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Die Schwarzen sind nur noch die Partei der Älteren und der Landbevölkerung – bei den Jungen und in der Stadt haben sie ausgespielt.
von  Angela Böhm

Die Schwarzen sind nur noch die Partei der Älteren und der Landbevölkerung – bei den Jungen und in der Stadt haben sie ausgespielt: Allensbach-Chefin Renate Köcher und ihre Botschaften in Kreuth.

WILDBAD KREUTH - Lange Gesichter bei der CSU in Kreuth. Was sich Ministerpräsident Horst Seehofer und Fraktionschef Georg Schmid mit der Spitze der Landtagsabgeordneten in Kreuth anhören mussten, sorgt nicht gerade für Optimismus: Die CSU ist nur noch eine Partei für die Alten und für die Landbevölkerung.

Bei den Jungen und den Städtern kommen die Christsozialen nicht mehr an. Die Partei gilt als „verstaubt” und als Repräsentant alter Werte. Der Begriff „konservativ” schreckt die Jugend ab. Im Vergleich dazu kommt „christliche Politik” bei ihr noch besser an.

Um zu erfahren, was die Bürger so denken, hatte die Fraktionsspitze Renate Köcher, die Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach, nach Kreuth eingeladen. Sie erklärte die Lage der Union. Daraus konnte die CSU ihre Schlüsse ziehen. Die beiden C-Parteien geben nicht mehr die Lebenswelt der jungen Generation wieder, sondern die der Alten. Bei den unter 30-Jährigen sind nur noch 13 Prozent für konservative Werte zu begeistern. 43 Prozent finden sie negativ.

Zwei Drittel der Unionswähler sind inzwischen über 45 Jahre alt. Vor der Piratenpartei allerdings müsse die CSU sich nicht fürchten, beruhigt Köcher. Auch wenn die vor allem junge Wähler abfischt, so entert sie mehr Stimmen im „linken Lager” bei den Grünen.

Das macht der CSU Hoffnung für die Landtagswahl 2013. Dort könnten ihr die Piraten zur absoluten Mehrheit verhelfen, wenn sie den Einzug in den Landtag knapp verpassen, aber SPD und Grünen genügend Stimmen abziehen.

Auch das Internet spielt für die Zukunft eine große Rolle. Zwar sagt Köcher, dass das Internet überschätzt werde. Auch wenn sich die Jugend nicht bei den Parteien, sondern in sozialen Netzwerken tummelt: Als politische Informationsquelle kommt es noch weit hinten. An erster Stelle stehe hier noch immer das Fernsehen, gefolgt von Tageszeitungen und Rundfunk.

Dass die CSU bei der jungen Generation und den Stadtbewohnern keinen großen Stich mehr macht, ist nicht ganz neu, auch wenn es so ungeschminkt selten auf den Tisch gelegt wurde. Schon vor Jahren hatte die Partei unter Führung ihrer Vize-Chefin Beate Merk eine Kommission gegründet, die sie in den Metropolen wieder in Stellung bringen sollte. Doch die Aktion verlief im Sand. Das kann nun besonders bitter werden. Denn Seehofer-Herausforderer Christian Ude (SPD) setzt bei seinem Angriff auf die Staatskanzlei voll auf den Rückenwind der bayerischen Städte.

Ein Rätsel ist für die CSU aber, warum sie ihre Attraktivität bei den Jungen verloren hat. „Für die gibt es nirgendwo mehr und bessere Chancen als im Freistaat”, flötet Fraktionschef Georg Schmid. Er machte gestern gute Miene zum bösen Spiel: „Die Sonne lacht über Kreuth und der CSU. Wir sind in bester Stimmung.” Schließlich gibt’s noch andere, positive Werte. „In einer Umfrage haben uns 57 Prozent der Bürger bescheinigt, dass die CSU die Probleme der Zukunft am besten lösen kann. Bei der Wirtschaftskompetenz haben wir 71 Prozent, die SPD neun Prozent”, erklärt er fast trotzig.

Die jungen Abgeordneten legten unter Leitung des CSU-Hochschulsprechers Oliver Jörg (39) zumindest ein Zukunftspapier vor: „Digitale Welten erschließen, Menschen vernetzen.” Und eine gute Nachricht hatte Köcher auch: Zumindest als Europa-Partei werden CDU und CSU von den Bürgern wahrgenommen.

Angela Böhm