Tod der Queen: Das passiert, wenn Königin Elizabeth II. stirbt - der geheime Ablauf

Die Queen brach 2016 den Thron-Rekord von Queen Victoria! Kein Monarch vor ihr regierte so lange wie sie. Die meisten Briten haben nie eine Zeit erlebt, in der Elizabeth II. nicht Königin war. Wenn sie stirbt, wird die Trauer riesig sein. Details für den Fall der Fälle sind mittlerweile bekannt geworden.
von  AZ/dpa
Queen Elizabeth II. steht seit 1952 an der Spitze des Vereinigten Königreichs.
Queen Elizabeth II. steht seit 1952 an der Spitze des Vereinigten Königreichs. © dpa

"London Bridge is down": Sollten diese vier Wörter einmal dem Premierminister zugetragen werden, so will es der "Guardian" wissen, dann geht in Großbritannien eine Epoche zu Ende. Dieser Satz soll - zumindest bislang - der Geheimcode sein, falls Königin Elizabeth II. (95) sterben sollte. Das schreibt die britische Zeitung und beruft sich dabei auf Insider. Offizielles ist dazu nicht bekannt: Der Buckingham-Palast gibt zu dem Bericht keinen Kommentar ab.

"Mein ganzes Leben, sollte es kurz oder lang werden", versprach die spätere Königin Elizabeth II. an ihrem 21. Geburtstag, wolle sie ihren Untertanen widmen. Inzwischen ist sie fast 70 Jahre auf dem Thron (am 2. Juni 1953 wurde sie zur Königin gekrönt). Scherzhaft wird sie als einzige Prinzessin bezeichnet, die einen Baum bestieg und als Königin hinunterkam. Denn die Nachricht vom Tod ihres Vaters, George VI., erreichte Elizabeth und ihren Mann Philip mit Verzögerung 1952 auf einer Kenia-Reise in einem Baumhaushotel. Der Geheimcode für Georges Tod soll "Hyde Park Corner" gewesen sein.

Detaillierter Plan bei Tod der Queen: Wer macht was?

Schon seit mehr als 50 Jahren wird dem "Guardian" zufolge geplant, was wer wann im Todesfall der Queen zu tun hat. Seit etwa 20 Jahren werde daran bis ins letzte Detail gefeilt. Inzwischen treffen sich die Beteiligten, darunter Regierungsvertreter und Armee, schon zwei- bis dreimal im Jahr, wie es in dem ausführlichen Bericht heißt. Seine Quellen nennt der "Guardian" zwar nicht namentlich, er will aber schon viele Details wissen: Wie werden die Commonwealth-Länder über den Tod der Queen informiert, welche Kleidung trägt der Diener, der die Nachricht an den Toren des Buckingham-Palastes anbringen muss? Wie kommt der Leichnam der Königin nach London, falls sie woanders stirbt?

Alles geklärt – wie die Zeitung schreibt: Zwölf Tage lang soll die offizielle Trauer dauern. Klamauk und Satire des Senders BBC seien dann unerwünscht. Das Volk könne sich in Westminster Hall von der Königin verabschieden, wo der Leichnam aufgebahrt sein werde. Der Palast rechne mit einer halben Million Menschen, die geduldig eine mehrere Kilometer lange Schlange bilden. Die wohl größte Beerdigung der Welt soll dann in der Kirche Westminster Abbey stattfinden. Etwa 2.000 Gäste werden dem Bericht zufolge erwartet, darunter viele Politiker.

Das US-Portal "Politico" will aus zugespielten Dokumenten erfahren haben, was im Falle des Ablebens der Queen zu geschehen hat. Der Todestag der Königin wird darin als "D-Day" bezeichnet; in Anlehnung an die Landung der Alliierten in der Normandie. Jeder weitere Tag bis zum Begräbnis wird als "D-Day+1", "D-Day+2" und so weiter bezeichnet.

Die Queen ist tot: Privatsekretär ruft Premierminister an

Als Erster wird in den Stunden nach dem Tod der Queen der Premierminister (aktuell: Boris Johnson) vom Privatsekretär der Queen (aktuell Sir Edward Young) angerufen. Er teilt den Code-Satz "London Bridge is down" mit. Anschließend erfährt es der Kabinettssekretär (der ranghöchste Beamte Großbritanniens) und weitere ranghohe Minister und Beamte. Dann wird der Palast eine offizielle Mitteilung herausgeben, um das Volk und die Weltöffentlichkeit zu informieren. 

Innerhalb der nächsten zehn Minuten sollen die Flaggen in Whitehall (Straße im Regierungsviertel) auf halbmast gesenkt werden. Anschließend soll in der St. Paul's Cathedral ein Gedenkgottesdienst stattfinden. Daran werden der Premierminister und eine kleine Anzahl hochrangiger Minister teilnehmen.

1. Tag nach dem Tod der Queen

Um 10 Uhr morgens werden am Tag nach dem Tod von Königin Elizabeth II. hochrangige Regierungsvertreter im St. James's Palast erwartet, um Prinz Charles zum neuen Herrscher zu erklären. Laut "Politico" würden "Hunderte von Geheimräten" zusammenkommen. Dunkle Krawatten sind Pflicht. Das Tragen von Orden ist nicht gestattet.

Die Proklamation zum König werde verlesen, wodurch Charles als König bestätigt werden würde. Das Parlament verabschiedet eine Kondolenzbotschaft und setzt die parlamentarische Arbeit für zehn Tage aus.

