München soll den realen Mietspiegel bekommen

Die Stadt will heuer die realen Mieten erfassen lassen – inklusive der günstigen Altverträge. Sozialwohnungen will die CSU lieber ausnehmen.
von  Irene Kleber

Die Stadt will heuer die realen Mieten erfassen lassen – inklusive der günstigen Altverträge. Sozialwohnungen will die CSU lieber ausnehmen.

München - Es geht, wie seit Jahren, rasant nach oben: Bei 11,69 Euro pro Quadratmeter liegt die Durchschnitts-Nettokaltmiete in München laut dem aktuellen Mietspiegel. Plus 4,1 Prozent mal wieder. Aber diesmal ist SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter der Grant über die Turbopreise durchgegangen. Als er Ende Februar die Zahlen präsentierte, kündigte er an, einen neuen "echten" Mietspiegel erstellen zu lassen.

Einen also, der nicht nur die teuren Neuvermietungen der letzten vier Jahre erfasst, wie es das Bundesgesetz vorschreibt. Sondern die reale Durchschnittsmiete für alle Münchner Wohnungen – inklusive der günstigen Mieten bei alten Mietverträgen, Genossenschafts- und Sozialwohnungen.

Befragung von Münchnern durch die LMU

Am Mittwoch soll die Stadtrats-Vollversammlung dazu Ja sagen – und wenn es so kommt, wird die Firma Kantar TNS zwischen Mai und Juli repräsentative 1.000 Münchner Mieter befragen, deren Günstig-Wohnungen bislang in den Mietspiegel nicht eingeflossen sind. Die Daten soll dann die LMU (zusammen mit den bisherigen Mietspiegeldaten) aufbereiten, damit bis November ein erster Mietspiegelentwurf beim Sozialreferat vorliegt.

Bis Februar 2020 wollen der OB und seine Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) dann ein offizielles Ergebnis. Und freilich gehen sie davon aus, dass am Ende die Durchschnittsmieten deutlich niedriger ausfallen. Dass die Rathaus-SPD dem zustimmt, ist klar. Die CSU will mit einem Änderungsantrag erreichen, dass es zwei Versionen einer Neubefragung geben soll – eine mit, aber auch eine, ohne dass die Sozialwohnungen mit einfließen.

Rechtlich bindend wäre der stadteigene Mietspiegel ohnehin nicht. Vermieter müssten sich nicht an ihm orientieren, wenn sie eine Mieterhöhung begründen wollten. Der OB will damit aber Druck aufbauen – damit man in Berlin darüber nachdenkt, das Bundesgesetz zu ändern – mieterfreundlich.