war Holger Badstuber auf der Bank gesessen, allerdings ohne Einsatz geblieben. Diesen Samstagnachmittag in der Bundesliga beim Heimspiel gegen den VfB saß der 26-Jährige wieder auf der Bank, durfte sich ab der Halbzeitpause aufwärmen. Nach 59 Minuten war sein großer Moment gekommen. Genauer gesagt schon vorher: Als Guardiola ihn zu sich rief und der Innenverteidiger die Außenlinie an der Haupttribünenseite entlang lief, prasselten jede Menge Wärme, Zuneigung und Sympathie in Form von Applaus und Sprechchören auf Badstuber herunter. „Bad-stu-ber! Bad-stu-ber!“ intonierte die Südkurve, fast alle der Bayern-Fans unter den 75.000 Zuschauern stimmten mit ein. Als Thomas Müller das Zeichen zur Auswechslung erhielt, erhob sich die Allianz Arena. Müller umarmte Badstuber, der klatschte Arjen Robben ab und winkte Richtung Kurve. Das Comeback. Das x-te Comeback.

Diesmal brauchte der Nationalspieler, der sein letztes Länderspiel bei seinem vorherigen Comeback im März bestritten hatte, fast sieben Monate, um sich wieder ranzukämpfen nach einem Muskelriss im Oberschenkel, der im Anschluss an das 6:1 im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Porto (6:1) festgestellt wurde.

Badstuber bildete solide und souverän die Reha-Innenverteidigung mit Medhi Benatia, der zur Pause für Jérome Boateng gekommen war. Der VfB Stuttgart und Trainer Alexander Zorniger waren wohl ebenso erleichtert wie irritiert. 4:0 für FC Bayern und Pep Guardiola wechselte nur noch Verteidiger ein. Seit Dezember 2012 nun schon dauert Badstubers Leidenszeit an: Zwei Kreuzbandrisse, genauer gesagt eine Re-Ruptur nach fast erfolgter Heilung, danach ein Muskelsehnenriss im September 2014 und immer wieder, immer wieder diese Reha. Keiner kann mehr erzählen, über die psychische und physische Belastung des ewigen Wiederrankämpfens eines Sportlers nach Verletzungen. Wie selten er zum Einsatz kam, zeigt folgende Statistik: Es ist sein siebtes Profijahr und die halbe Stunde gegen den VfB war erst Badstubers 112. Bundesliga-Einsatz (von 216 möglichen!).

Das Spiel plätscherte dann so entspannt wie die Temperaturen im lauen Herbst dahin. Noch ein paar Torchancen, jedoch keine Tore, weniger Zirkus. 4:0. Ende.
Aber ganz viel Gefühl. Badstuber umarmte jeden Mitspieler, die Kollegen zollten ihm Respekt. Die Südkurve ließ ihn nochmal hochleben. Er bedankte sich artig.