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Nach Tod von Kasia Lenhardt: Cathy Hummels spricht über "brutale Fußballerwelt"

Nach dem plötzlichen Tod von Model Kasia Lenhardt (25) sind Cathy Hummels' emotionale Worte sehr bewusst gewählt. Als Spielerfrau kennt sie das Fußball-Business genau und musste selbst viele leidvolle Erfahrungen machen. Wie kann man sich vor Hass im Netz schützen und wie sollte man mit Hatern umgehen?
von  Steffen Trunk
Cathy Hummels steht seit 2013 in der Öffentlichkeit, 2015 heiratete sie Fußballer Mats Hummels.
Cathy Hummels steht seit 2013 in der Öffentlichkeit, 2015 heiratete sie Fußballer Mats Hummels. © imago/Skata

"Ich war geschockt und traurig. Mein Mitgefühl gilt ihren Angehörigen", sagt Cathy Hummels gleich zu Beginn des Gesprächs mit der AZ über den Tod von Kasia Lenhardt, der Ex-Freundin von Bayern-Kicker Jérôme Boateng. Hummels wünschte, sie hätte Kasia geschrieben: "Auch weil wir beide in der Fußballerwelt verkehren und ich weiß, wie brutal das sein kann." Denn: "Die Wahrheit ist oft eine ganz andere", meint die 33-Jährige.

Cathy Hummels, die Ehefrau von BVB-Star Mats Hummels, kennt die Schattenseiten als öffentliche Person und die einer Spielerfrau. Hass im Netz, also (un)bedachte bösartige Kommentare von Usern, schlägt vielen Prominenten tagtäglich entgegen. 

Cathy Hummels hat als Spielerfrau Spott und Häme abbekommen

Die 33-jährige Mutter eines dreijährigen Sohnes musste während ihrer medialen Anfänge viel Spott und Häme von der Presse oder gar anderen Spielerfrauen ertragen. Depressionen kamen zurück. "Mir hat meine Familie geholfen, aber auch, dass ich professionelle Hilfe hatte. Es ist total wichtig, dass man sich professionelle Hilfe sucht", sagt sie der AZ. Und weiter: "Ich habe dazu viel in meinem Buch 'Mein Umweg zum Glück' geschrieben. Im Nachhinein bin ich sehr glücklich, dass ich durch diese schwere Zeit gekommen und heute eine starke Frau bin."

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Image einer Spielerfrau: Hummels kritisiert Schubladendenken

Doch die Öffentlichkeit kann grausam sein, die Welt einer Familie eines erfolgreichen und bekannten Fußballers ebenso. "Brutal", nennt Cathy Hummels sie. "Es gibt sehr viele Neider, Missgunst und Vorurteile. Man wird sehr schnell abgestempelt", erklärt sie der AZ. "Die Schublade 'Spielerfrau' wird aufgemacht und viele negative Eigenschaften werden damit verbunden und einem zugeordnet. Ein Bild, das in der heutigen Zeit, in der es sehr viele starke und erfolgreiche Frauen gibt, die gegen solch antiquierte Vorstellungen ankämpfen, sehr veraltet und unangebracht ist."

Wichtig ist, so Cathy Hummels, dass man hinterfragt, aufsteht und sich wehrt, "wenn wir merken, dass etwas falsch läuft". Lauter Protest, sei wichtig und richtig: "Ich denke, dass die meisten Menschen gut sind. Das Schlechte gewinnt nur die Überhand, wenn die anderen schweigen."

Cathy Hummels: Kein Unterschied zwischen Taten im Netz und der realen Welt

Cathy Hummels fordert Konsequenzen für User, die sich im Netz unflätig benehmen. Deren Verhalten könne nämlich zu schlimmen Folgen führen: "Die Personen, die sich im Netz schuldig machen, sollten genauso behandelt werden wie in der realen Welt. Wir sollten weder rechtlich noch gedanklich einen Unterschied machen zwischen den Taten im Netz und der realen Welt."

Cathy Hummels kann mit Hate umgehen und will andere schützen

Sie selbst habe gelernt, Mobbing, Bodyshaming oder böse Schlagzeilen nicht mehr an sich herankommen zu lassen. "Mir geht es mittlerweile auch nicht mehr um mich und ich finde, wir sollten nicht darüber sprechen, wie Opfer damit umgehen, sondern, dass Mobbing und Hass in Zukunft keinen Platz mehr haben. Viele Jüngere können damit nicht gut umgehen, die müssen geschützt werden", erklärt Hummels. Die 33-jährige Mutter habe durch ihre Vergangenheit viel gelernt und kann mittlerweile damit umgehen. "Aber viele schaffen es nicht. Kasia hat es nicht geschafft."

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Cathy Hummels kennt das Spiel mit den Medien, hat als Spielerfrau jahrelange Erfahrung im Business und will sich für andere Frauen einsetzen und stark machen. Auf Instagram veröffentlicht sie erneut ein Bikini-Foto im Schnee und geht proaktiv vor: "Ich kann die bösen Kommentare schon sehen. Kein Bodyshaming! Jeder, wie er mag. Stoppt Hate und Mobbing. Du bist schön." Wie recht sie hat. 


Anmerkung der Redaktion: In der Regel berichtet die AZ nicht über Selbsttötungen – es sei denn, die Tat erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert und geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie bei der Telefonseelsorge: 0800–111 0 111 und 0800–111 0 222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist kostenlos.