AZ-Serie: Als der FC Bayern Daum eine Lektion erteilte

1989 beschert Roland Wohlfahrt Bayern im hitzigen Duell gegen den 1. FC Köln die Meisterschaft. Zuvor hatte es beim legendären Sportstudio-Auftritt zwischen Daum und Hoeneß gewaltig gekracht.
von  Patrick Strasser
Der stille Star: Roland Wohlfarth mit Gattin Renate.
Der stille Star: Roland Wohlfarth mit Gattin Renate. © imago

1989 beschert Roland Wohlfarth Bayern im hitzigen Duell gegen den 1. FC Köln die Meisterschaft. Zuvor hatte es beim legendären Sportstudio-Auftritt zwischen Daum und Hoeneß gewaltig gekracht.

München - Dies ist die Geschichte von Roland Wohlfarth, dem wohl bescheidensten und scheuesten Bundesliga-Spieler, den der FC Bayern je hatte. Ein Top-Torjäger, zweimal Torschützenkönig, fünfmal Meister mit den Münchnern.

Dem heute 57-Jährigen, der in seiner Geburtsstadt Bocholt lebt, wurde in seiner Karriere stets vorgeworfen, etwas zu rundlich zu sein. Wohlfarth, der laut eigener Aussage "immer nur seine Ruhe haben wollte", war bequem, gemütlich, unauffällig – ein Anti-Star, im Strafraum jedoch alles andere als harmlos.

Der stille Star: Roland Wohlfarth mit Gattin Renate.
Der stille Star: Roland Wohlfarth mit Gattin Renate. © imago

155 Tore in 332 Pflichtspielen für Bayern in der Zeit von 1984 bis 1993 sprechen eine deutliche Sprache. Wohlfarths größtes Spiel im Dress der Roten fand am 25. Mai 1989 statt. Dank des introvertierten Mittelstürmers, der beim 3:1 in der 25., 85. und 89. Minute alle drei Tore für die Bayern erzielte, konnte man (mit Hansi Flick als Staubsauger im Mittelfeld) Gastgeber 1. FC Köln in deren Stadion eine Lektion erteilen – und dem extrovertiertesten aller Trainer gleich mit: Christoph Daum.

Streit zwischen Daum und Bayern-Manager Hoeneß im Sportstudio

Am 31. Spieltag der Saison 1988/89 fiel so die Vorentscheidung im spektakulären Meisterkampf. Bei einem Erfolg der Geißböcke wäre man punktgleich gewesen, nun war der Rekordmeister (nach alter Zwei-Punkte-Regel) vier Zähler vorne, am Saisonende gar fünf.

Zuvor hatte es geraucht. Nur vier Tage vor dem Aufeinandertreffen der Titel-Kontrahenten in Köln lieferten sich Daum und Bayern-Manager Uli Hoeneß, als "Anwalt" von Trainer Jupp Heynckes im Studio, ein legendäres Wortgefecht im "Sportstudio" des ZDF.

Auch Udo Lattek, damals Kölns Sportdirektor, war nur Statist beim verbalen Schlagabtausch. In der einen Ecke Hoeneß, damals noch mit vollem Haar und Krawatte, in der anderen Daum. mit Vokuhila, weißen Socken und Ballonseide. Ein paar Auszüge:

"Die Wetterkarte ist interessanter als ein Gespräch mit Heynckes"

Hoeneß: "Du hast über Jupp Heynckes gesagt: Der könnte auch Werbung für Schlaftabletten machen."

Daum (unterbricht): "Richtig." (Publikum raunt). Hoeneß: "Du hast über ihn gesagt: Wenn einer so dünnhäutig ist, hat er hier nichts zu suchen... (Daum nickt mehrfach) ...die Wetterkarte ist interessanter als ein Gespräch mit Jupp Heynckes."

Daum: "Richtig, ja, da stehe ich auch dazu!" Hoeneß: "...aber jetzt kommt der entscheidende Punkt: Nach dem Sieg über Inter Mailand ging es ihm mal für ein paar Stunden besser, da war eine Hirnwindung mehr durchblutet. Im Grunde genommen ist er völlig kaputt."

Hoeneß nach Saisonsieg: "Das war Leidenschaft"

Daum: "Schön, dass Du Dich so gut vorbereitet hast, ohne die Vorbereitung würdest Du ja gar nicht über die Runden kommen! (Publikum klatscht und johlt) Das ist jetzt nur im Prinzip eine Masche, um mich von meinem Weg abzubringen. Aber ich kann Dir garantieren: Das schaffst auch Du nicht!" (Publikum feixt). Hoeneß: "Ich werde das gar nicht versuchen, weil am nächsten Donnerstag ist Dein Weg zu Ende! (Daum macht den Scheibenwischer) ...und..." (Das Publikum singt: ,Zieht den Bayern die Lederhos’n aus!’, würgt Hoeneß ab).

Damals ebenfalls im Müngersdorfer Stadion mit dabei – ein gewisser Hansi Flick, hier im Duell mit Kölns Paul Steiner (l.).
Damals ebenfalls im Müngersdorfer Stadion mit dabei – ein gewisser Hansi Flick, hier im Duell mit Kölns Paul Steiner (l.). © imago

Am Donnerstag kam Wohlfarth (dessen Geschichte es doch nicht so recht wurde) – aber vor allem die Genugtuung für die Freunde Hoeneß & Heynckes. "Das war Leidenschaft", feierte sich Hoeneß später selbst. "Ich wollte Daum etwas entgegenschleudern, so wie man früher in der Geschichte den Speer geschmissen hat. Ich habe Worte geschmissen."

Daum wurde zu Hoeneß’ Lieblingsfeind. Die Dauerfehde erfuhr elf Jahre später ihren Höhepunkt. Als Daum im Herbst 2000 Bundestrainer werden sollte, spielte Hoeneß mit der Aussage über den "verschnupften Daum" auf dessen Kokainkonsum an.

Daum konterte, eine Haarprobe entlarvte ihn aber als Lügner.

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