Idee von SPD und CSU: Kommt die Invasion der Heizpilze?

Die Stadt will Münchens Wirten eine längere Nutzung von Heizstrahlern erlauben. Damit könnte man vor Lokalen künftig auch im Winter draußen sitzen. Die Gründe für die Genehmigung.
von  Florian Zick
Die Stadt genehmigt mehr Heizpilze vor Lokalen.
Die Stadt genehmigt mehr Heizpilze vor Lokalen. © Gero Breloer/dpa

München - Der Münchner ist ein absoluter Frischluft-Fan. Egal ob Regen oder Sonnenschein: Seinen Spritz, sein Radler oder seinen Latte Macchiato trinkt er am liebsten immer noch im Freien.

Die Stadt hat Mitte des Jahres die Freischankzeiten von Gaststätten deshalb liberalisiert. Seitdem dürfen die Münchner probeweise länger draußen sitzen. Zwischen April und Ende September ist an Freitagen, Samstagen und vor Feiertagen nun statt um 23 Uhr erst um Mitternacht Zapfenstreich.

Offenbar ist die Zahl der Beschwerden gegen die neue Regelung sehr überschaubar. Die Stadtregierung denkt jedenfalls schon über eine neuerliche Ausweitung der Freischankzeiten nach.

Ausweitung der Freischankzeiten durch Hintertür

Der Stadtrat will sich nächste Woche mit dem Thema befassen. Offiziell geht es zwar bloß um eine längere Nutzungszeit von Heizstrahlern. Wer zum Luftschnappen mal kurz vor die Türe geht, der soll auch im Frühjahr und im Herbst nicht frieren müssen, so die Idee von CSU und SPD. Verbunden wäre damit letztlich aber doch eine Ausweitung der Freischankzeiten durch die Hintertüre.

Zwar dürfen Freischrankflächen schon jetzt grundsätzlich auch im Winter genutzt werden. Aber wenn es kalt und nass ist, wer setzt sich dann schon draußen hin? Mit Heizstrahlern dagegen könnten es Wirte ihren Gästen warm und lauschig machen.

Derzeit sieht die Verordnung für Freischrankflächen vor, dass Wirte ihre Heizstrahler nur in der Sommerzeit befeuern dürfen – also zwischen 25. April und 28. Oktober. Diese Regelung würden CSU und SPD gerne lockern. Wie genau, ist zwar noch nicht klar. "Wir müssen uns das noch einmal anschauen", sagt SPD-Vize Christian Vorländer. "Wir wünschen uns nach Möglichkeit aber eine Ausweitung", so Vorländer.

In der Gastronomie freut man sich über solche Ankündigungen. Wohl kaum ein Wirt würde die Möglichkeit ausschlagen, wenn er seine Freischrankfläche jetzt auch in der kalten Jahreszeit zu nutzen. Schießen in der Stadt jetzt also bald überall vor den Bars und Restaurants die Heizpilze aus dem Boden? KVR-Chef Thomas Böhle (SPD) hegt diese Befürchtung offenbar. Er lehnt die Heizpilz-Offensive der Großen Rathauskoalition jedenfalls ab. Man könne den Anwohnern von Lokalen nicht noch mehr zumuten, schreibt er in einer Stellungnahme für den Stadtrat.

In den anderen Referaten der Stadt hat man ebenfalls Bedenken. Umweltreferentin Stephanie Jacobs (parteifrei) warnt in ihrer Stellungnahme vor einer erheblichen Zunahme von Treibhausgasen. Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteifrei) hat noch andere Einwände. Für jede Gaststätte gilt nämlich eine Art Toiletten-Satzung. Je nach Größe des Lokals müssen auch die Sanitäranlagen entsprechend ausgestattet sein. Wenn sich Gäste aber nicht nur drinnen aufhalten können, sondern künftig länger im Jahr auch draußen, würde das "nicht mehr den bauordnungsrechtlichen Anforderungen entsprechen", so Merk in ihrer Stellungnahme.

Bei der CSU findet man die Argumente der einzelnen Stadtminister grundsätzlich nachvollziehbar. "Wir bedauern das Ergebnis zwar", sagt Stadtrat Sebastian Schall. Unter den neuen Gesichtspunkten müsse man sich das Thema nun aber noch einmal anschauen.

Was ist wichtiger: Der Wunsch der Münchner, draußen feiern zu können, oder der Wunsch der Anwohner, eine ruhige Nacht verbringen zu können? Der Stadt wird nächste Woche eine schwierige Abwägung vornehmen müssen.


Das sagen Wirte

Ugo Crocamo: "Toll für Gastro und Gäste"

Die geplante Heizpilz-Regelung ist eine super Bereicherung für alle. Toll für die Gastronomie – und alle Gäste. Die Münchner sind Frischluft-Fans. Sie fahren am Wochenende nicht nur gerne in die Berge, sie sitzen in Restaurants auch gerne draußen. In unserem Außenbereich vom H’ugo’s nutzen wir die Heizstrahler gern und sie sind auch bei den Gästen beliebt.

Da nicht jeder Winter so mild wie letztes Jahr ist, freue ich mich sehr über die Ausweitung der Heizpilzzeiten. Auch das Tambosi wird davon profitieren. Ein Pluspunkt für das Lebensgefühl der Münchner!

Michael Mühldorfer: "Im Winter ist’s kalt"

Aus Umweltschutzgründen bin ich dagegen dass man den Garten heizt, wenn es richtig kalt ist. Das würden wir auch bei mir im Café an der Uni, dem Cadu, nicht machen. Im Winter ist’s nunmal kalt und im Sommer ist es warm. Und so richtig warm kriegt man es auch mit einem Heizpilz nicht.

Wenn man allerdings einen warmen Dezember hat – was ja durchaus schon oft vorgekommen ist – und im Winter Temperaturen von 20 Grad sind, kann man mit Heizpilzen- und Strahlern dazuheizen. Als Wirt musst du aber auch überlegen, wieviel Energie das verbraucht.

Das sagen Umweltschützer

Herbert Barthel, Energie-Referent des Bund Naturschutz Bayern

Wir wollen den Klimaschutz, dafür müssen wir maßgeblich unseren Energieverbrauch senken. Darum sagen wir: Esst Erdbeeren im Sommer und Kartoffeln im Winter. Und lasst uns im Sommer in den Biergarten gehen und im Winter drinnen sitzen.

Wir müssen nicht unsere Jahreszeiten auf den Kopf stellen. Die Nutzung dieser Strahler auszuweiten ist nicht akzeptabel, wenn man Klimaziele ausgegeben hat, wie wir es getan haben."

Martin Glöckner, Geschäftsführer Green City

Der Stadtrat könnte auch genausogut den Vorschlag machen, vor den Lokalen Öltonnen aufzustellen und mit Schweröl zu heizen. Gerade wurden Klimaziele für 2050 festgelegt – und dann so eine Entscheidung?!

Es spricht doch nichts dagegen, dass die Gastronomen den Draußensitzern Decken zur Verfügung stellen – oder die Menschen, wenn es zu kalt ist, nach drinnen gehen. Viele Städte wie Münster, Ingolstadt, Berlin haben solche Heizstrahler verboten. Da gibt München ein schlechtes Bild ab.

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