Blatter gegen Hoeneß: Kampf der Alphatiere

Fifa-Präsident Sepp Blatter behauptet, Bayern-Boss Uli Hoeneß habe Schuld an der gescheiterten Bewerbung Münchens für die Winterspiele 2018 – weil er über die WM in Südafrika gelästert habe
von  Filippo Cataldo

MÜNCHEN Seit 1998 schon ist Sepp Blatter der Herrscher „über ein Reich, in dem die Sonne niemals untergeht”. Dies schrieb im März 2006 das „Fifa-Magazin” anlässlich des damals anstehenden 70. Geburtstags Blatters. Mittlerweile ist der Fifa-Präsident 75, und das Reich (und vor allem das Machtgebaren Blatters) hat sich nicht geändert. Der Schweizer führt den Weltverband nach Gutsherrenart, seine Amtszeit ist überschattet von immer wiederkehrenden Korruptionsvorwürfen.

Nicht erst seit der umstrittenen Vergabe der WM 2022 nach Katar gelten vor allem die Bayern-Größen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, mindestens so große Alphatiere des Fußballs wie Blatter, zu den profiliertesten und stimmgewaltigen Kritikern des Schweizers. Rummenigge sprach schon vom „Korruptionsstadl” Fifa und verglich Blatter erst im Dezember mit einem „Aal. Den kriegt man auch nie so richtig zu fassen.” Und Hoeneß forderte in der „SZ” Anfang Januar Blatters vorzeitige Absetzung: „Es kommt doch jede Woche was Neues! Wir werden das Thema jetzt wieder ständig am Köcheln halten.”

Nun hat Blatter im Kampf der Alpha-Tiere zurückgeschlagen – und Hoeneß indirekt beschuldigt, schuld zu sein an der gescheiterten Münchner Olympia-Bewerbung. Was wie ein irrer Vorwurf klingt, begründete Blatter in einem Interview mit dem „kicker” so: „Uli Hoeneß & Co haben im Vorfeld der WM 2010 in Südafrika derart gelästert, dass es kaum mehr zu steigern war”. darum hätte Münchens Olympiabewerbung bei der Wahl in Durban keine einzige Stimme der afrikanischen IOC-Vertreter bekommen. Das habe er auch OB Christian Ude so gesagt. Auch Rummenigge bekam von Blatter sein Fett weg. Dem Vorstandsvorsitzenden warf er Scheinheiligkeit vor: „Bei persönlichen Begegnungen haben wir ein gutes Verhältnis. Auge in Auge geht’s. Ist Rummenigge in München, kommt wieder etwas”, so Blatter.

Davon ist auszugehen, wie die Chronologie des Streits unter den Alphatieren der letzten zwei Jahre verdeutlicht:

Januar 2010: Hoeneß bezeichnet die Vergabe der WM nach Südafrika als „eine der größten Fehlentscheidungen” Blatters. Und weiter: „Ich fahre da nicht hin. Ich war nie ein großer Freund einer WM auf dem afrikanischen Kontinent, solange Sicherheitsaspekte nicht zu 100 Prozent geklärt sind.” Blatter reagierte scharf: „Es ist Unsinn, was Uli Hoeneß da sagt.”

Januar 2011: Der Ton wird schärfer. Nach Blatters Wiederwahl sagt Hoeneß: „So wird das gute Image des Fußballs kaputt gemacht. Es ist ein Skandal, wie die Dinge ablaufen” Blatters Konter: „Eigentlich verdient er dafür eine Gelbe Karte, die sehr nach orange aussieht.”

Juli 2011: Rummenigge mischt sich ein: „Die Fifa ist ein Korruptionsstadel – dafür gibt es genug Beweise”, sagt er. Im August vergleicht Rummenigge den Fifa-Boss mit dem gestürzten ägyptischen Diktator Hosni Mubarak: „Mubarak hätte sich vor einem Jahr auch nicht vorstellen können, dass er aus dem Amt gejagt würde.”

Dezember 2011 und Januar 2012: „Ich finde es schade, dass es solche Relikte gibt, die wie eine Diktatur geführt werden”, sagt Rummenigge und lässt seinen Aal-Vergleich folgen. Hoeneß legt dann in der „SZ” nach: „Blatter muss in den nächsten zwölf Monaten ganz klar erklären, wie er diesen Sumpf austrocknen will, und wenn er das nicht schafft, muss man Möglichkeiten schaffen, ihn abzusetzen.”