Beckenbauer wehrt sich: "Erstunken und erlogen!"

Franz Beckenbauer wird als "Bayerischer Jahrhundertsportler" ausgezeichnet - und wehrt sich gegen die Vorwürfe rund um die WM 2006: "Es ist einfach müßig, darüber zu reden"
von  Thomas Becker
Einer seiner seltenen öffentlichen Auftritte: Franz Beckenbauer am Samstag bei der Verleihung des Bayerischen Sportpreises.
Einer seiner seltenen öffentlichen Auftritte: Franz Beckenbauer am Samstag bei der Verleihung des Bayerischen Sportpreises. © dpa

München - Es ist bestimmt kein Zufall, dass ausgerechnet in dem Moment, als die bayerische Fußballdreifaltigkeit die lange Treppe in der BMW-Welt herab schreitet, sich die Abendsonne genau hier Bann bricht. Im gleißenden Licht geleiten die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge den Boss der Bosse hinein in die erwartungsfroh wabernde und wogende Festgesellschaft, die sich zur Verleihung des Bayerischen Sportpreises gleich in mehreren Hundertschaften versammelt hat. Dass der mittlerweile 72-jährige Kaiser nach einer Hüft- und zwei Herz-Operationen nicht mehr ganz so aufrecht geht, ist nicht zu übersehen, doch als er dann später mit Günter Netzer auf der großen Bühne steht und von seinem Befinden berichten soll, da ist er wieder ganz der Alte.

Als "Bayerischer Jahrhundertsportler" wird der Giesinger ausgezeichnet, und tatsächlich versucht der Bayerische Rundfunk das illustre Leben der "Lichtgestalt" in ein paar Minuten zu bündeln - kommt dabei allerdings auch nicht um die Schattenseiten herum. Und so spricht der tapfere Moderator Markus Othmer den Kaiser tatsächlich auf die Korruptionsvorwürfe rund um die WM 2006 an. Als Vorsitzender des Bewerbungskomitees soll Beckenbauer damals ja dubiose Zahlungen an die Funktionäre Jack Warner und Mohamed Bin Hammam zugelassen haben.

Bayerischer Sportpreis:

Seit Bekanntwerden der Vorwürfe hat sich der bis dahin so Omnipräsente aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, doch nun bekennt er Farbe - und wie! "Das hat mich alles sehr beschäftigt", sagt Beckenbauer, "diese Vorwürfe sind alle erstunken und erlogen. Das habe ich immer schon gesagt. Man bildet sich sein eigenes Bild - da hast du überhaupt keine Möglichkeit dagegen vorzugehen, das habe ich dann auch aufgegeben. Ich habe den Leuten Auskunft gegeben, die es von mir verlangt haben. Das habe ich getan, alles andere ist mir mehr oder weniger wurscht geworden. Es ist einfach müßig, darüber zu reden."

Günter Netzer, der Beckenbauer den Preis überreichen durfte, lässt nichts auf den Kaiser kommen: "Er war vor seiner Zeit der Beste, während seiner Zeit der Beste, und auch nach ihm ist nichts Besseres gekommen." Herrlich die Frotzelei zwischen den beiden, als Netzer von Beckenbauers größtem Fan erzählt: "Der Zeugwart - weil der Franz nach dem Spiel immer ein blütenweißes Trikot ablieferte." Oder die Schote, wie es ihm damals als HSV-Manager gelungen war, Beckenbauer von New York nach Hamburg zu lotsen.

Dauernd verletzt sei der Überflieger halt gewesen, berichtet Netzer: "Sogar beim Elfmeterschießen hat er sich einen Adduktoren-Abriss geholt: sechs Wochen Pause", petzt der 73-Jährige, "und der Ball ist noch nicht mal bis zur Torlinie gekommen!" Stimmt nicht, kontert Beckenbauer: "Die Adduktoren waren ab, aber der Ball war drin!" So hätte das ewig weiter gehen können, doch die Sendezeit ist knapp und Beckenbauer schon wieder unterwegs: zurück zu seinem Golfturnier, dem Kaiser-Cup in Bad Grießbach. Wie heißt es beim DFB so schön: Best never rest.