Schi(c)kanederstraße: Schilderstreit am Westkreuz

Darf’s ein Buchstabe mehr sein? Die Stadt ist sich nicht ganz einig, wie sie den Theaterdichter Emanuel Schikaneder schreiben soll.
von  Florian Zick
Der richtige und der falsche Schikaneder: links-oben das Straßenschild (korrekt), rechts-unten das Umleitungsschild (nicht ganz korrekt).
Der richtige und der falsche Schikaneder: links-oben das Straßenschild (korrekt), rechts-unten das Umleitungsschild (nicht ganz korrekt). © zif/AZ

Darf’s ein Buchstabe mehr sein? Die Stadt ist sich nicht ganz einig, wie sie den Theaterdichter Emanuel Schikaneder schreiben soll.

München - Dem alten Emanuel Schikaneder, so darf man vermuten, wäre das alles wohl weidlich egal gewesen. Vielleicht wäre ihm dieser kleine Fauxpas gar nicht erst aufgefallen. Warum auch so genau hinschauen? Unter seinen Zeitgenossen hatten es schließlich viele nicht so sehr mit der Rechtschreibung.

Sogar der über alles erhabene Wolfgang Amadeus Mozart dichtete Schikaneder in seinen Notizen regelmäßig einen Buchstaben an: ein C vor dem K. Das verlieh dem Namen zwar eine gewisse Knackigkeit, hatte laut Schikaneders niederbayerischem Stammbaum dort aber rein gar nichts verloren.

Das Baureferat macht es wie Mozart – und damit leider falsch

Am Westkreuz hat es das städtische Baureferat nun gemacht wie Mozart. Im Zuge einer Baustelle wurde dort ein großes Umleitungsschild aufgestellt. Auf dem ist Schikaneder falsch geschrieben – mit ebenjenem knackigen Zusatz im Namen.

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Diejenigen am Westkreuz, die in Form einer Straße mit dem Erbe des bekannten Theaterregisseurs leben müssen, ärgert diese kleine Schlamperei schon ein bisschen. "Wir sind doch hier nicht die Schickeria", frotzelt ein Anwohner. Da gehöre sehr wohl ein C vor das K. Aber doch nicht bei Schikaneder.

Die Anwohner sprechen von einem Schildbürgerstreich

Von einem Schildbürgerstreich spricht ein anderer. Die Stadt sei da wohl ein bisschen schludrig gewesen, sagt er. Oder handle es sich etwa um "ein Zubrot für die Straßenschilderdruckerzunft"? Erst ein falsches Schild, später vielleicht ein richtiges? Zwei Aufträge statt nur einen?

Zugegeben, Emanuel Schikaneder hat es der Stadt nicht leicht gemacht. Dass er Ende des 18. Jahrhunderts als Autor der "Zauberflöte" ein Werk für die Ewigkeit geschrieben hat, darauf können sich die meisten einigen, um die richtige Schreibweise seines Namens hat es aber schon immer ein bisschen Heckmeck gegeben.

Biografen kennen ein ganzes Dutzend Schreibweisen

Manche Biografen listen vorsichtshalber gleich ein ganzes Dutzend Varianten auf: Schikaneder, Schikanedra, Schichtenöder – und ursprünglich hieß der talentierte Theatermann mit Vornamen auch gar nicht Emanuel, sondern Johann Joseph. Der Namenstausch kam erst mit wachsendem Erfolg. Wenn man sich in noblen Kreisen bewegt, dann klingt Emanuel einfach galanter.

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Irgendwann hat sich die Fachwelt auf den Namen Emanuel Schikaneder festgelegt. Was das nun für das Straßenschild am Westkreuz bedeutet? "Das müssen wir jetzt auch erst einmal herausfinden", heißt es aus dem städtischen Baureferat. Ob in so einem Fall das Schild ersetzt wird und was das letztendlich kosten könnte? Bevor die Behörde auf solche Fragen Antwort gibt, will sie die Hintergründe des Schilderstreits erst einmal gründlich recherchieren. Könnte ja schließlich auch sein, dass dem Schildermacher der Buchstabe einfach so reingerutscht ist.

Besonders oft scheinen solche Fehler jedenfalls nicht vorzukommen. Vielleicht lässt man dann einfach alles, wie es ist, ein Umleitungsschild ist ja schließlich nicht für die Ewigkeit. Und mit dem falschen Schickaneder schikanieren, das wollen sicher auch die Anwohner nicht.