Wohin kommt der Sarg der Königin?

Der Sarg der Queen wird am zweiten Tag nach ihrem Tod in den Buckingham Palast gebracht. Stirbt die Königin in Sandringham, wird ihr Leichnam mit dem königlichen Zug zum Bahnhof St. Pancras in London gebracht, wo er vom Premierminister und den Kabinettsministern in Empfang genommen wird. Sollte die Queen in Balmoral (Schottland) sterben, tritt "Operation UNICORN" in Kraft. Dann wird der Leichnam mit dem Zug nach London überführt.

Am dritten Tag nach dem Ableben der Queen begibt sich Prinz Charles auf eine Reise durch das Vereinigte Königreich, die mit einem Besuch im schottischen Parlament und einem Gottesdienst in der St. Giles Cathedral in Edinburgh beginnt. An Tag vier trifft Charles in Nordirland ein.

Tag vier nach dem Tod der Queen

Ebenfalls an Tag vier wird eine Probe für die Prozession in London geplant: Der Sarg der Queen wird am fünften Tag vom Buckingham Palast zum Westminster Palast (Sitz des britischen Parlaments) gebracht ("Operation LION"). Im Anschluss wird es einen Gottesdienst in der Westminster Hall geben.

Die Queen wird drei Tage lang aufgebahrt

Im Westminster Palast wird die Queen drei Tage lang aufgebahrt. Der Sarg wird 23 Stunden am Tag für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Prozession, Schweigeminute und Staatsbegräbnis an Tag zehn

Zehn Tage nach dem Tod der Queen findet in der Westminster Abbey das Staatsbegräbnis statt. Zur Mittagszeit werden landesweit zwei Schweigeminuten eingelegt. Prozessionen in London und in Windsor soll es geben.

Beerdigung der Queen in der König-Georg-VI.-Gedenkkapelle

Prinz Philip, der Ehemann der Queen, wurde am 17. April 2021 in der St.-George's-Kapelle auf Schloss Windsor beigesetzt. Doch die sterblichen Überreste von Philip bleiben nicht länger in der Gruft, sondern werden umgebettet, wenn die Queen stirbt. Für die Königin ist ein Grab in der kleinen König-Georg-VI.-Gedenkkapelle vorgesehen. Philip und Elizabeth werden dann Seite an Seite für immer ruhen. Ebenfalls in der Gedenkkapelle bestattet: der Vater der Queen, Vater Georg VI., ihre Mutter und ihre Schwester Margaret.

Queen Elizabeth II. - Seit Jahrzehnten ein Fels in der Brandung

Nicht planbar ist die Schockstarre, in die das Land im Todesfall fallen dürfte. Denn die Briten lieben ihre Königin über alles. Sie führt das Land seit Jahrzehnten wie ein Fels in der Brandung durch alle Höhen und Tiefen und gibt vielen auch in den Brexit-Wirren Halt. Nur einmal fiel sie beim Volk in Ungnade, als sie beim Unfalltod ihrer Ex-Schwiegertochter Diana zunächst einfach schwieg.

Und wie geht es der Königin derzeit? Sie ist rüstig und bewältigt - stets in auffälligen Farben gekleidet und mit Handtasche am Arm - winkend und lächelnd noch immer ein ziemlich strammes Programm. Dabei wurde sie oft von ihrem im April 2021 verstorbenen Gatten Philip begleitet, den sie selbst als ihren großen Halt bezeichnete. Als das Paar am Weihnachtsfest 2016 schwer erkältet war, sorgte sich das ganze Land. 2017 ging Prinz Philip in den Ruhestand, am 9. April 2021 starb er mit 99 Jahren auf Schloss Windsor.

Etwas kürzertreten will die Königin aber schon und hatte zum Jahreswechsel 2017 einige Ehrenämter abgegeben – von mehreren Hundert.

Thronfolger ist Prinz Charles. Auch seine Krönung ist längst bis ins letzte Detail vorbereitet. Er ist inzwischen 72 Jahre alt und geduldet sich schon lange. Viele vermuten, dass es dem Menschenrechtler, Biobauern und Klimaschützer nicht so einfach wie seiner Mutter fallen wird, als Staatsoberhaupt mit seinen persönlichen Ansichten hinterm Berg zu halten. Spannend dürfte auch werden, ob Camilla als die Frau an seiner Seite wirklich vom Volk anerkannt wird. Denn mit ihr betrog er seine Frau, Prinzessin Diana. Welchen Titel trägt dann Camilla?

Prinz William übernimmt weitere royale Pflichten

Viele Briten würden lieber seinen Sohn Prinz William als Nachfolger auf dem Thron sehen. Er ist mit seiner Frau Kate und den drei Kindern wieder nach London gezogen, auch um seine betagte Großmutter bei ihren royalen Pflichten etwas zu entlasten.

Wie mühsam das Leben schon als Thronfolger Nummer zwei ist, hat William bereits zu spüren bekommen: Wegen eines Kurzurlaubs in der Schweiz, im Jahr 2017, mit ausgelassener Après-Ski-Feier stellten einige britische Medien den damals 34-Jährigen als ungeeignet für den Thron dar. Auch bei offiziellen Auftritten mit Kate wird jede Mimik des Paares gedeutet. Klar ist: Sollte Queen Elizabeth II. einmal sterben, wird ihr Nachfolger ein sehr schweres Erbe anzutreten haben.