Barbara Schöneberger: Bewusst raus aus der Komfortzone

Am Dienstag feiert Barbara Schöneberger ihren 45. Geburtstag. Acht Tage später steht die Münchnerin in der Olympiahalle auf der Bühne.
von  Markus Tschiedert
Barbara Schöneberger wird am Dienstag 45 Jahre alt.
Barbara Schöneberger wird am Dienstag 45 Jahre alt. © imago/Stephan Wallocha

München - In der kleinen Olympiahalle stellt sie vor allem Songs aus ihrem letzten Album "Eine Frau gibt Auskunft" vor. Für Barbara Schöneberger, die ebenso als Moderatorin und Schauspielerin erfolgreich ist, stellt das Singen die größte Herausforderung dar.

Im Interview gibt sie Auskunft über Ängste, Träume und die Erkenntnis, dass ihr Leben wunderbar gelungen ist. Die genau heute 45-jährige Moderatorin, Schauspielerin und Sängerin wuchs in Gröbenzell auf, ging aufs Pestalozzi-Gymnasium und lebt jetzt in Berlin

AZ: Frau Schöneberger, "Eine Frau gibt Auskunft" heißt Ihr Album vom vergangenen Jahr. War damals schon eine Konzerttour geplant?
BARBARA SCHÖNEBERGER: Ja, denn beim Schreiben dachten wir schon, welche Geschichten könnte man zwischen den Songs erzählen. "Vielleicht wird’s ja schöner" ist der Abschlusssong. Daran sieht man, dass wir schon im Song berücksichtigt haben, was auf der Bühne passieren wird.

Worum geht’s?
Da geht’s nur darum, dass man noch stehenbleibt im Licht und sagt: "Es kann nicht sein, dass jetzt das Licht ausgeht. Ich bleibe mal noch ein bisschen stehen hier auf der Bühne. Vielleicht wird es ja noch schöner und noch besser." Das kann ich total nachvollziehen.

Inwiefern?
Immer wenn du auf Tour gehst, denkst du: Ich will nicht und wünschte, ich könnte jetzt hier sitzenbleiben. Manchmal denkst du auch: Ich kann mich heute nicht öffnen. Aber sobald du auf der Bühne bist, denkst du natürlich: Ach, wie toll, Gottseidank habe ich mein Soziologiestudium mal abgebrochen! Und wenn es dann zu Ende ist, könnte ich auch noch eine Stunde länger.

Schöneberger: "Beim Singen bin ich aufgeregt"

Geht Ihnen das vor jedem Konzertabend?
Beim Singen schon, weil ich da einfach so einen Druck habe. Bei jeder anderen Sache bin ich, ehrlich gesagt, nicht mehr aufgeregt. Da bin ich locker und mach’ mein Ding.

Warum gerade beim Singen?
Weil die Leute zahlen, kommen und auch etwas erwarten. Ich glaube, um dich richtig anzustrengen, musst du diese Angst haben, was passiert, wenn keiner lacht und sich keiner amüsiert. In meinem Geschäft ist das der Alptraum.

Theoretisch müssten Sie gar keine Konzerttour machen, denn Sie sind ja auf anderen Plattformen erfolgreich…
Das stimmt. Aber ich mache es, weil es tatsächlich unbequem ist. Dahinter steckt also auch eine strategische Überlegung, was ich selten habe bei den Dingen, die ich tue. Das ist bewusst gemacht, um mal aus der Komfortzone rauszukommen.

Schöneberger: "Auf der Bühne stehen, um zu singen, ist eigentlich das Schönste"

Warum ist das wichtig?
Um innerlich nicht zu verlottern. Mein Leben besteht aus ausschließlich schönen Dingen, und es kann nicht sein, das es dann nichts mehr gibt, wo man sich sagt, jetzt muss ich mich aber mal ein bisschen zusammenkneifen. Wenn alles easy und überschaubar ist, macht das nicht das Beste aus einem.

Was sind die schönen Dinge?
Alles andere! Auf der Bühne stehen, um zu singen, ist eigentlich sogar das Schönste. Aber es ist für mich mit einer großen Anstrengung verbunden. Alles andere, was ich mache, ist ja nur: Ich komme als ich selbst. Ich erzähle über mich und kriege tolles Essen.

Von außen betrachtet hat man das Gefühl, dass Sie sich ständig neu ausprobieren, etwa mit einer eigenen Zeitschrift, und mit ‚Barba radio’ haben Sie noch einen eigenen Radiosender im Internet …
Ich mache aber nur, was ich sicher im Griff habe. Das mache ich auch bis zum Umfallen, weil es mich nicht anstrengt. Das ist ein großes Erfolgsrezept, das ich mit 40 verstanden habe, was ich kann und was nicht, und nur noch das mache, was ich kann.

Schöneberger: "Ich könnte auch mit Barack Obama ein schönes Gespräch führen"

Sie sind auch Talkmasterin. Gab es mal eine Berühmtheit, bei der Sie vor der Begegnung so richtig nervös waren?
Nein, das habe ich nicht. Mir ist relativ wurscht, wer es ist. Was einen nervös macht, ist ja nicht der besonders prominente Mensch, der da kommt, sondern das Drumherum, was gemacht wird, und wenn die Leute aus den Chefetagen persönlich anwesend sind. Da weiß ich, die haben heute eine gewisse Erwartung. Ich bin aber nie befangen, wenn jemand prominent ist. Ein gutes Rezept für ein authentisches Miteinander ist, dass man geradeaus mit dem genauso spricht wie mit dem, der einem das Mikrophon an den Kragen knipst.

Woran machen Sie ein gutes Gespräch fest?
Für meine Begriffe hat ein gutes Gespräch gar nichts mit einer guten Vorbereitung zu tun, sondern es ist eine Energiefrage. Manche kommen rein, denen gibst du die Hand und weißt, wir werden gut miteinander können. Auf diesem Wege könnte ich vielleicht auch mit Barack Obama ein gutes Gespräch führen, und ich würde es mich trauen, ohne vorbereitet zu sein.

Wäre Barack Obama ein schöner Gesprächspartner?
Ich habe mal mit Frauen darüber geredet, mit wem man gern einen Abend verbringen würde. Unabhängig voneinander haben fünf von acht Frauen gesagt: Barack Obama.

Schöneberger: "Auch ich habe manchmal Alpträume"

Sie haben erwähnt, dass Sie Ihr Soziologiestudium abgebrochen haben. Wachen Sie manchmal aus dem Traum auf, es nachholen zu müssen?
Ja, solche Träume kenne ich. Manchmal geht’s auch um eine Prüfung, die ich schreiben muss, ohne zu wissen warum, oder ich finde meinen Stift nicht. Ich träume auch von Notlagen, kurz bevor ich auf die Bühne gehen muss. Da kann ich dann plötzlich meine Kontaktlinsen nicht finden, oder sie sind zu dick, oder ich finde meinen zweiten Schuh nicht. Das sind Träume, die einem sagen, dass es einen doch beschäftigt, funktionieren zu müssen. Aber ich möchte nicht wissen, welche Alpträume Leute haben, die jeden Tag am Fließband stehen müssen.

Aber Sie haben nicht das Gefühl, Sie müssten mit dem Studium noch etwas in Ihrem Leben abschließen?
Überhaupt nicht, denn es würde mich an keinem Punkt meines Lebens weiterbringen. Das jetzt noch zu machen – nein, ich glaube auch nicht, dass ich mit 60 anfangen würde, Geschichte oder so etwas zu studieren. Diese Art von Sich-selber-etwas-beweisen brauche ich nicht. Dafür bin ich auch zu undiszipliniert.

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